Costa Rica Freiheit für Wildtiere

Orchideen statt Geparden: Costa Rica will die staatlichen Zoos schließen und zu botanischen Gärten oder Parks umbauen. Doch was soll mit den Tieren geschehen?

Am 28. Juli feierte der Zoo Simon Bólivar in San José, der Hauptstadt von Costa Rica, seinen 97. Geburtstag. Auf dem Festprogramm standen unter anderem eine Hundeshow, Tänze und viel Musik. Kinderschminken wurde angeboten, jede Menge Essen und Kinder unter drei Jahren hatten freien Eintritt. Es könnte der letzte Geburtstag des Tierparks sein, denn er soll geschlossen werden - ebenso wie alle anderen Zoos in Costa Rica.

Die Regierung in San José hat beschlossen, dass es bald schon keine öffentlichen Tierparks mehr geben soll. Als erster Schritt sollen kommendes Jahr der Zoo Simon Bólivar sowie das Santa Ana Conservation Center geschlossen und zu einem botanischen Garten und einem Park umgebaut werden. Die Tiere sollen entweder ausgewildert werden oder in Tierheimen und Auffangstationen weiterleben. So beschreibt der TV Sender Teletica das Vorhaben.

Mit pathetischen Worten - und einem ganz persönlichen Erfahrungsbericht - beschrieb Umweltminister René Castro in der Zeitung Nacion seine Motivation für ein tierparkfreies Land. In dem Artikel schildert Castro, wie er mit seinem Papagei auf der Terrasse saß. Plötzlich kamen wilde Papageien vorbei, denen sich der Ministervogel anschloss. "Wir waren beeindruckt, weil wir glaubten, wir würden uns gut um das Tier kümmern. Wir gaben dem Papagei Futter und Liebe. Doch als er die Chance hatte, verließ er uns", sagte Castro.

Zurück zu ihren wilden Artgenossen sollen nun auch hunderte Zootiere aus dem Hauptstadttierpark. Das Vorhaben der Regierung ist nur ein Baustein einer rigiden Umweltpolitik. Seit einiger Zeit bereits hat das Land Wildtiere im Zirkus untersagt. Ende 2012 verbot Costa Rica als erstes Land in Lateinamerika die Jagd auf Wildtiere als Sportart.

Doch mit dem neuen Plan, die staatlichen Zoos abzuschaffen, macht sich der Staat nicht nur Freude. Zwar freuen sich viele Tierschützer, die immer wieder über schlechte Lebensbedingungen der Tiere in den Zoos klagen, über die Ankündigung. Doch es gibt auch Kritik - von denen, die für die Tiere künftig sorgen sollen. Denn die Tierauffangstationen in Costa Rica sind völlig überlastet. Mehr als 2000 neue Tiere mussten sie in den ersten sieben Monaten des Jahres versorgen - mehr als sonst in einem gesamten Jahr. "Wir sind so überfüllt, dass wir gezwungen waren, Tiere abzuweisen", sagte eine Tierärztin dem Magazin National Geographic.

Denn seitdem das neue Tierschutzgesetz gilt, ist es auch verboten, Wildtiere zu Hause zu halten. Viele Menschen aus Costa Rica bringen ihre Tiere deshalb in die Auffangstationen, um sie wenigstens regelmäßig sehen zu können. Viele Rettungszentren bauen nun ihre Kapazitäten aus und suchen freiwillige Helfer.

Und die werden sie dringend brauchen, wenn die künftig auch noch die Zootiere versorgt werden müssen. Manche halten den Plan, die Tiere auszuwildern, schlicht für Unfug. Ein Tierarzt des Hauptstadt-Zoos sagte zu Teletica, die Regierung wisse nicht, wovon sie spräche. Kein einziges Tier könne einfach so in die Wildnis entlassen werden, so Randall Arguedas. Manche Vögel hätten Verletzungen, die sie am Fliegen hinderten. Andere hätten ihre natürlichen Instinkte komplett verloren.

Ohnehin könnte es noch eine Chance für den Zoo in San José geben. Denn der Staat hat den Betrieb des Tierparks an eine Stiftung vergeben. Dort argumentieren die Verantwortlichen, der Vertrag laufe noch bis zum Jahr 2024. Die Regierung habe es versäumt, die Abmachung rechtzeitig zu kündigen.