Burkini-Diskussion Imam postet Bild von Nonnen am Strand - Facebook sperrt Account

Mit dem Foto will Izzedin Elzir gegen das Burkini-Verbot in französischen Gemeinden demonstrieren. In den sozialen Netzwerken kursieren mittlerweile viele solcher Bilder.

Von Antonie Rietzschel

Es ist ein Bild der Unbeschwertheit: Mehrere Frauen in Nonnentracht laufen barfuß den Strand entlang. Zwei von ihnen stehen in den Wellen, winken und lassen sich fotografieren. Der Florentiner Imam Izzedin Elzir hat das Bild gepostet, kommentarlos. Doch auch so ist dem Betrachter klar, dass Elzir in der aktuellen Debatte um das Burkini-Verbot in zahlreichen französischen Gemeinden ein Statement setzen will.

Der Imam und Präsident der größten muslimischen Vereinigung in Italien schrieb später zur Erklärung, er wollte "jenen antworten, die sagen, dass unsere westlichen Werte anders sind im Hinblick auf die Art sich zu kleiden und den Körper zu bedecken". Dem Sender Sky Tg24 sagte Elzir, er habe mit dem Foto der Nonnen darauf hinweisen wollen, dass ein Teil der westlichen Werte dem Christentum entstammen und dass es auch im Christentum Menschen gebe, die sich in der Öffentlichkeit fast vollständig verhüllen.

Die Botschaft kommt an: Mehr als 2700 Mal wurde das Bild bei Facebook seit seiner Veröffentlichung vor drei Tagen geteilt. Außerdem war plötzlich der Facebookaccount des Imams gesperrt. Er wurde aufgefordert, glaubhaft nachzuweisen, dass es ihn, Elzir wirklich gibt. Auf Nachfrage erklärte Facebook dem Imam, mehrere Nutzer hätten sein Profil als Fake gemeldet. Elzir zufolge blieb sein Account sieben Stunden gesperrt. Mittlerweile ist er wieder freigeschaltet und mehrere Medien haben die Geschichte aufgegriffen, darunter auch arabische Nachrichtenseiten.

Elzir hat nach eigenen Angaben einen Anwalt eingeschaltet. Man lebe derzeit in schwierigen Zeiten und er wolle verstehen, was da passiert sei. "Warum sperrt man nicht all die Seiten, die so viel Hass vebreiten", sagt Elzir der italienischen Zeitung Repubblica. Er habe auch Zuspruch von christlicher Seite erhalten. "Ein Dialog ist nötig." Angesichts der Debatte über das Burkini-Verbot in Frankreich hat das italienische Innenministerium einen ähnlichen Schritt abgelehnt. Offenbar reicht das Elzir das klare Bekenntniss der Regierung nicht.

Unter dem Facebookpost von Elzir hat sich mittlerweile eine Diskussion zu dem Bild entsponnen. Die einen sehen es mit Humor: "Wir haben ein Thema gefunden, dass wir unter dem Sonnenschirm diskutieren können - wir hätten ansonsten über Schlaglöcher reden müssen." Ein anderer schrieb jedoch: "Euch ist schon klar, dass es sich hierbei um Mitglieder eines religiösen Ordens handelt und das schlicht ihre Uniform ist?".

Elzir ist nicht der einzige, der sich in sozialen Netzwerken mit Fotos von Nonnen gegen das Verbot wehrt:

Andrew Stroehlein von Human Rights Watch stellt die Nutzer vor ein Rätsel: Welche Badekleidung verboten sei - und welche nicht, fragt er:

Andere nähern sich dem Thema historisch:

"Als wir selbst den italienischen Burkini hatten", heißt es in diesem Tweet.

"Apropos Burkini", heißt es hier. "Es war ein mal vor nicht allzu langer Zeit. Leben und leben lassen."