Bafta Awards Herzogin Kate enttäuscht - mit smaragdgrünem Kleid

Statt Feministinnen-Schwarz nur Suffragetten-Grün? Das Kleid, welches Herzogin Catherine von Cambridge zur Verleihung der Bafta-Awards in London wählte, erhitzte manche Gemüter.

(Foto: Chris Jackson/AP)

Auf einer Preisverleihung trug sie keine schwarze Robe. Dabei hatte sich die prominente Gesellschaft gerade auf die Symbolkraft der Farbe geeinigt. Hat Kate das nicht mitbekommen?

Von Silke Wichert

Erste-Welt-Engpässe, die man nie für möglich gehalten hätte: schwarze Kleider. Bei den Golden Globes im Januar, die dieses Mal bekanntlich zu den "Black Globes" wurden, sollen hinter den Kulissen tumultartige Zustände geherrscht haben. Die Stylisten der Stars reißen sich immer um die besten Kleider für ihre Klienten, aber diesmal war die Auswahl im Zuge der breiten Unterstützung für die "Time's up!"-Initiative eben empfindlich eingeschränkt: Dresscode "all black". In ganz Hollywood hinge nicht mehr ein schwarzes Kleid in irgendeinem Showroom, hieß es in den Tagen danach.

Nun fanden die Bafta-Awards, so etwas wie das britische Pendant zur Oscar-Verleihung, am Sonntagabend glücklicherweise in London statt. Da waren offensichtlich noch ein paar schwarze Modelle aufzutreiben gewesen, jedenfalls erschienen fast alle Schauspielerinnen wieder durchweg in dunklen Roben oder Hosenanzügen, um zwar nicht verbal, aber deutlich sichtbar gegen die Diskriminierung von Frauen zu demonstrieren.

Jennifer Lawrence, Margot Robbie, Angelina Jolie - alles Schwestern im Geiste wie in der Garderobe. Langweilig sah das übrigens keineswegs aus, so ein bisschen Detoxing steht dem überdrehten Teppichgeschäft ganz gut, zur Abwechslung kommt es mal wieder auf die Schnitte an. Und dann gibt es ja auch noch die neue hochinteressante Disziplin: Wer macht nicht mit?

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Wer hält sich nicht an die Regeln? Herzogin Kate!

Diesmal Frances McDormand, die in schwarz-rotem Kleid für "Three Billboards outside Ebbing, Missouri" ausgezeichnet wurde, und in Bezug auf ihre Rolle erklärte, sie habe ein Problem, sich an Regeln zu halten, ansonsten sei sie aber voll solidarisch mit ihren "Schwestern in Schwarz". Und dann ausgerechnet die Frau, die für ihre eher überkorrekte Garderobe bekannt ist: Herzogin Kate. Die Hochschwangere stieg in einem dunklen Abendkleid aus der Limousine, aber spätestens als sie neben der in Schwarz gekleideten Direktorin der British Academy of Film and Television Arts auf den roten Teppich trat, wurde klar: Das ist nicht schwarz, das ist smaragdgrün, also kein solidarisches Statement vom britischen Königshaus. Der Shitstorm folgte prompt.

Auf Twitter meldeten sich die ersten Stimmen, sie seien enttäuscht von der Herzogin. Woraufhin die im königlichen Protokoll besser Unterrichteten konterten, als Royal dürfe man nun mal nicht öffentlich politisch Stellung beziehen. Und Schwarz sei im Übrigen gar nicht vorgesehen in der offiziellen Garderobe, außer bei Beerdigungen.

Dumm nur, dass Kate durchaus schon häufiger in Schwarz aufgetreten ist, unter anderem: bei den Bafta-Awards 2017. Damals trug sie eine blumenbedruckte Robe von Alexander McQueen. Wäre etwas Ähnliches jetzt nicht auch eine Lösung gewesen, um sich elegant aus der Affäre zu ziehen? Zumal auf Twitter vor allem diskutiert wurde, dass der Protest doch keine politische, sondern vor allem "eine Frauensache" sei. "Wäre es wirklich so schlimm gewesen mitzumachen?", fragte eine Userin. Das würde einen tatsächlich mal interessieren, welche Strafen im Buckingham-Palast auf Protokollverstöße in Sachen Kleidung stehen. Drei Wochen kein Vier-Uhr-Tee mit der Queen? Vorübergehendes Sperren der Kreditkarte?

Doch subtile Solidarität?

Die Online-Ausgabe der Vanity Fair hingegen spekulierte, der schwarze Gürtel am grünen Kleid sowie die schwarze Handtasche seien womöglich Kates Art der subtilen Solidarität gewesen, während die Online-Redaktion der australischen Harper's Bazaar gar orakelte, das Kleid der britischen Designerin Jenny Packham transportiere womöglich eine versteckte Botschaft: Die Suffragetten hätten schließlich als eine ihrer Farben Dunkelgrün gehabt. Dazu die Smaragde ihrer Halskette, "Zeichen von Harmonie, Mitgefühl und Hoffnung". Hätte sie Knallrot getragen, hätten irgendwelche Kate-Fans das wahrscheinlich auch noch zum geheimen Protestakt stilisiert. Aber wer sich weder das eine klare Statement noch das andere traut, "der sollte vielleicht besser zu Hause bleiben", schrieb jemand auf Twitter.

Die Aufregung zumindest zeigt: Der Gang über den roten Teppich ist längst kein Spaziergang mehr. Momentan wird jedes Kleid auf die Goldwaage gelegt (ist das noch Schwarz? Schon zu sexy für Protest?), die Revers der Männer nach Ansteckern abgesucht (dass Prinz William keinen "Time's up"-Button trug - längst notiert).

Und wehe, jemand betreibt das Ganze nur so als eine Art Mottoparty und hat mit der ganzen Sache gar nichts am Hut, beziehungsweise, schlimmer noch, hat sich womöglich selbst schuldig gemacht: Der Schauspieler James Franco war bei den Golden Globes solidarisch mit Ansteck-Pin erschienen, woraufhin er noch in derselben Nacht von einer ehemaligen Filmstudentin auf Twitter als Heuchler beschimpft wurde. Womöglich entschuldigt sich der ein oder andere bei den diesjährigen Oscars doch lieber kurzfristig mit einem Blitz-Virus.

Kleidung ist seit Weinstein mehr denn je stilles politisches Statement

Der Gang zum Kleiderschrank mag einfacher sein als die öffentliche Protestrede, aber Kleidung war schon immer ein probates Mittel, um auf großer Bühne für eine Sache Aufmerksamkeit zu erzeugen. Jane Fonda erschien bereits 1971 zur Oscar-Verleihung in einem dunklen Hosenanzug - damals ein Novum - um gegen den Vietnam-Krieg zu demonstrieren.

Im vergangenen Jahr erschienen eine Reihe von Gästen mit hellblauer "Aclu"-Schleife, zur Unterstützung der amerikanischen Bürgerrechtsunion in Zeiten von Trump. Seit dem Harvey-Weinstein-Skandal ist Kleidung mehr denn je zum stillen politischen Statement geworden, das Diskussionen in Gang setzen kann. Über die Golden Globes wurde so viel berichtet wie lange nicht mehr, auch die Reden waren so politisch wie nie.

"Ich bin es leid, nicht das Gleiche zu verdienen und ungleich behandelt zu werden", sagte die britische Schauspielerin Kristin Scott Thomas am Rande der Bafta-Preisverleihung. Natürlich war auch sie in Schwarz gekommen. Es sei wichtig, ein Zeichen zu setzen, und das täten die Frauen jetzt. So zu tun, als sei das, was man sich anziehe, einfach so passiert, funktioniert momentan nicht mehr. Der Paul-Watzlawick-Satz ("man kann nicht nicht kommunizieren") gilt letztlich auch für die Mode. Oder, wie Karl Lagerfeld es ausdrückt: "Der Mode entkommt man nicht." Es sei denn, man bleibt zu Hause.

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