Zum Sylvensteinspeicher Schülerinnen und Schüler laufen 100 Kilometer - ohne Essen und Geld

Sport spielt in Kristin Kluczewskis Leben eine große Rolle: Sieben Jahre lang hat die 17-Jährige fünfmal in der Woche im Leistungsbereich Fußball gespielt, seit einer Verletzung vor eineinhalb Jahren geht die Elftklässlerin vor allem ins Fitnessstudio.

(Foto: privat)

Am Mittwochmorgen sind die zwölf Teenager losgelaufen, Freitag wollen sie am Sylvensteinspeicher ankommen. Eine Schülerin erzählt von ihren Erwartungen an das ungewöhnliche Projekt.

Interview von Hannah Schuster

Einhundert Kilometer laufen in zwei Tagen, ohne Geld und ohne Essen mitzunehmen: Das ist der Plan von zwölf Schülern des Wittelsbacher-Gymnasiums. Die Idee stammt von Lehrer Simon Tschochner, der die Gruppe mit einer Kollegin begleitet. Mittwochvormittag laufen sie los, am Freitag wollen sie am Sylvensteinspeicher ankommen. Mit dabei haben sie nur Wasser, eine Zahnbürste, eine Kopfbedeckung und Sonnencreme. Was sie sonst entlang der Strecke brauchen, wie Essen und eine Unterkunft, das müssen sich die Schüler selbst organisieren. Auch die Streckenplanung liegt in ihrer Hand - eine Information, die sie aber erst am Vorabend bei einer "Nudelparty" bekommen haben: Die Pasta soll die nötigen Kalorien liefern. Schülerin Kristin Kluczewski berichtet von ihren Erwartungen.

SZ: Wie war Ihr erster Eindruck, als Sie von der Idee gehört haben?

Kristin Kluczewski: Mein erster Gedanke war, "Ja, auf jeden Fall", beim zweiten Gedanken kamen ein bisschen Zweifel, ob das eine gute Idee ist, ob das zu viel ist - aber letztendlich war's klar, dass ich da mitmachen will.

Und warum beteiligen Sie sich?

Zum einen, weil ich Sport liebe und ich das als eine totale Herausforderung sehe für mich selbst, als Sportlerin mal an meine Grenzen zu gehen. Ich hab' noch nie von so einer Möglichkeit gehört und finde das total toll. Ich mag auch einfach alle, die da mitmachen; ich glaube, dass das eine Herausforderung für jeden wird, aber es wird auch total viel Spaß machen!

Aufladen der Kohlenhydratspeicher: Pasta und Pizza sollten am Abend vor dem Start noch einmal die notwendigen Kalorien liefern.k

(Foto: Florian Peljak)

Was erwarten Sie denn von der Strecke?

Ich denk' mal, dass das am Anfang noch lustig und wie ein normales Training sein wird, aber wenn man die erste Blase bekommt oder der Hunger nach sechs Stunden Laufen kommt, dass das dann schon ein Kampf mit sich selbst wird. Aber ich glaube, der Teamgeist wird auf jeden Fall total anspornen und das Miteinander wird einem unglaublich helfen, die Strecke zu laufen.

Haben Sie sportlich schon mal etwas Vergleichbares gemacht?

Da muss ich grad mal überlegen... (lacht) Ehrlich gesagt nicht, nein. Dieses Jahr hatte ich vor, einen Halbmarathon zu laufen im Oktober, aber davor habe ich das jetzt noch nicht gemacht. Ich hab' mich eigentlich nicht besonders darauf vorbereitet, sondern einfach mein normales Training weitergemacht.

Sie starten ja ohne Geld und Essen, wie wird das funktionieren?

Bis jetzt bin ich noch der Meinung, dass man nicht so viel Essen braucht, aber wenn ich daran denke, dass ich nach zwei Stunden in der Schule schon Hunger habe, glaub' ich schon, dass das ein Problem sein wird. Aber ich denke auch, dass uns, wenn wir dann irgendwo nachfragen, die Leute da entgegen kommen werden, wenn wir ihnen von unserem Projekt erzählen - und uns dann ein bisschen unterstützen mit Essen. Die Unterkunft - da bin ich selbst ein bisschen gespannt: Mir ist noch nicht ganz bewusst, wie wir das letztlich machen werden. Aber ich schätze, dass da jeder von uns bereit wäre, notfalls auch ohne Unterkunft zu schlafen.

Was ist, wenn einer aus der Gruppe nicht mehr kann oder sich verletzt?

Da war von Anfang an klar, wenn einer eine Pause braucht, dass wir alle eine Pause machen werden, und wenn sich einer verletzt, wird sich definitiv ein Weg finden, dass wir das durchziehen. Und ich glaube, der Teamgeist ist so groß, dass der eine dann auch sagen würde, "ja komm, wir fahren zusammen nach Hause mit der S-Bahn". Und wir werden da auf jeden Fall gemeinsam eine Lösung finden.

Wie ist denn jetzt vor dem Start Ihre Gefühlslage?

Ich freu' mich jetzt schon total auf den Abend, wenn's los geht - Befürchtungen habe ich eigentlich keine, ich freue mich nur. Wir lachen alle eigentlich nur darüber, was wir machen und können das selbst noch nicht ganz glauben, auf was wir uns da einlassen. Ich bin gespannt, wie das ausgeht und wie ich dann am Freitag davon reden werde.

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