Neuheiten auf der Ispo Skibindung aus dem 3D-Drucker

Skifahren ist die große Leidenschaft von Markus Steinke.

(Foto: Claus Schunk)
  • Ein Mann aus dem Landkreis Wolfratshausen hat eine stabile Bindung für Skitourengeher und Tiefschneefahrer entwickelt, die aus dem 3D-Drucker kommt.
  • Ein Großteil der Materialien, die er dafür verwendet, wird in Bayern hergestellt.
  • Verglichen mit ähnlichen Systemen ist die "Pindung" mit 800 Gramm erheblich leichter.
Von Benjamin Engel, Oberhaching/Dietramszell

Die kinnlangen, rotbraunen Haare sind unter einer Mütze verborgen. Markus Steinke trägt einen dichten Vollbart und begrüßt einen mit festem Händedruck. Steinke, ein sportlicher, kräftiger 40-jähriger Mann, wirkt, als könne ihn kaum etwas aus der Fassung bringen. Und doch ist ihm im August ein wenig mulmig geworden. Da stand der Ascholdinger an einem steilen, hart gefrorenen Hang mit vereisten Buckeln und fragte sich voll Sorge, ob seine Erfindung wohl ganz bleiben würde. Inzwischen, rund 30 000 Höhenmeter später hat er die Sicherheit: Sie funktioniert.

Wovon Steinke so spannend erzählt, ist seine neue Entwicklung: die Pindung. Hinter dem Namen verbirgt sich eine Skibindung für Tourengeher und Freerider. Dafür hat er 2014 das Unternehmen Bavarian Alpine Manifest (B.A.M.) gegründet. Zusammen mit Michael Kreuzinger hat er seine Idee seither umgesetzt und zum Patent angemeldet. Der Clou aus seiner Sicht: Die Pindung soll die Sicherheitsanforderungen einer herkömmlichen Bindung mit dem Aufstiegskomfort eines rahmenlosen PIN-Systems verbinden.

Weniger Gewicht als vergleichbare Bindungen

Ein Bügel am Vorderbacken lässt sich einfach umlegen. Dadurch fahren zwei Zapfen (Pins) aus. Sie halten den Skischuh beim Aufstieg. So wird die Bindung leichter, wird insgesamt nur rund 800 bis 900 Gramm wiegen. Ein optimierter Drehpunkt soll den Gehkomfort erhöhen. In der Abfahrt soll die Pindung dieselben Sicherheitsstandards wie klassische Produkte bieten. So lässt sich der Z-Wert zwischen 6 und 14 einstellen, das ist der Wert, bei dem sich die Bindung öffnet. Die Bindung soll perfekte Kraftübertragung und eine niedrige Standhöhe bieten. Damit wollen die Entwickler eine Marktlücke schließen.

Fit werden in künstlichen Welten

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Kreuzinger hat daran gearbeitet, das hintere Fersenteil der Bindung weiter zu entwickeln. Seit dem ersten Test in Neuseeland im dortigen Frühling hat der Prototyp für den Vorderbacken alle Belastungen ausgehalten. Die Plastikbestandteile stammen aus dem 3 D-Drucker. Steinke und Kreuzinger haben den Prototypen schon auf der Alpinmesse Innsbruck Anfang November gezeigt. Mit einem Stand sind sie auch auf der Münchner Sportartikelmesse Ispo vertreten, der größten Messe ihrer Art weltweit, die noch bis Mittwoch läuft.

Steinke hat mit B.A.M. zur Finanzierung seiner Entwicklung eine Crowdfunding-Aktion bei einer Plattform im Internet gestartet. In sechs Wochen hat er damit knapp 50 000 Euro eingesammelt. 134 Unterstützer gaben Geld. Sie erhielten je nach Höhe des gespendeten Betrags ein kleines Dankeschön wie limitierte B.A.M.-Ski mit Pindung, Thermo-Trinkflaschen, Stirnbänder oder T-Shirts.