LaBrassBanda beim Loisachgaufest Durchgeschwitzt und überglücklich

Das Konzert im Festzelt in Egling zeigt: Die Provinz kann cooler sein als die Großstadt - und Tradition kann man fetzig fortführen.

Von Claudia Koestler

Die Beats pochten sich in Sekundenschnelle in jede Zelle, Schweiß tropfte, Hitze und Dezibel lieferten sich ein Duell im Zelt, und ein Entrinnen gab es nicht: Wenn Tausende wippen und springen, schwingt der Holzboden so mit, dass man auch am Rande unweigerlich in die Höhe geschnellt wird. Das 90. Loisachgaufest, das die Festgemeinschaft Egling ausrichtet und das noch bis zum 16. Juli dauert, begann am Freitag mit einem Spektakel der Extraklasse: dem Konzert von LaBrassBanda, von dem sich mehr als 3500 Besucher in Ekstase versetzen ließen.

Dicht an dicht standen, hüpften und tanzten die Fans.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Schon nach den Vorbands, der Degerndorfer Blasmusik und der australischen Band Caravana Sun, war klar: Egling kann beides, Tradition und Moderne. Und es kann auch mit schlechtem Wetter umgehen. Pünktlich zum Auftritt der Chiemseer Musiker zogen schwere Gewitterwolken über das Zelt, LaBrassBanda wurden mit Blitz und Donner auf der Bühne begrüßt.

Bierzelte sind oft nicht komplett wasserdicht. Vor allem an den Übergängen zu den Anbauten machte sich also ein satter Wasservorhang breit, während der Regen, der auf die Planen prasselte, bewies, dass er noch mehr Beats per Minute drauf hat als die Hochgeschwindigkeitsmusiker von LaBrassBanda. Das lang erwartete Konzert machte das Zelt zum Dampfdruckkessel, in der Musik und ausgelassene Feierlaune zu einer Riesengaudi verschmolzen.

LaBrassBanda rockten das riesige Bierzelt.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Von den ersten Sekunden an trieben LaBrassBanda den Spaßregler in den roten Bereich, und das im "längsten Festzelt, das ich je gesehen habe", wie Frontmann Stefan Dettl beeindruckt sagte. Satte 100 Meter ist das 25 Meter breite Zelt lang, weshalb die Hälfte der Besucher das Geschehen auf der Bühne per Leinwand verfolgen konnten. LaBrassBanda präsentierten eine Mischung aus alten und neuen Hits, bestechenden Vollgas-Grooves und durchgerockten Songs, die direkt vom Ohr ins Bein rumpelten. Die ekstatisch-schweißgetränkten Fans gingen mit wie Derwische unter Starkstrom, in der vorderen Hälfte wurden sie gar zur Massenbewegung: Wo kein Blatt mehr dazwischen passte, sprangen sie im Kollektiv, warfen die Arme nach oben, tanzten in Formationen mit - und Dettl agierte als Hochleistungs-Vorturner.

Am Sonntag zogen die Burschenvereine durch Egling.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Natürlich war den Eglingern mit dem Engagement der Band ein Coup gelungen. Noch immer eignet sich kaum eine Formation besser, den plötzlich hip und lässig klingenden Begriff Heimat einzufangen und zu beweisen, dass die Provinz cooler sein kann als die Großstadt, und genauso weltläufig: In Egling tauchten musikalisch gesehen nicht nur jede Menge Länder, sondern auch viele Genres auf. Immerhin heißt LaBrassBandas neuestes Album "Around the World". Bekanntes und Beliebtes wie "Nackert", "Kiah Royal" oder "Bauer, Bauer" fehlten dennoch nicht, auch nicht der "Tuba Techno". Das Publikum jedenfalls tobte vor Glück, das dank Zugaben lange währte. Sogar die Suche eines Buben nach seinem Vater war willkommener Anlass, noch eins drauf zu legen - bis beide sich wiedergefunden hatten. So schafften es LaBrassBanda, den Fans die letzten Kraftreserven zu entlocken. Aber, wie sagte Dettl? "A Konzert, auf dem man ned patschnass wird, is' koa g'scheits", und schälte sich selbst aus dem tropfnassen Shirt. Wer nicht verschwitzt, euphorisiert und mit Muskelkater heimging, war nicht dabei. Oder hatte noch was vor, zum Beispiel am Tag darauf den eher traditionellen Tanzabend "G'schneidig zamg'spuit und danzt".

Oder am Sonntag das "größte Burschenfest im Oberland", wie es angekündigt war. In der Tat boten die rund 2000 Burschen und auch Hunderte Madeln am Sonntagvormittag beim Kirchenzug und beim Festzug durch die Gemeinde einen prächtigen Anblick: Die kilometerlangen Abordnungen waren ein Meer aus Gamsbärten und Adlerfedern, Joppen und Jankern, Lederhosen und Wadlstrümpfen und kunstvoll gestickten Fahnen. Anschließend ließen es die jungen Leute im Festzelt krachen. Unter der Woche können nun Helfer, Veranstalter und Gäste durchschnaufen, ehe es am kommenden Wochenende weitergeht, unter anderem mit dem eigentlichen Höhepunkt, dem Gaufest, am Sonntag.