Kloster Beuerberg Ein Leben in Stille und Einsamkeit

So viele Salesianerinnen wie zum 350-jährigen Ordens-Jubiläum in Bayern im Vorjahr waren in Kloster Beuerberg lange nicht mehr zu sehen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die letzten Salesianerinnen verließen 2014 Kloster Beuerberg. Noch ist unklar, was mit der Anlage geschieht.

Von Benjamin Engel

Als die Salesianerinnen Ende Oktober 1831 das Dietramszeller Kloster beziehen, erscheint ihnen das Wetter zeichenhaft. Der Himmel ist blau. Die Sonne scheint so warm wie im Sommer. Als die Schwestern einklausuliert werden, beginnt es aber zu schneien. So berichtet die Ordenschronik. Ihr Inhalt ist erstmals auszugsweise in einem aktuellen Kompendium des Freisinger Diözesanmuseums erschienen. Es soll die derzeitige Ausstellung zum klösterlichen Leben in Beuerberg - die Schau geht am Pfingstsonntag, 20. Mai in die dritte Auflage - ergänzen.

Die Auszüge der Chronik von der Gründung des Ordens in Bayern im Jahr 1667 bis zu den Klosteransiedlungen von Dietramszell (1831) bis Beuerberg (1846) werfen intime Schlaglichter auf den Alltag der Salesianerinnen. Der Leser erfährt von der schwierigen Eingewöhnung der Novizinnen in ein Leben voll Stille und Einsamkeit. Denn die Ordensschwestern führten ein weltabgewandtes Leben. Gleichzeitig übernahmen sie die Erziehung der weiblichen Jugend aus der Oberschicht. Bis Anfang der 1990er-Jahre beziehungsweise bis in die 1930-er Jahre führten sie in Dietramszell sowie Beuerberg Mädchenschulen.

2014 verließen die letzten Salesianerinnen Kloster Beuerberg. Die Erzdiözese München und Freising kaufte dem Orden die Anlage ab. Bis heute ist die zukünftige Nutzung aber offen. Zwar knüpft die Kirchenverwaltung an die Bildungstradition der Salesianerinnen im Kloster Beuerberg an. In diesem Jahr startet eine Ausstellung zum klösterlichen Leben in dessen Räumen in die dritte Saison. Seit vergangenem Herbst hat der Schulbeauftragte der Dekanate Wolfratshausen, Bad Tölz, Rottenbuch und Werdenfels sein Büro in den Räumen des Spiritualhauses. In den Trakt sind auch die Verwaltungen dreier Kirchenstiftungen eingezogen.

In einer Ausstellung thematisiert die Münchner Erzdiözese 2018 bereits in dritter Auflage das klösterliche Leben.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Ein Konzept für eine Nutzung der gesamte Anlage steht aber aus. Erst in diesem Jahr soll eine Machbarkeitsprüfung beginnen, wie Diözesen-Pressesprecherin Bettina Göbner mitteilt. Frühestens Mitte 2019 rechnet Eurasburgs Bürgermeister Moritz Sappl (GWV) mit einem fertigen Konzept. Wie er erklärt, lägen der Erzdiözese die Ergebnisse der Bausubstanzüberprüfungen erst jetzt vor. "Damit können sie erst in die Detailplanung gehen", sagt er. Zugleich rechnet Sappl mit Neuauflagen der jetzigen Ausstellung in den Jahren 2019 und 2020. "Die Erzdiözese möchte den Standort lebendig erhalten."

Wie die Salesianerinnen zu ihren Klosteransiedlungen im Tölzer Landkreis kamen, lässt sich in den Chronik-Auszügen nachvollziehen. Darin zu lesen, erklärt Christoph Kürzeder, Direktor des Freisinger Diözesanmuseums und Mitherausgeber neben Anna-Laura de la Iglesia y Nikolaus, zum Privileg. Eine Ordenschronik sei prinzipiell nie Allgemeingut, sondern stets ein "streng gehüteter Schatz" gewesen, schreibt er im Vorwort. Den Nonnen wurde sie etwa in Beuerberg nur zu besonderen Anlässen im Refektorium vorgelesen.

Dort hörten sie von der Gründung des ersten Salesianerinen-Klosters in Bayern. Auf Initiative von Kurfürstin Henriette Adelaide machten sich 1667 die ersten Ordensschwestern aus dem piemontesischen Vercelli auf den Weg nach München. Schon die Fahrt mit dem Floß von Mittenwald nach Wolfratshausen beschreibt die Chronik als Schockerfahrung. Ende Juli erscheint ihnen der Wind so eisig, dass sie "schon die Strenge des bayerischen Winters zu empfinden glaubten und nach der Sonne Italiens seufzten".

2014 hatten die letzten Nonnen das Beuerberger Kloster verlassen.

(Foto: Manfred Neubauer)

Schnell erlebte der Orden mit dem ersten Kloster auf bayerischen Boden in der Residenzstadt einen Aufschwung. 1784 siedelten sie von München nach Indersdorf und 1831 nach Dietramszell über. Das Kloster samt Erziehungsinstitut - mit bis zu 80 weiblichen Zöglingen - florierte stark. Es wurde zum Ausgangspunkt zahlreicher Neugründungen inklusive von Beuerberg.

Der Umbau des früheren Augustiner-Chorherren-Stiftes mit dem Neubau einer Schule wurde zum finanziellen Kraftakt für den Orden - und verlief konfliktreich. Die Beuerberger empörten sich, als wegen der Klausur Türen vermauert wurden. Die Arbeiter gerieten in Streit und verletzten sich gegenseitig. Die damalige Oberin vermittelte jedoch so geschickt, dass die Justiz nicht eingeschaltet werden musste. Wie die Salesianerinnen ihr streng hierarchisch geregeltes Ordensleben auflockerten, zeigt die dritte Auflage der Schau in Kloster Beuerberg. Unter dem Motto "Das Spiel beginnt!" ist etwa der reiche Kostümfundus der Nonnen zu sehen. Denn an hohen Feiertagen spielten sie leidenschaftlich Theater, wählten jährlich eine "Bohnenkönigin" Die Besucher können zur Ausstellungszeit (20. Mai bis 7. Oktober) den Chronik-Band in Beuerberg kaufen.