"Kein PWS" Protest weitet sich aus

In der Jachenau hat sich eine zweite Initiative gegen das geplante Pumpspeicherwerk auf dem Jochberg formiert. Sie will Aktionsbündnisse im gesamten Alpenraum bündeln und auf die Politik einwirken.

Von Ingrid Hügenell

Nicht nur der Jochberg liegt der neuen Initiative am Herzen, sondern der Alpenraum insgesamt.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

15 Jachenauer und Isarwinkler haben eine weitere Initiative gegen das Pumpspeicherwerk auf dem Jochberg gegründet. Sie nennt sich "Kein Pumpspeicher-Wahnsinn" und will vor allem Einfluss nehmen auf die Politik. "Das ist eine zweite Vorstoßrichtung", sagt Sprecher Albert Orterer. Überregional wolle man tätig werden, ergänzt Benedikt Fischer, zweiter Sprecher der Initiative. Schließlich würden überall in den Alpen Pumpspeicherwerke geplant.

"Wir wollen alle Initiativen bündeln und eine Plattform für Information und Austausch schaffen." Bei der jüngsten Informationsveranstaltung der Energieallianz sei klar geworden, dass Pumpspeicherwerke nichts mit der Energiewende zu tun hätten, sondern nur der "Geschäftemacherei" dienten, sagen beide. Sie setzen darauf, die Menschen zu informieren und zu mobilisieren. "Dann ist es nicht mehr so leicht, ein PWS durchzusetzen", sagt Orterer.

Selbst die Energieallianz, die das PWS auf dem Jochberg bauen will, gebe inzwischen zu, dass es gar nicht in erster Linie der Speicherung von Energie, sondern dem Netzausgleich dienen solle. Fischer nennt Pumpspeicherwerke eine veraltete Technologie. Stattdessen solle man Atom- und Kohlekraftwerke ersetzen durch erneuerbare Energien und den Strom über die Erzeugung von Methangas speichern, erklärt er. Fischer sieht den Alpenraum durch den Bau von PWS insgesamt gefährdet. Zum Beispiel Jachenau, ein gewachsenes Dorf mit noch unberührter Natur, würde schon während der Bauzeit massiv in Mitleidenschaft gezogen, etwa durch die drei breiten Teerstraßen, die nötig wären, um die Baustelle einzurichten.

Weitere langfristige Auswirkungen wären zu befürchten: Durch die drei Milliarden Liter Wasser, die aus dem PSW-Becken in den Walchensee flössen, würde dessen Wasser so stark durchmischt, dass die Temperatur des auch bei Münchnern beliebten Gewässers kaum mehr über 15 bis 16 Grad steigen könnte. "Der See würde zum Baden zu kalt", ist Fischer überzeugt - mit entsprechenden Auswirkungen auf den Tourismus. "Das ist ein Thema, das jeden angeht." Die Initiative setzt darauf, dass sich überregional viele Unterstützer finden. Mit den bereits existierenden Initiativen wie dem Aktionsbündnis "nochBerg - der Jochberg bleibt!" wolle man keinesfalls konkurrieren, sondern kooperieren. Dazu ist nochBerg-Sprecher Friedl Krönauer gerne bereit: "Ich finde es gut, wenn sich der Protest breiter aufstellt."

Das nochBerg-Bündnis setze in seiner Argumentation vor allem auf Natur- und Landschaftschutz, sagt er. Krönauer, der auch Kreissprecher des Bund Naturschutz ist, begrüßt nicht nur die andere Ausrichtung, sondern auch, dass sich nun Jachenauer und Isarwinkler zusammengetan hätten. "Davon fühlen sich sicher die Jachenauer mehr angesprochen", sagt er. Der BN und auch er selbst seien dort nicht so gern gesehen, wegen des Protests gegen den Wegebau zur Rappin-Alm.

Die neue Initiative findet auch Stephan Bammer gut. Der Lenggrieser hat eine Petition angestoßen, für die bereits mehr als 5000 Unterschriften gesammelt wurden, knapp 3000 im Internet, mehr als 2000 auf Listen. Bammer teilt Orterers Ansicht, dass es bei einem PWS am Jochberg vor allem darum gehe, dass private Betreiber Geld verdienen könnten. Durch die Organisationsform der Energieallianz als GmbH und Co. KG werde das Haftungsrisiko minimiert. Die geplante Betriebsstätte werde auf öffentlichem Grund errichtet.

"Die wollen möglichst günstig etwas hinstellen und damit Profit machen", ist Bammer überzeugt. Er vermisst eine breite Diskussion darüber, ob Pumpspeicherwerke wirklich gebraucht werden und wo die richtigen Standorte wären.

Die Initiative "Kein PWS" lädt zu einer Auftaktveranstaltung am Freitag, 29. November, von 20 Uhr an im Jachenauer Schützenhaus ein. Informationen gibt es auch im Internet auf der Homepage www.kein-psw.de, die sich noch im Aufbau befindet.