Hallenbad für den Nordlandkreis Alles offen

Icking und jetzt auch Wolfratshausen zeigen sich gesprächsbereit beim gemeinsamen Nordbad. In beiden Kommunen wird der Bedarf als gering, doch die Belastung als hoch eingeschätzt. Auch im Kreistag gibt es noch Klärungsbedarf.

Von M. Köpf, I. Meixner, W. Schäl und B. Engel

Der Wolfratshauser Stadtrat konnte sich am Dienstag nicht zu einem Votum durchringen. Er vertagte die Entscheidung über ein Nord-Hallenbad.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Haltung der Wolfratshauser Stadträte, über ein gemeinsames Hallenbad für den Nordlandkreis erst nach einer Entscheidung des Kreistags abstimmen zu wollen, stößt bei den möglichen Partnern in den anderen Nord-Kommunen auf ein geteiltes Echo. Die Wolfratshauser Ratsmitglieder selbst und auch viele Kreisräte sehen bei dem Vorhaben jedoch noch viele Fragen offen.

So argumentierte CSU-Stadtrat Alfred Fraas in der Sitzung vom Dienstag, dass es nach den gültigen Vorschriften ausschließlich die Stadt Geretsried und der Landkreis Schwimmmöglichkeiten für ihre Schulen schaffen müssten. Wolfratshausen selbst habe die gesetzlichen Anforderungen mit dem Lehrbecken in Weidach sogar mehr als erfüllt.

Bürgermeister Helmut Forster (BVW) will diese in Tabellenform präsentierten Argumente nun genau prüfen lassen und kündigte am Mittwoch außerdem an, dass sich Wolfratshausen anders als bisher nun an der interkommunalen Hallenbad-Arbeitsgruppe beteiligen werde, um Fragen zu klären wie die nach der angemessenen Größe des Bads, nach der Kostenaufteilung bei künftigen Sanierungsarbeiten und nach der Mitsprache bei der Vergabe von Schwimmzeiten an Vereine.

Menrad: "Bin hin- und hergerissen"

Die Gemeinde Icking hatte ihre Hallenbad-Entscheidung vertagt bis nach der großen Infoveranstaltung im Geretsrieder Rathaus, an der Bürgermeisterin Margit Menrad teilnahm. Ihr Eindruck davon war positiv: Es habe interessante Fragen und gute Antworten gegeben, das grundlegende Misstrauen gegenüber den Betriebskostenberechnungen, wie sie von Wolfratshauser Seite geäußert wurden, teilt sie in dieser Form nicht. Ob die vorgelegten "Worst Case"-Kalkulationen so realistisch sind, vermöge sie gleichwohl nicht einzuschätzen, sagte die Bürgermeisterin am Dienstag, ebenso wenig wie das Abstimmungsverhalten ihres Gemeinderats, der am 10. Dezember darüber beraten wird.

"Ich bin da innerlich hin- und hergerissen, ich ringe auch selbst mit mir", so Menrad, denn was die Betriebskosten betreffe, müsse sich Icking ja für viele Jahre binden. Und der Nutzeffekt des Geretsrieder Hallenbades sei für ihre Gemeinde "minimalst". Denn deren Bürger tendierten zu den näher gelegenen Hallenbädern in Starnberg und Pullach, und an der Grundschule werde Schwimmunterricht ohnehin nicht angeboten.

Eurasburgs Bürgermeister Michael Bromberger versuchte, das Positive in der vertagten Entscheidung zu sehen: "Solange alle Beteiligten noch miteinander reden, ist nichts verloren." Er machte keinen Hehl daraus, dass ihm eine sofortige Entscheidung lieber gewesen wäre: "Offenbar sind manche Leute nicht in der Lage, Ja oder Nein zu sagen." Er hätte kein Verständnis dafür, wenn die großen Schulaufwandsträger - der Landkreis oder die Stadt Wolfratshausen - dem Projekt nicht zustimmen, sagte Bromberger: "Ich fände es unverantwortlich, so viele Fördermittel liegen zu lassen." Die Frage, ob Wolfratshausen das Hallenbad braucht oder nicht, stellt sich für ihn nicht: "Es ist notwendig, die Kinder mit dem Element Wasser vertraut zu machen."

Auch im Kreistag ist noch nichts entschieden

Auch was den Kreistag betrifft, ist offenbar noch längst nicht alles in trockenen Tüchern. Der stellvertretende Landrat Werner Weindl verweist auf die Liste von 13 kritischen Fragen, die Kreisrat Martin Bachhuber an Geretsried gerichtet hat. Diese Fragen gelte es erst einmal zu beantworten. Den Vorwurf, der Landkreis wolle mit dem Geretsrieder Projekt das Problem lösen, dass er den Bau von Sportstätten verabsäumt habe, lässt Weindl indes nicht gelten. Man könne nicht das eine mit dem anderen vergleichen, das seien "zwei verschiedene Paar Schuhe". Unabhängig davon zweifle er überhaupt, "ob man den ganzen Schwimmunterricht so hoch aufhängen muss".

Selbst in Lenggries nutzten die Schulen das Hallenbad nur teilweise. Diese Skepsis sei zwar seine persönliche Meinung, als Bürgermeister der Gemeinde Lenggries könne er aber ein Lied von gewaltigen Betriebskosten singen. Der Unterhalt gehe im Lauf der Jahre "exponentiell nach oben". Unter dem Vorzeichen allein der Betriebskosten müsse sich der Landkreis jedenfalls "genau überlegen, ob er so viel Geld in die Hand nehmen will".

Münsings Bürgermeister Michael Grasl kann die Entscheidung des Wolfratshauser Stadtrats nachvollziehen. "Wenn die Stadt die Entscheidung des Landkreises über eine Beteiligung abwarten will, ist das legitim." Gleichzeitig vermisst Grasl jedoch die Aufbruchsstimmung für ein sinnvolles Projekt. "Wenn wir das Kirchturmdenken nicht aufgeben, werden wir nie wieder ein Projekt auf die Beine stellen."