Bad Tölz Demo für die Geburtenstation

Eine Initiative organisiert einen "Lichterzug". Stadträte unterstützen die Eltern und Hebammen.

Von Ingrid Hügenell, Bad Tölz

Die Initiative zur Rettung der Geburtshilfe-Abteilung in der Tölzer Asklepios-Klinik findet immer mehr Unterstützer. Die Online-Petition wurde bis Redaktionsschluss 2591 mal unterschrieben, 1680 Unterschriften kamen aus dem Landkreis. Am Dienstagabend stand das Thema auf der Tagesordnung des Tölzer Stadtrats. Schon vorab hatten die Stadträte Ingo Mehner (CSU) und Camilla Plöckl (SPD) auf der Facebook-Seite "Rettet die Geburtshilfe Bad Tölz" ihre Unterstützung zugesagt. Beide gehören dem sechsköpfigen Beirat der Asklepios Stadtklinik an.

Auch wenn die Stadt nicht mehr Träger der Klinik ist, sieht Mehner doch eine Verantwortung der Kommune, den Kreißsaal zu erhalten. Auch Lösungsmöglichkeiten habe er im Kopf, sagte er am Dienstag auf Nachfrage. Denkbar sei, die Belegabteilung in eine Hauptabteilung umzuwandeln, die niedergelassenen Frauenärzte könnten dann dort in Nebentätigkeit angestellt werden. Es handle sich aber um ein sehr komplexes Thema. "Wir wollen konstruktiv an einer Lösung mitarbeiten, aber auch kritisch hinterfragen, wenn die Klinik sagt, es geht nicht", sagte der CSU-Stadtrat weiter. Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) und Bürgermeister Josef Janker (CSU) wollen sich ebenfalls für die Rettung einsetzen.

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Die Initiative möchte auch öffentlich ein Zeichen setzen und hat daher zu einem "Lichterzug" aufgerufen, der am Freitag vor der Stadtklinik stattfinden soll, wie Nanett Nordhausen am Dienstag mitteilte. Treffpunkt ist um 17 Uhr am Brunnen vor dem Krankenhaus. Klinikdirektor Joachim Ramming sei mit der Demo auf dem Grund der Klinik einverstanden und freue sich über das Engagement. "Uns liegt wahnsinnig viel daran, dass die Abteilung bleibt", sagt Nordhausen, die ihre beiden Töchter in Tölz zur Welt gebracht hat.

Die drohende Schließung der Tölzer Geburtsabteilung ist kein Einzelfall. In ganz Deutschland werden Kreißsäle zugesperrt. Deshalb steigt nicht nur die Gefahr, dass werdende Mütter mit Komplikationen die Klinik nicht rechtzeitig erreichen. "Wenn die Anfahrt zu lange dauert, kann das Baby im Auto auf Welt kommen", sagt Hebamme Kristina Hasenknopf, die an der Tölzer Klinik tätig ist. Sie spricht von einem "Versagen der Politik".