Winterspiele 2022 Münchens Olympia-Chancen steigen

Graubünden ist aus dem Rennen: Für eine Bewerbung um die Winterspiele 2022 hätte die Stadt München damit keinen ernsthaften Konkurrenten mehr. Oberbürgermeister Ude glaubt an eine Zustimmung der Bürger - doch auch die Olympia-Gegner fühlen sich durch das Schweizer Votum bestärkt.

Von Heiner Effern und Silke Lode

Eine erneute Olympiabewerbung Münchens für Winterspiele wird immer wahrscheinlicher. Nachdem die Graubündener einer Schweizer Initiative für 2022 am Sonntag in einem Volksentscheid eine Absage erteilt haben, gibt es nämlich derzeit keinen schlagkräftigen Konkurrenten mehr. "Die Münchner Olympiabewerbung hat dadurch kraftvollen Auftrieb erhalten", sagt Oberbürgermeister Christian Ude (SPD). Der OB fühlt sich von "einer immer günstigeren Bewerberlage" angespornt.

Um im Herbst für ein Votum der Bürger gerüstet zu sein, falls der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) eine Bewerbung befürwortet, lässt Ude jetzt schon die nötigen Vorbereitungen treffen. In der Münchner Stadtverwaltung gibt deshalb es eine neue Arbeitsgruppe, die hochkarätig besetzt ist: Leiten soll sie Jörg Weber, der bereits die 2018-Bewerbung intern an führender Stelle begleitet hat. Unterstützt wird er von Sportamtsleiter Thomas Urban, der als früherer Hauptgeschäftsführer des Deutschen Alpenvereins in die vergangene Bewerbung ebenfalls intensiv eingebunden war. Dazu kommt Protokollchefin Gabriele Schwaiger. Sie sollen alle Fragen behandeln, die vor dem geplanten Bürgervotum über die Bewerbung am 10. November geklärt werden müssen.

Ude sieht in München "ein Zustimmungspotenzial von 70 Prozent", warnt aber angesichts der Entscheidung in der Schweiz davor, dass "Mehrheiten für Olympia nicht vom Himmel fallen". Parallel laufen laut Ude schon Gespräche zwischen dem DOSB und den Wintersportverbänden, wie ein Sportstättenkonzept für 2022 aussehen könnte.

Auch Michael Vesper, der Generaldirektor des DOSB, wertet das Nein der Schweiz als Plus für München: "Die Konkurrenzsituation hat sich mit dem Votum aus Graubünden erheblich entspannt", sagt Vesper. Dies werde bei der Entscheidung des DOSB positiv berücksichtigt. Im DOSB gibt es durchaus auch Stimmen, die lieber Hamburg oder Berlin ins Rennen um Sommerspiele schicken würden. Spätestens am 14. November müsste München offiziell seine Kandidatur erklären.

Ruhpolding könnte Biathlon-Zentrum werden

Die Olympia-Gegner interpretieren das Schweizer Votum ganz anders und fühlen sich ihrerseits bestärkt. Christian Hierneis vom Bund Naturschutz ist der Meinung, dass München sich ein Beispiel an Graubünden nehmen solle. Eine Bewerbung würde explodierende Kosten, massive Umweltzerstörung sowie die Bindung an Knebelverträge des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) nach sich ziehen. Deshalb würden sich auch immer weniger Bewerber finden. Winterspiele in den Alpen seien nicht mehr zu verantworten, solange das IOC seine Regeln und Vertragsbedingungen nicht ändere, sagt NOlympia-Sprecher Ludwig Hartmann, der für die Grünen im Landtag sitzt.

Doch wie könnte eine Bewerbung 2022 aussehen? In München und am Königssee soll alles bei den 2018-Plänen bleiben, sagt OB Ude. "Die vordringlichste Frage" seien mögliche Veränderungen in Garmisch-Partenkirchen. Zum Beispiel könnten die Biathlon-Wettbewerbe vom Gestüt Schwaiganger, wo temporäre Bauten auf der grünen Wiese errichtet werden sollten, in das Biathlon-Zentrum nach Ruhpolding verlegt werden. Damit wäre der einzig wirkliche Schwachpunkt des alten Konzepts verschwunden.

Doch dann bliebe die Frage: Was solle mit den nordischen Skisportlern geschehen? Zwei Möglichkeiten gäbe es: sie in Garmisch-Partenkirchen belassen und dort nach passenden Loipen suchen. Dann bliebe die Marktgemeinde der zweite große Standort der Spiele. Oder Springer, Läufer und Kombinierer in Oberstdorf antreten lassen. Dort stünde ein etabliertes Wettkampfzentrum bereit. Das würde aber ein olympisches Dorf und ein großes Pressezentrum in Garmisch-Partenkirchen möglicherweise überflüssig machen.

Für diese große Lösung spräche, dass mancher Sportfunktionär nach den Bewerbungspannen für 2018 die Verlässlichkeit der Garmisch-Partenkirchener und insbesondere von Bürgermeister Thomas Schmid in Zweifel ziehen könnte. Doch der gilt als äußerst selbstbewusst und dürfte sich stark dafür einsetzen, Garmisch-Partenkirchen als zweiten großen Partner Münchens beizubehalten. Aus dem Garmischer Rathaus ist zu hören, dass es bereits intensive Gespräche mit München und dem Berchtesgadener Land gebe.