Lernkonzepte In der Schule der Zukunft ist mehr Platz für Pädagogik

In der "Eliteschule des Sports" lernen die Kinder gemeinsam.

(Foto: Florian Peljak)
  • Das Gymnasium München-Nord gilt als modernste Schule der Landeshauptstadt.
  • Hier setzen Lehrer und Schüler zahlreiche neue Lernkonzepte um, die deutlich mehr Flexibilität als bislang fordern.
  • In der Schule ist bereits viel Technik im Einsatz - doch die wichtigste Ressource für den Erfolg der Schüler sind und bleiben die Lehrkräfte.
Von Melanie Staudinger

Moritz muss überlegen. Was sollten Schulen in der Zukunft besitzen? Das ist eine schwierige Frage für einen Elfjährigen, vor allem für einen, der Münchens modernste Schule besucht. Seit September geht Moritz in die fünfte Klasse des Gymnasiums München-Nord, eine Elite-Schule des Sports, in dem sich Talente nicht nur auf das Abitur, sondern im besten Fall auch auf eine Karriere als Olympiasieger vorbereiten.

Whiteboards in allen Räumen, helle Foren, gläserne Wände und eine zehn Meter hohe Sporthalle gibt es dort: Für 65 Millionen Euro hat das Bildungsreferat im Norden der Stadt eine Vorzeigeschule mit allem denkbaren Schnickschnack hingestellt. Aber irgendwas Futuristisches muss es doch geben, was das Gymnasium an der Knorrstraße noch nicht beherbergt. "Eine Rolltreppe", sagt Moritz und streckt sich zufrieden in sein großes, rotes Sitzkissen.

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Ja, in den Schulen der Zukunft sollte es statt schnöden Stufen bewegte Rolltreppen geben, die die Schüler von ihren Klassenzimmern im Erdgeschoss hinauf zu den Fachlehrsälen fahren. Seine Klassenkameradinnen Antonie und Mirabell nicken zustimmend.

Leonhard Baur steht keine zehn Meter entfernt und verschränkt die Arme. Ein größeres Kompliment kann er als Schulleiter kaum bekommen, als dass sich die Schüler so wohlfühlen. Genau daran hat Baur in den vergangenen Monaten gearbeitet: Er wollte sein modernes Schulhaus mit Leben füllen - und das ist ihm gelungen.

Die behäbige Schullandschaft befindet sich im Umbruch, und nirgendwo zeigt sich das so deutlich wie in einer neuen Schule, die komplett eingerichtet und mit Unterrichtsmaterialien bestückt werden muss, die pädagogische Konzepte und Personal braucht. Baur hat keinen schwerfälligen Tanker vorgefunden, in dem alles eingespielt ist und keiner etwas verändern will. Er nahm die Herausforderung an, etwas ganz Neues zu schaffen. Denn daran, dass alle Schüler irgendwann einmal daheim vor ihren Laptops sitzen und einem Hunderte Kilometer entfernten Lehrer am Bildschirm zuhören, glaubt er nicht.

Kinder und Jugendliche werden immer mehr Zeit in der Schule verbringen

Ganz im Gegenteil: Die Schule werde für Kinder, Jugendliche und Personal wichtiger, alleine schon, weil alle mehr Zeit dort verbringen würden, sagt Baur. Im Gymnasium München- Nord hat jeder Lehrer deshalb seinen eigenen Arbeitsplatz. Das gleicht einer Revolution in einem Schulwesen, in dem sich Pädagogen bisher um wenige freie Plätze im Lehrerzimmer streiten mussten. Schule entwickelt sich weg von der reinen Wissensvermittlung hin zum Lebensraum für sehr unterschiedliche Schüler - und muss daher ganz anderen Anforderungen genügen.

In einer Stadt wie München, in der mehr als die Hälfte aller Viertklässler aufs Gymnasium wechselt, müssen sich die Schulen auf eine heterogene Schülerschaft einstellen. Dass Gymnasien keine Refugien deutscher Akademiker-Kinder mit Traumnoten sind, zeigt an der Knorrstraße ein Blick auf die Namen, die an der Wand hängen: Hale, Carl, Selina, Akram. Immer mehr Schüler mit Migrationshintergrund schaffen den Sprung an eine weiterführende Schule ebenso wie Kinder, deren Eltern sich keine teure Nachhilfe leisten können.

Sie alle zu integrieren, zu vermeiden, dass sie zu Absteigern werden, allen Kindern die gleichen Perspektiven zu bieten, wird eine der zentralen Zukunftsaufgaben von Schule sein.