Vorwürfe gegen Münchner Polizei Ermittler erst nach fünf Tagen eingeschaltet

Die dritte Ungereimtheit: Warum wurden die internen Ermittler erst nach fünf Tagen eingeschaltet?

Nach dem Schlag lag die Frau alleine in der Zelle, irgendwann traf ein Notarzt ein. Die 23-Jährige hatte eine gebrochene Nase und eine gebrochene Augenhöhle. Die beteiligten Beamten schrieben ihre Berichte, weil die Frau wegen Widerstand, Beleidigung und Körperverletzung (Anspucken) angezeigt wurde. Interne Ermittlungen gegen den Beamten, der die Frau geprügelt hatte, wurden erst mal nicht eingeleitet.

Bei der Polizei sieht man kein Versäumnis darin, dass dies erst fünf Tage nach dem Vorfall geschah. Es gebe keine Vorschrift, dass der Dienststellenleiter oder andere Beamten in solch einer Situation die Ermittler informieren müssten, sagt Sprecher Reinhold Bergmann. Probleme mit Widerstand gegen Beamte gebe es häufig. "Wo sollen wir die Grenze ziehen, wann man die internen Ermittler einschaltet? Bei einer blutenden Verletzung?"

Vielmehr sei der Fall dokumentiert worden - mit den Verletzungen der Frau und auch mit dem Verweis, dass der Beamte zugeschlagen habe, aus Notwehr, wie er sagt. Diese Informationen bekomme die Staatsanwaltschaft, allerdings nur im Zuge des Strafverfahrens gegen die Frau.

Wenn die Staatsanwälte der Ansicht seien, dass die Version der Notwehr unglaubwürdig sei, würden die internen Ermittler eingeschaltet. "Aber das dauert ein paar Tage, bis sich die Staatsanwaltschaft ein Bild davon macht", sagt Polizeisprecher Bergmann. Hätte die Frau sofort Anzeige erstattet, hätten auch die internen Ermittler sofort die Arbeit aufgenommen.