Verkehr in München Stadt entschärft Unfallstellen für Radfahrer

Hier der Bus, dort das Fahrrad: So wie an der Werinherstraße sieht Münchner Verkehrspolitik bisher an vielen Stellen aus.

(Foto: Florian Peljak)
  • Die Stadt München will gefährliche Stellen für Fahrradfahrer entschärfen, im Oktober soll sich der Stadtrat mit konkreten Fällen beschäftigen.
  • Umgebaut werden sollen etwa plötzlich endende Fahrradwege, unübersichtliche Kreuzungen und schlecht markierte oder zu schmale Radwege.
Von Andreas Schubert

Erst vor zwei Wochen wurde ein Mann bei einem Rechtsabbiegeunfall schwer verletzt, die Woche zuvor war eine Frau bei einem ähnlichen Unfall getötet worden. In München gibt es - nicht nur an Kreuzungen - zahlreiche Gefahrenstellen, an denen es für Radler regelmäßig zu brenzligen Situationen kommt. Deshalb versucht die Stadt, diese Brennpunkte zu entschärfen. Bei einigen Projekten bekommen die Radler mehr Platz auf der Straße, der den Autofahrern weggenommen wird.

Fraktionsübergreifend fordern mehrere Stadtratsanträge neue bauliche Maßnahmen für mehr Sicherheit. Im Oktober soll sich der Stadtrat mit konkreten Fällen beschäftigen. Das geht aus einer Vorlage des Kreisverwaltungsreferats (KVR) hervor, die zunächst den Bezirksausschüssen vorgelegt wird. Denn in der Stadt gilt: Wenn der Verkehr neu geregelt werden muss, oder Fahrspuren für den sogenannten motorisierten Individualverkehr wegfallen, muss sich die Politik damit auseinandersetzen, bevor die Verwaltung einen Umbau veranlasst.

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Ein Beispiel, das Radler seit Jahrzehnten nervt, ist die Bahnunterführung an der Werinherstraße in Giesing. Das Problem dort: Kurz vor der S-Bahn-Unterführung mündet der Radweg in die Straße, was immer wieder zu gefährlichen Situationen führt. Des Problems zweiter Teil: Die Bahn wird die Unterführung voraussichtlich nicht vor 2022 erneuern, was bedeutet, dass die Engstelle bis dahin erhalten bleibt. Jetzt will die Stadt zumindest mit einem Provisorium die Sicherheit für Radler erhöhen. Geplant ist, an der Engstelle einen Radstreifen zu schaffen. Das bedeutet aber auch, dass für die Autos jeweils eine Spur wegfallen würde.

Ähnlich lange soll auch die provisorische Verkehrsführung an der Lindwurm-Unterführung erhalten bleiben. Das dortige Konzept mit nur einer Fahrspur für Autos stadtauswärts und der dort eingerichtete Radstreifen haben sich laut KVR bewährt und sollten bis zum Neubau der Unterführung erhalten bleiben, schlägt die Behörde vor.

Eine überaus ungünstige Stelle für Radler ist auch die Kreuzung an der sich Ackermannstraße, Schleißheimer- und Karl-Theodor-Straße in Schwabing-West treffen. Die Kreuzung soll umgebaut und die Führung für Radler verbessert werden. Das KVR schlägt unter anderem vor, Radspuren aus dem Seitenraum zur Fahrbahn hin zu verschwenken und als deutlich markierte Radspur im Sichtfeld der Autofahrer in die Kreuzung zu führen. Das hat den Vorteil, dass Autofahrer die Radler nicht mehr übersehen können. Ein weiterer Vorteil des Umbaus: Auch Fußgänger bekommen mehr Platz. Eine Rechtsabbiegespur auf der Ackermannstraße muss dafür allerdings weichen.

Schwierige Sichtverhältnisse führen auch in der Elsenheimerstraße regelmäßig zu Unfällen. Dort, auf einer 650 Meter langen Strecke zwischen Westend- und Lautensackstraße gibt es zwar Radwege, die von der Fahrbahn getrennt sind. Weil diese aber zu schmal sind und es hier viele Ausfahrten gibt, werden Radler auf den schmalen Wegen oft übersehen. Eigentlich dürfen sie dort auch auf der Straße fahren, doch dort teilen sie sich den Platz mit zirka 17 000 Autos am Tag. Das KVR plant deshalb, auch hier Radstreifen zu markieren und teilweise dafür Autofahrspuren zu streichen. Die schmalen Radwege werden dafür zurückgebaut, was den Fußgängern mehr Platz bringt. Nur mit der Münchner Verkehrsgesellschaft gibt es wegen der Bushaltestellen in der Elsenheimerstraße noch Abstimmungsbedarf.

Eine neue Spur sollen die Radler auch auf der Lindwurmstraße unterhalb der Sendlinger Kirche bekommen. Weil es dort stadteinwärts bergab geht, erreichen die Radfahrer beachtliche Geschwindigkeiten, die allerdings mit dem schmalen Radweg nicht zu vereinbaren sind. Deshalb wird der Autoverkehr verlegt, die Rechtsabbiegespur zur Pfeuferstraße hin verkürzt.

Die genannten Umbauten sind Beispiele einer längeren Liste von Maßnahmen, die noch nicht von der Politik abgesegnet sind. Sie werden also frühestens 2018 angegangen. Was dieses Jahr noch ansteht und bereits beschlossen ist, sind unter anderem neue Radstreifen am Bavariaring, an der Schleißheimer Straße oder Umbauten an der Kreuzung Ungerer Straße/Domagkstraße und weitere von insgesamt 16 Maßnahmen, die die Stadt als "wesentlich" bezeichnet.

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Mit kleineren Verbesserungen dürfte die Zahl fürs Jahr 2017 wesentlich höher ausfallen. So waren es in den Jahren 2015 und 2016 insgesamt 249 größere und kleinere Umbauten, die mit der sogenannten Nahmobilitätspauschale finanziert werden. Diese hat der Stadtrat Ende 2014 auf jährlich zehn Millionen Euro festgesetzt. Wie das Baureferat betont, verwendet die Stadt für ihre Verkehrsprojekte unter anderem aber auch Geld aus anderen Haushaltsstellen.