Umbau der Alten Akademie Luxus statt Arkaden

Die Läden sind schon wieder andere, bald wird es den Arkaden-Durchgang an der Alten Akademie in der Fußgängerzone so überhaupt nicht mehr geben.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Den Architektenwettbewerb zur Umgestaltung der Alten Akademie hat mit Morger Partner Architekten aus Basel ein Außenseiter gewonnen.
  • Die Entscheidung fiel nach einem Präsentations- und Diskussionsmarathon.
  • Die Alte Akademie werde nicht zerstört, trotzdem werde der Komplex im Zentrum behutsam weiterentwickelt.
Von Alfred Dürr

Grundlegende Eingriffe in das Erscheinungsbild des Komplexes darf es aus Gründen des Denkmalschutzes nicht geben, trotzdem werden die Passanten in der Fußgängerzone einen neuen Eindruck von der Alten Akademie an der Neuhauser Straße bekommen. Das aktuell größte und prominenteste Bauprojekt im Zentrum der Stadt ist einen wesentlichen Schritt vorangekommen.

Nach einem elfstündigen Präsentations- und Diskussionsmarathon einigte sich das Preisgericht am vergangenen Freitag bei nur einer Gegenstimme darauf, mit welchem Architekturkonzept der historisch bedeutsame Komplex modernisiert werden soll. Gewonnen hat mit Morger Partner Architekten aus Basel ein Außenseiter. Diesem Büro sei es am besten gelungen, die Substanz des Bauwerks behutsam so weiter zu entwickeln, dass das Alte nicht zerstört werde, hieß es. An diesem Montag soll das Wettbewerbsergebnis offiziell vorgestellt werden.

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Dem Preisgericht gehörten Vertreter der Stadt, des Denkmalschutzes und des österreichischen Investors René Benko mit seiner Signa Unternehmensgruppe an. Den Vorsitz hatte der britischen Architekt David Chipperfield. Schwierigstes Thema: Was wird aus den Arkaden vor dem Trakt des ehemaligen Hettlage-Hauses, die zum typischen Erscheinungsbild der Altstadt gehören? Der Stadtrat hatte den Erhalt des "öffentlich zugänglichen Außenraums" zur Bedingung gemacht. Der Investor hingegen sprach von einer Auslegungssache. Denn andererseits heiße es in der Ausschreibung, dass auch eine "Neuinterpretation des Erlebnisraumes" an dieser Stelle möglich sei.

Der Investor hat ein klares Motiv: Die Umwandlung einer offenen Passage in geschlossene Verkaufsräume erhöht den Gewinn. Stadt und Denkmalschutz beharrten auf dem traditionellen Erscheinungsbild und auf den Erhalt des öffentlichen Raums. Zehn der elf am Wettbewerb teilnehmenden Büros schlossen auf die eine oder andere Weise die Arkaden. Das Büro Morger Partner überzeugte mit seinem Entwurf am Ende beide Seiten. Die Arkaden werden demnach an dem sogenannten Giebelbau der Alten Akademie, der quer in die Fußgängerzone hineinragt, geschlossen. Vor dem früheren Modehaus Hettlage bleibt der Durchgang erhalten, allerdings mit deutlich weniger Fläche für die Passanten.

Wie zu hören ist, verspricht das Konzept der Schweizer Architekten einen sorgsamen Umgang mit der Substanz der Alten Akademie. Trotzdem gelinge auch eine Neuinterpretation des bedeutsamen Komplexes. Das bezieht sich vor allem auch auf den sogenannten Schmuckhof im rückwärtigen Bereich der Alten Akademie.

Sorgsamer Umgang mit der Substanz

Dieses bislang geschlossene Areal soll künftig für jeden von der Fußgängerzone aus zugänglich sein. Rund um den Hof entstehen Wohnungen und gastronomische Betriebe. Morger Partner Architekten haben an den Rändern teilweise Arkaden vorgesehen, die Lärm nach oben zu den Wohnungen hin abschirmen sollen. Schwierig war das Thema zu lösen, wie die "Freibereiche" der Wohnungen gestaltet werden können. Balkone kamen nicht in Frage, weil sie nicht zu dem historischen Kontext gepasst hätten. Der Entwurf mit Loggien hat die Jury überzeugt.

Im Dezember 2013 hatte der Freistaat Bayern den Komplex Alte Akademie, in dem früher das Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung sowie das Modehaus Hettlage waren, im Erbbaurecht an die Unternehmensgruppe Signa vergeben. Der weitere Nutzer des Areals war bis 2010 die Landesbodenkreditanstalt, eine Institution der Landesbank zur Wohnungsbauförderung. Die katholische Kirche kaufte diese Trakte und hat sie zu ihrer neuen Verwaltungszentrale umgebaut. Vor kurzem wurden die neuen Räume vorgestellt.

Die Alte Akademie war über Jahrhunderte hinweg das geistige Zentrum der Stadt und des Landes - als Jesuitenkloster und als Ort verschiedener Bildungseinrichtungen mit hoher Bedeutung. Im Zweiten Weltkrieg zerstörten Bomben weite Teile der Anlage. Sie wurde nach historischem Vorbild wieder aufgebaut.

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