U-Bahn Bund Naturschutz will U-Bahn-Ausbau stoppen - wegen 709 Bäumen

Für den Ausbau der U-Bahn-Linie 5 nach Pasing sollen die Linden an der Gotthardstraße gefällt werden.

(Foto: BN)
  • Der Bund Naturschutz hat "nach reiflicher Überlegung" beschlossen, die aktuelle Planungsvariante des U-Bahn-Baus nach Pasing abzulehnen.
  • Für den Bau müssten nämlich 709 Bäume gefällt werden, die teilweise schon um die 40 Jahre alt sind.
  • Die Pläne hat das Baureferat bereits im März im Bezirksausschuss vorgestellt, damals nahm man keinen Anstoß an den Baumfällungen.
Von Andreas Schubert

Eine neue U-Bahn ist aus Sicht des Bund Naturschutz (BN) nichts Schlimmes, im Gegenteil. "Ohne einen starken ÖPNV erleidet München den Verkehrsinfarkt", schreibt der BN in seiner Stellungnahme zur U5-Verlängerung nach Pasing. "Doch jede Medaille hat zwei Seiten", heißt es weiter. Der BN hat, wie die Kreisgruppe München am Freitag mitteilte, "nach reiflicher Überlegung" beschlossen, die aktuelle Planungsvariante des U-Bahn-Baus abzulehnen. Der Grund: Für den Bau müssten 709 Bäume gefällt werden, die teilweise schon um die 40 Jahre alt sind, wie Martin Hänsel, der stellvertretende BN-Geschäftsführer schätzt.

Das Problem: Auf dem 1,2 Kilometer langen Abschnitt der Gotthardstraße in Laim kann die Röhre nicht bergmännisch gegraben werden, einerseits wegen der Bodenbeschaffenheit, andererseits wegen der geringen Tiefe der Röhre. Also muss die Straße hier aufgegraben werden, was für die Anwohner ohnehin schon eine Belastung bedeutet. Weil an der Oberfläche aber auch der Autoverkehr jeweils einspurig pro Richtung weiter fließen soll, müssen Fahrspuren verlegt - und dazu mehr Bäume gefällt werden, als die Naturschützer akzeptieren wollen. Die Pläne hat das Baureferat bereits im März im Bezirksausschuss vorgestellt, damals nahm man keinen Anstoß an den Baumfällungen.

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Die meisten Bäume, darunter viele alte Linden, werden schließlich wieder nachgepflanzt. Der BN allerdings will sich mit dem "Kahlschlag", wie er es nennt, nicht abfinden und fordert Aufklärung darüber, welche Alternativen zum Erhalt der Bäume geprüft wurden, ob es überhaupt welche gab und, wenn ja, warum diese Alternativen nicht gewählt wurden. BN-Kreischef Christian Hierneis erklärt, eine Planung, die dem Erhalt von wichtigen Bäumen so wenig Beachtung schenke, müsse man einfach ablehnen. "So leid es uns tut, diese Planung ist für München beschämend."

Nach Ansicht des BN könnten die Bäume wohl erhalten bleiben, wenn man die Straße alleine für den Stadtbus, Radler und Fußgänger offen halten würde. Bäume hätten den größten Einfluss auf das urbane Mikroklima. Sie filterten zudem Schadstoffe und Feinstaub aus der Luft. Die geplanten Nachpflanzungen könnten diese Funktion erst nach Jahrzehnten erfüllen.

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