Gemeinsinn Stein auf Stein

Eigeninitiative in Unterbrunn: Aus Ziegeln der abgebrochenen Güterhalle am Gautinger Bahnhof errichten Freiwillige beim alten Pfarrhof ein Backhäuschen.

Von Michael Berzl, Unterbrunn

Typisch Unterbrunn: An einem sonnigen Samstag im Oktober treffen sie sich zum Steine klopfen. Etwa 20 Helfer verbringen ihre Freizeit damit, Mörtel von alten Backsteinen zu hämmern, so dass sie wieder verwendet werden können. Erfahrene Maurer, die eigentlich schon lange im Ruhestand sind, leiten später die Arbeiten an, um aus dem recycelten Material neue Mauern aufzuschichten. Im Mai war de rerste Spatenstich, und nun steht beim alten Pfarrhof in Unterbrunn ein Backhäuschen; viel unbezahlte Arbeit steckt darin. Errichtet wurde es aus Steinen einer Güterhalle, die seit 1890 beim Gautinger Bahnhof stand und vor gut einem Jahr abgerissen wurde.

test Unterbrunn Backhäusl Hermann Geiger, Angelika Göschl , Foto: Nila Thiel; .

(Foto: Nila Thiel; .)

"Das ist wieder so ein Unterbrunner Projekt. Da sieht man, was der Zusammenhalt ausmacht", lobte die Gautinger Bürgermeisterin Brigitte Kössinger am Dienstag bei einem Lokaltermin mit beteiligten Handwerkern und Vertretern des Rathauses. Da werde nicht zuerst nach der Gemeine gerufen, sondern selbst die Initiative ergriffen. Federführend war auch diesmal Hermann Geiger - wie so oft, wenn es darum geht, etwas aufzubewahren.

"Er nimmt den Gautingern das schlechte Gewissen wegen des Abbruchs der Güterhalle", scherzte Kössinger. Selbst Kreisheimatpfleger Gerhard Schober, der schräg gegenüber wohnt und Anfang sehr skeptisch gewesen sein soll, habe sich nun mit der neuen Errungenschaft im Ort angefreundet. Das kleine Häuschen, das nun am Rand des großen Gartens beim alten Pfarrhof unter einem großen Walnussbaum steht, passt zum Ambiente, zumal dort außer den Backsteinen auch andere alte Bauteile verwendet wurden.

Die Türe zum Beispiel aus den schier unerschöpflichen Vorräten des Sammlers Geiger. "Die ist aus einem Abbruchhaus in Gauting. Die habe ich schon 20 Jahre daheim". Jetzt wurde sie restauriert, mit neuen Beschlägen versehen und wieder verwendet. Oder die im Jugendstil geformte Lampe über dem Eingang, deren Herkunft nicht so ganz klar ist. Die lagerte lange beim Gautinger Bauhof, könnte aus der alten Haerlinschen Papierfabrik stammen und wurde jetzt wieder in Betrieb genommen. Selbst Metallrosetten, die in der alten Güterhalle zur Stabilisierung dienten, wurden in den Mauern wieder integriert. Authentisch ist auch die Verkabelung drinnen mit Bakelit-Schaltern wie in früheren Zeiten.

Die Backsteine waren seit dem Abbruch im Oktober vergangenen Jahres auf dem Gelände der Asklepios-Klinik in Gauting zwischengelagert. Die Wiederverwertung hat nicht nur einen sentimentalen Wert, sondern auch einen finanziellen wie Geiger erläuterte. Etwa 1200 Stück wurden sauber auf Paletten geschlichtet und verbaut, jeder würde etwa drei Euro kosten. So hat man sich allein beim Material schon mehrere tausend Euro gespart, was natürlich nur möglich war durch den Einsatz vieler fleißiger Helfer.

Es ist gerade noch rechtzeitig fertig geworden vor dem stimmungsvoll beleuchtetenen Weihnachtsmarkt am vergangenen Wochenende. Erst am Freitag wurde der Türstock eingebaut. Viel Platz ist nicht drinnen bei nur vier Metern Länge und drei Metern Breite. Aber als Mini-Veranstaltungssaal hat sich das Backhäuschen schon bewährt. Während draußen beim "Winterzauber" an den Buden Glühwein und Punsch ausgeschenkt wurde, hat drinnen Christine Kratchowil aus Oberpfaffenhofen Geschichten vorgelesen.

Nun fehlt nur noch ein Backofen. Einen schmiedeeisernen Ofen hat Geiger zwar beim Abbruch eines Bauernhofs in Unterbrunn gerettet und aufgehoben, doch der passt um ein paar Zentimeter nicht durch die Tür. Darum soll "irgendwann im nächsten Jahr" ein gemauerter Ofen ins Backhaus eingebaut werden. Auch daraus werden die Unterbrunner bestimmt wieder ein Happening machen, mit Brotzeit und vielen Helfern, die unentgeltlich zupacken. Einen alten Ofenbauer, der sich mit der Materie auskennt und die Arbeiten dann anleite kann, haben sie schon gefunden. Typisch Unterbrunn eben.