Pöcking Der Sepp vom Dampfersteg

Kunstmaler Josef Wagner lässt sich seit mehr als dreißig Jahren vom Possenhofener Seeblick inspirieren. Sein Lieblingsmotiv liegt nahe: das schöne Oberbayern!

Von Simone Ketterl

PossenhofenEr gehört zu Possenhofen wie das Schloss, der Starnberger See und die Ausflugsschiffe. Der Künstler Josef Wagner ist längst zu einer Institution im Sisi-Ort geworden. Seit mehr als drei Jahrzehnten sitzt der Sepp, wie ihn seine Freunde nennen, von April bis Oktober nahezu täglich am Dampfersteg an seiner Staffelei und malt. Anfang der achtziger Jahre hatte er sich hier in einem ehemaligen Kiosk sein kleines Atelier eingerichtet, in dem er seither seine Werke ausstellt und verkauft.

Auch heute wird er im angenehmen Schatten eines kleinen Zwetschgenbaums wieder ein Stück oberbayerische Landschaft auf Leinwand bannen. Dabei versucht er stets, etwas Besonderes einzufangen, sucht nach Harmonien in der Landschaft, bemüht sich um einen interessanten Blickwinkel. "Manchmal", so sagt er, "sehe ich ein Motiv, es formt sich gedanklich sofort ein Bild, und ich weiß genau, wie ich es umsetzen will." Das sei der Idealfall. Nicht selten sei es aber wie in der Karikatur, die er sich vor einer Weile aus der Zeitung ausgeschnitten habe: Auf ihr sind ein Künstler zu sehen, der sich vergeblich abmüht, und eine Henne, die ihm stolz ihr frisch gelegtes Ei präsentiert. In der Bildunterschrift heißt es: "Du hast wenigstens jeden Tag dein Erfolgserlebnis." Das findet Josef Wagner sehr treffend, da man als Künstler wenig planen und schon gar nichts erzwingen könne.

Alles, was der Pöckinger neben Inspiration für ein Bild braucht, liegt auf einem wackligen, weißen Tischchen bereit: Tuben mit Ölfarbe, Pinsel, Terpentin, Malspachtel und seine Palette. Vom modernen Trend zur Abstraktion lässt er sich bei der Komposition seiner realistischen Bilder wenig beeinflussen. Darüber, wie heutzutage "herumgemalt" wird, kann er sich nur wundern. "Malen ist schließlich auch Können, nicht bloß Ausdruck", findet er und nimmt einen Zug von seiner Zigarette.

Davon war der gebürtige Schlesier schon während seines Studiums an der Düsseldorfer Kunstschule und der Münchner Akademie überzeugt und hatte wegen dieser traditionellen Auffassung unter seinen Kommilitonen nicht immer einen leichten Stand. Zwar machte es ihm Spaß, mit verschiedenen Techniken und Materialien zu experimentieren, zugleich wusste er aber, dass das nicht seine Herangehensweise ist.

An der Akademie hat man die angehenden Künstler vor den Tücken ihres zukünftigen Berufs gewarnt: "Es hat immer geheißen: Wir können ihnen beibringen, wie man malt, aber nicht, wie man davon lebt", sagt Wagner und wirft den Meisen, die sich sofort darum balgen, ein paar Walnusskerne hin. Obwohl es in finanzieller Hinsicht gewiss nicht immer leicht war, hat Wagner seinen Weg gefunden und niemals bereut, dass er sich für seine Tätigkeit als freischaffender Maler im ländlichen Idyll Possenhofen entschieden hat.

Kunstlehrer zu werden, war für mich nie eine Alternative", beteuert der Lebenskünstler. Neben den Landschaftsgemälden fertigt er am Dampfersteg Porträtskizzen an und restauriert alte Bilder. Die künstlerische Begabung scheint bei den Wagners in der Familie zu liegen. Die Töchter des Künstlers, Stefanie und Yvonne, haben beide einen kreativen Beruf gewählt. Die eine illustriert, die andere schreibt Bücher.

Sich demnächst zur Ruhe zu setzen, kommt für den Wagner Sepp, Jahrgang 1937, nicht in Frage. "Ich mache so lange weiter, wie es gesundheitlich geht", sagt er. Dann wendet er sich dem mittlerweile bewölkten Himmel zu, die Wolkenbildung sei hochinteressant. Die müsse man malen, meint er und macht sich ans Werk.