Amphibienwanderung Kröten brauchen bessere Wegweiser

Die Einbauten zum Schutz von Kröten, Fröschen und Molchen an der Weßlinger Umfahrung funktionieren nicht.

(Foto: Sebastian Willnow/dpa)

Die Umfahrung in Weßling wurde für eine Million Euro zum Schutz der Tiere ausgerüstet. Doch Tunnels sind verstopft, Frösche kleben fest. Die Straßenbauer müssen nacharbeiten.

Von Patrizia Steipe

Der lang ersehnte Regen ist für die Frösche und Kröten wie ein Startsignal. Endlich kann die Amphibienwanderung, die wegen der Trockenheit der vergangenen Tage stagniert hatte, weiter gehen. Der für die Schutzmaßnahmen an der Weßlinger Umgehungsstraße zuständige Biologe Hans-Jürgen Gruber, sein Kollege Wolfgang Lorenz, die Geschäftsführerin der Kreisgruppe des Bundes Naturschutz, Helene Falk, sowie Helfer sind in diesen Tagen unterwegs - ausgestattet mit Gummistiefeln, Taschenlampen und Eimern. Sie haben Listen dabei, in die sie jedes Tier eintragen. Das ist Teil des Monitoring-Programms, dass das Straßenbauamt in Auftrag gegeben hat.

Das Biotop rund um den Wörthseer Golfplatz ist besonders schützenswert. Vor 20 Jahren hatte Gruber die Tierpopulationen dort zum ersten Mal kartiert. Außer den Erdkröten wurden in dem Bereich seltene Kammmolche und Springfrösche gefunden sowie Laub- und Grasfrösche, Teich- und Bergmolche. Nachdem auf dem Golfplatz vor etwa zehn Jahren neue Teiche angelegt worden waren, sei die Population der Amphibien noch gestiegen, berichtete Gruber. Lorenz geht von etwa 200 Kammmolchen und 1000 Springfröschen aus. Die Erdkröten schätzt er sogar auf 20 000 Exemplare. Sie alle gilt es zu bewahren.

Deswegen wurden beim Bau der Umgehungsstraße für etwa eine Million Euro Vorkehrungen zum Schutz der Tiere getroffen. 42 Durchlässe wurden errichtet und Leitschienen installiert, damit die Tiere unter der Straße zu ihren Laichgewässern gelenkt werden. Folien wurden in das Erdreich eingegraben, Wasser zur Befeuchtung in die Tunnel geleitet, Steine aufgeschlichtet und Humus aufgeschüttet.

Doch die aufwendigen Einbauten bringen nicht die erwünschte Wirkung. Die Tierschützerin Daniela Brombach aus Wörthsee war in den vergangenen beiden Jahren regelmäßig an der Straße und hat ihre Beobachtungen dokumentiert. Demnach ist der alkalische Bodenbelag für die empfindliche Haut der jungen Springfrösche tödlich. Die Tiere kleben am Beton fest und sterben. Einige der Durchlässe seien mit Wasser geflutet, andere von Müll und Laub verstopft, stellte sie fest. Eigentlich sollten die Frösche entlang der Leitschienen durch die Tunnel geführt werden, "doch die Tiere sind nicht eingebogen", erklärte Brombach.

Gruber hat sich die Situation bei seinen Kontrollgängen genau angeschaut. Fest steht, dass es auf der "Anwanderseite" viel mehr Tiere gebe. "Wir haben mehrere hundert auf der einen Seite gezählt und auf der anderen nur 30", berichtete auch Helene Falk. Wo die fehlenden Tiere geblieben sind, ist unklar. Die Naturschützer sind sich einig, dass Nachbesserungen nötig sind. Die Feuchtigkeit in den Durchgängen ist beispielsweise trotz der Wassereinleitungen zu gering. "Der Wind pfeift durch", hat Gruber festgestellt. "Da machen wir mit einer Folie dicht." Trichterränder sollen verhindern, dass Laub in die Durchgänge fällt. Außerdem können die Schienen, die die Tiere in die Tunnel leiten sollen, erhöht und verlängert werden und damit die Amphibien nicht die Portale erklimmen, sollen Metallwinkel angebracht werden. Auf die Schotterflächen kommt Humus, die überfluteten Durchlässe bekommen ein Entwässerungsrohr und alle alkalischen Bodenbeläge werden ausgetauscht. Außerdem werden die Betonwände mit einer Schutzschicht gestrichen, damit die Frösche nicht mehr daran kleben bleiben. Im nächsten Jahr wird überprüft, ob diese Nachbesserungen funktionieren.

Für dieses Jahr wurde aber wieder ein Amphibienzaun aufgestellt und ehrenamtliche Helfer tragen die Tiere nach wie vor über die Straße. Erst vor wenigen Tagen haben die Helfer an einem Tag etwa 1000 Tiere gezählt. In dieser Nacht ist die Ausbeute mager. Einige der schwarzglänzenden Kammmolche mit ihren orangefarbenen Bäuchen werden eingesammelt. Ein paar männliche Erdkröten, die auf Weibchen warten, ein Springfrosch, ein paar Berg- und Teichmolche. "Die Hauptwanderzeit ist wohl schon vorbei", vermutet Falk und hebt eine leise quakende Kröte in den Eimer.