Fußball Vom Acker gemacht

Fußball im Dachauer Hinterland: FC-Spielertrainer Fabian Hürzeler vor sanfter Hügel-Kulisse.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Der Regionalligist FC Pipinsried plant für die Partie gegen den TSV 1860 München im Mai mit bis zu 7000 Fans - und funktioniert einen benachbarten Hügel zur Naturtribüne um.

Von Christoph Leischwitz, Pipinsried

Ohne die Landwirte geht nichts in Pipinsried, auch nicht rund ums Fußballstadion. Am 5. Mai um 17 Uhr wird der TSV 1860 München beim Regionalligisten im 500-Seelen-Dorf zu Gast sein, und alle halten zusammen. So soll es möglich werden, dass bis zu 7000 Zuschauer dieser Partie zuschauen können. Ins Stadion passen laut Behördenauflagen zwar nur maximal 2500, doch dann hatte Landrat Stefan Löwl, beim FC liebevoll "Edelfan" genannt, die Idee, den Hang an der Nordostseite für Gästefans zu öffnen - wahrscheinlich wären sie ja sowieso gekommen und hätten alles zertrampelt. Der Landwirt, dem das Gelände gehört, war einverstanden. Er könne ja erst danach mit dem Pflanzen beginnen, habe er gesagt. Die Sechzig-Fans werden es in diesem Zusammenhang vielleicht gerne hören, dass eben jener Landwirt in den 1970er Jahren mal ein Tor gegen den FC Bayern schoss, wenn auch im Rahmen einer deutlichen Testspiel-Niederlage.

So steht dem weiß-blauen Regionalliga-Volksfest in Pipinsried nichts mehr im Wege. Und der FC hat schon jetzt einen enormen Aufwand betrieben, um einen reibungslosen Ablauf zu ermöglichen. Am Donnerstag präsentierten die Verantwortlichen per Power-Point-Präsentation und in Hochglanzmappen Details zu ihrem Sicherheitskonzept und zur Logistik. Feuerwehr (21 Personen), Polizei (85), das BRK (14) und Security (120) sind angefordert. Allein für die Zubereitung der Wurst-, Käse- und Fischsemmeln wird man mehr als 40 Helfer brauchen, schätzt Christian Schweiger, der das FC-Organisationskomitee leitet. "Die Resonanz bei den Mitgliedern ist enorm, alle wollen helfen", sagt er. Auch die anderen Vereine im Ort wie die Blaskapelle oder die Schützen seien dabei. Trotzdem suche der Verein weiterhin Helfer, es könne für das "Spiel des Lebens" (Schweiger), mit dem auch die 50-Jahr-Feier des Klubs mit einjähriger Verspätung nachgeholt werden soll, gar nicht genug geben.

14 Verkaufsstände, 32 Dixie-Klos: Dafür muss sogar die Bandenwerbung weichen

Auf ihrer "Naturtribüne", wie sie beim FC jenen abschüssigen Acker oberhalb ihres Rasenplatzes nun nennen, sollen im Mai 5000 Zuschauer stehen, wahrscheinlich überwiegend Sechzig-Anhänger. Zutritt zum eigentlichen Stadion haben diese streng genommen gar nicht, weshalb auf dem Gelände 32 Dixie-Klos und 14 Verkaufsstände stehen werden. Im Stadion selbst werden Teile der Bandenwerbung und der Sichtschutz abmontiert, um den Blick auf den Platz freizugeben.

Auch der Kartenvorverkauf läuft anders als bei einem gewöhnlichen Regionalliga-Spiel. Zwar werden in dem kleinen Ort vorübergehend 600 zusätzliche Parkplätze geschaffen. Das reicht aber bestenfalls für die rund 2000 Besucher im Innenraum, die überdies zu Fahrgemeinschaften aufgerufen werden. Für die Naturtribünen-Besucher ist ein Ticket nur über Busunternehmen in Kooperation mit Fanklubs oder Vereinen erhältlich. Die Busunternehmen sollen die Karten erst während der Hinfahrt verteilen. FC-Mitglieder bekommen ein Vorkaufsrecht auf bis zu drei Tickets. Besucher aus der näheren Umgebung können auch zu Fuß zum Spiel kommen oder einen der Busse nutzen, die das Landratsamt anbietet. Eine Tageskasse werde es übrigens nicht mal dann geben, wenn die Partie nicht ausverkauft ist - um nicht noch weitere Interessierte in den Ort zu locken.

Bei allem Aufwand dürfte sich das Spiel für den FC Pipinsried auch lohnen. Man habe immer noch an den Ausgaben zu knabbern, die nötig waren, um das Stadion regionalligatauglich zu machen, erklärt Präsident Roland Küspert. "Aber wir werden uns nicht die Taschen vollschlagen", sagte er. Die Karten kosten 15 Euro.

Abgesehen davon, dass nach dem Spiel viel aufzuräumen sein wird, hat man in Pipinsried keine große Sorge vor den teils berüchtigten Sechzig-Fans: "Für die sind wir ein Kultverein, bodenständig, kein Kommerz", sagt Pipinsrieds Fanbeauftragter Benny Rauch, und deshalb unter den Löwen hoch angesehen. Rauch weiß natürlich: Sollte 1860 ausgerechnet an diesem vorletzten Spieltag Meister werden, könnten die Aufräumarbeiten sehr viel länger dauern.