Schwabing Kampf ums "Elki" geht weiter

Kinder dürfen im "Elki" nicht mehr spielen.

(Foto: Robert Haas)

Verein will in Berufung gehen, Politiker solidarisieren sich

Von Ellen Draxel, Schwabing

Lara Mosdal ist kein Mensch, der allzu schnell aufgibt. Das hat die Vorsitzende des Eltern-Kind-Zentrums Schwabing-Maxvorstadt in den vergangenen fünf Jahren bewiesen. So lange schwelt der Streit zwischen dem "Elki", wie sich das Familienzentrum abgekürzt nennt, und einigen wenigen Nachbarn bereits. Vergangenen Freitag verkündete das Münchner Landgericht nach einem Prozess, in dem es formal um die Nutzung der Elki-Räumlichkeiten als Laden, de facto aber um störenden Lärm ging, das Urteil gegen die Einrichtung an der Schwabinger Nordendstraße: Das Elki darf die Räume im Erdgeschoss fortan nicht mehr nutzen.

Für Mosdal kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Nach einem Gespräch mit ihrem Anwalt steht jetzt fest: "Wir werden in Berufung gehen." Einen Monat hat der Verein Zeit, Berufung einzulegen, bis dahin laufen die Aktivitäten im Zentrum weiter wie bisher. "Wir sind noch immer offen für einen Vergleich", betont die Vorsitzende. Zu überlegen sei, ob man zusätzlich die Decke dämme, um noch mehr Schall absorbieren zu können. Beim Fußboden und den Wänden ist dieser Schutz bereits vorhanden. Zu klären wäre allerdings, wer die Kosten für eine Deckendämmung übernimmt - dem Elki fehlen dafür die Mittel.

An Unterstützung mangelt es dem Elki nicht, schon vor der Urteilsverkündung votierten mehr als 1100 Menschen mit einer Petition für den Erhalt des Eltern-Kind-Zentrums. Auf politischer Ebene setzt sich der Bezirksausschuss Schwabing-West seit Langem für das Elki ein, die Bürgervertreter haben vorige Woche bereits die Verwaltung um Hilfe gebeten. Auch Landtagspolitikerin Ruth Waldmann (SPD) kämpft für das Elki, zumal es sich ihrer Ansicht nach hier um einen Präzedenzfall handelt. "Etwa ein Drittel der Betreuungseinrichtungen der Stadt werden von Initiativen betrieben", sagt sie. "Was machen wir, wenn dieser Fall Kreise ziehen sollte?"

Aktiv geworden sind inzwischen außerdem die Stadtrats-Grünen/Rosa Liste: "Elki retten" lautet ihr Antrag an Oberbürgermeister Dieter Reiter vom Dienstag. Einrichtungen wie das Familienzentrum "mit ihren generationsübergreifenden Integrations-, Vernetzungs- und Unterstützungsleistungen" seien für ein Stadtviertel "von sehr großer Bedeutung" und müssten daher von der Stadt "dringend unterstützt" werden, fordern die Stadträte. Gerade im Umkreis dieses innerstädtischen Standortes gebe es kein vergleichbares Angebot. "Es kann nicht sein, dass die Einzelinteressen einiger weniger ausschlaggebend für die Ausgestaltung des gemeinschaftlichen Miteinanders in einem Stadtviertel sein sollen. Die Stadt München muss hier einschreiten und alle erdenklichen Mittel nutzen, um den Erhalt des Elki an diesem Standort zu sichern."

Erstmals bezogen hat das Eltern-Kind-Zentrum die 170 Quadratmeter großen Räumlichkeiten im Rückgebäude der Nordendstraße 53 Ende 2010. Die Lokalbaukommission hatte damals der Nutzungsänderung des Ladens als Kindertagesstätte zugestimmt.