Sanitäter Für das Rote Kreuz ist Schluss auf der Wiesn - nach 133 Jahren

Etwa 1000 meist ehrenamtliche Helfer des BRK sind während der Wiesn im Einsatz, außerdem noch 70 Ärzte.

(Foto: dpa)
  • Die Stadt München hat dem Privatunternehmen Aicher Ambulanz Union für die kommenden vier Jahre den Zuschlag für das Oktoberfest erteilt.
  • Das Rote Kreuz war seit 133 Jahren für den Rettungsdienst auf der Wiesn zuständig.
  • Das BRK will gegen die Entscheidung der Stadt vorgehen.
Von Dietrich Mittler

Neuer Betreiber für den Sanitätsdienst auf dem Oktoberfest: Am Mittwoch hat die Stadt München dem Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) mitgeteilt, dass das Privatunternehmen Aicher Ambulanz Union nach einer Ausschreibung für die kommenden vier Jahre den Zuschlag bekommen soll. Bis 30. April läuft allerdings noch eine Einspruchsfrist. Das BRK kündigt Widerstand gegen die Vergabe an.

Das Rote Kreuz war seit 133 Jahren für den Rettungsdienst auf der Wiesn zuständig. Um die 1000 meist ehrenamtliche Helfer sind während der Wiesn im Einsatz, außerdem noch 70 Ärzte. Seit 2011 muss der Auftrag europaweit ausgeschrieben werden. Als Grund für den Wechsel gibt das Direktorium der Landeshauptstadt in dem Schreiben an, dass das BRK "nicht das wirtschaftlichste Angebot abgegeben" habe.

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Dieser Entscheidung sei "eine umfangreiche Eignungsprüfung und eine gründliche Prüfung der Kostenkalkulation aller Bieter" vorausgegangen. Das BRK-Angebot, so weiter, habe bei der Wertung den zweiten Platz belegt. "Das alleinige Zuschlagskriterium war der Preis", beschied die Stadt. Die Organisation will das Ergebnis aber nicht hinnehmen.

"Der Kreisverband München wird sich wehren, das heißt wahrscheinlich klagen. Mit meiner Unterstützung", erklärte BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk. "Das tun wir nicht, weil wir schlechte Verlierer sind, sondern weil es an die Grundstrukturen der ehrenamtlich geprägten inneren Sicherheit in Bayern geht." Das Aus würde einen enormen Imageverlust bedeuten, heißt es aus dem BRK: "Die Wiesnwache ist für jede Rettungsorganisation der Ritterschlag."

Aicher hatte sich 2011 beworben, war aber unterlegen, 2014 war das BRK der einzige Bewerber für den auf vier Jahre erweiterten Zeitraum. Geschäftsführer Peter Aicher wurde ebenfalls von der Stadt informiert, dass sein Unternehmen den Auftrag bekommt. "Die Entscheidung der Stadt München unterstreicht unsere langjährige Kompetenz im Sanitätsdienst und der Notfallrettung", erklärt er. "Wir werden diesen Auftrag professionell - aber auch mit Herz und Verstand - durchführen."

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