Rücktritt Noch nie war der Graben zwischen den Kirchen und der CSU so tief

Der Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende spricht in der Kirche von Zorneding.

(Foto: dpa)

Auch das zeigt die traurige Geschichte über den Pfarrer, der im christlichen Bayern mit dem Tod bedroht wird.

Kommentar von Matthias Drobinski

Nach der Vorabendmesse bist du fällig! Was Olivier Ndjimbi-Tshiende widerfahren ist, dem katholischen Pfarrer von Zorneding, hat auch die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali erleben müssen: Wer etwas gegen den Fremdenhass sagt und dabei selber fremd wirkt, kann sich auf was gefasst machen. Den treffen die enthemmten Gewalt- und Mordfantasien der Rassisten. So etwas wirkt, zermürbt, und nicht jeder hält das aus.

Ausgerechnet in Zorneding also hat es derart brutale Drohungen gegen den Pfarrer gegeben, dass der zurücktrat - im Herbst hatte er sich mit der örtlichen CSU angelegt, als deren Vorsitzende redete, als sei sie von der AfD. Zorneding ist gut situiert, bürgerlich-konservativ, Morddrohungen gegen einen Geistlichen wirken hier wesensfremd. Aber auch hier wächst die Aggressivität einer Minderheit, die sich als Vollstreckerin des Mehrheitswillens sieht, solange ihr niemand sagt: Ihr redet nicht in unserem Namen.

Ilse Aigner, die CSU-Bezirkschefin, hat dies wünschenswert klar getan, so, wie sie auch den Zornedinger CSU-Vorstand zum Rücktritt drängte. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der Beifall in der Partei dafür nicht ohrenbetäubend war. Noch nie war der Graben zwischen den Kirchen und der CSU so tief wie in diesen Flüchtlingskrisenzeiten. Auch das ist ein Teil der traurigen Geschichte über den Pfarrer, der im christlichen Bayern mit dem Tod bedroht wird.

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