Olympiadorf gegen Gedenkort Verdrängen und weiterfeiern

Es gibt verschiedene Vorschläge für den Platz eines geplanten Gedenkraums zum Olympia-Attentat von 1972.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Wollen sie gar nicht an den Terroranschlag von 1972 erinnert werden? Die Gegner im Olympiadorf lehnen auch den neuen Standort für einen Gedenkort ab - die Begründungen klingen seltsam.

Ein Kommentar von Wolfgang Krause

Ihre Ablehnung tragen die Wutbürger aus dem Olympiadorf deutlich im Namen: "Nein zur Bebauung des Connollyberges" heißt die Bürgerinitiative, mit der Anwohner die Pläne für eine Gedenkstätte zur Erinnerung an das Olympiaattentat von 1972 zu Fall bringen wollen. Vordergründig geht es vor allem um den Standort, den die Dorfbewohner gerne als Rodel- und Partyhügel erhalten sähen. Außerdem monieren die Olympiadörfler, dass sie nicht rechtzeitig in die Planungen eingebunden wurden. Tatsächlich aber muss man zunehmend den Eindruck gewinnen, dass viele das Denkmal überhaupt nicht wollen - und wenn, dann möglichst weit weg.

Denn auch den neuen Standort, den Kultusminister Ludwig Spaenle als Vorschlag zur Güte ins Spiel gebracht hat, lehnen die Anwohner ab. Auch auf dem benachbarten Hügel sehen sie ihre Freizeitmöglichkeiten beeinträchtigt. Das allerdings ist schon deshalb ein schwaches Argument, weil es im Olympiadorf eine Vielzahl von Grünflächen und Spielmöglichkeiten für Kinder gibt, von der die Bewohner anderer Stadtviertel nur träumen können. Auch das Lamento über die mangelnde Einbindung der Anwohner wirkt angesichts der destruktiven Antihaltung der Gegner vorgeschoben.

Ganz offensichtlich wollen viele Bewohner des Olympiadorfes einfach nicht daran erinnert werden, dass die fröhlichen Spiele, denen sie ihre einzigartige Siedlung verdanken, von einem blutigen Terroranschlag überschattet wurden. München 1972 - das waren eben nicht nur die wegweisende Architektur, Otl-Aicher-Plakate und der Olympiawaldi. Das waren auch elf israelische Sportler, Kampfrichter und Betreuer sowie ein bayerischer Polizist, die durch palästinensischen Terror starben. Das darf man nicht ausblenden, deshalb sollte Kultusminister Spaenle den Anwohnern auch nicht weiter entgegenkommen, als er es bereits getan hat.