Oktoberfest-Bilanz 3646 Fundstücke und ein erschlagenes Monster

  • Oberbürgermeister Dieter Reiter und Wiesn-Chef Josef Schmid ziehen Bilanz: Die Wiesn war friedlich, ruhig und erst am Ende überfüllt.
  • 6,3 Millionen Gäste haben 6,5 Millionen Mass Bier getrunken - und jede Menge Tiere verspeist.
  • Skurrile Polizeieinsätze: Es gab Streit wegen einer Fischsemmel aus Plastik - und wegen eines Angriffs auf ein Monster.
Von Andreas Schubert

Worüber sich OB Reiter aufregt: die "Ex-Sauferei"

Wenn Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter an der Wiesn eines stört, dann die - wie er es nennt - "Ex-Sauferei". Für den OB ist dies eine Unsitte, die dringend aufhören muss. Wie man aber jemanden daran hindern kann, einen Liter Bier in zehn Sekunden runterzuschütten, weiß auch er nicht. Man müsse sich gemeinsam mit den Wirten etwas überlegen, sagt er. Ansonsten fällt die Wiesn-Bilanz von Reiter sowie vom Zweiten Bürgermeister und Wiesn-Chef Josef Schmid positiv aus. Es war, so das Resümee, eine entspannte und ruhige Wiesn, mit einem starken letzten Wochenende.

Was die Wiesn-Besucher getrunken und gegessen haben

In Zahlen schlägt sich das so nieder: Geschätzte 6,3 Millionen Gäste tranken 6,5 Millionen Mass Bier, 112 Ochsen wurden gegessen und 48 Kälber. Die Ordner verhinderten 112 000 Masskrugdiebstähle.

Xavers Weg vom Stall auf den Spieß

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Der U-Bahnhof Theresienwiese musste bis Samstagabend 150 Mal gesperrt werden, was angesichts von 3,7 Millionen zusätzlicher Fahrgäste nicht verwundert. Allein am langen letzten Wiesn- Wochenende war die Station 22 Mal dicht. Die Deutsche Bahn meldet für die 16 Tage etwa 100 000 zusätzliche Fahrgäste pro Tag, 100 Zwischenfälle mit Wiesn-Besuchern und den Einsatz von 500 Zusatzzügen.

Was gefunden wurde: zwei Eheringe und eine Katzentransportbox

Bis Sonntagvormittag wurden 3646 Fundstücke abgegeben. Unter jenen Fundsachen waren unter anderem 900 Ausweise, 530 Geldbeutel, 330 Handys, 31 Fotoapparate, vier Tickets "FC Bayern gegen Hannover 96", zwei Eheringe, eine Katzentransportbox. Ein verloren gegangenes Bundesverdienstkreuz 2. Klasse war am Sonntag dagegen noch nicht wieder aufgetaucht.

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Wie Josef Schmid beobachtet haben will, saß den Besuchern das Portemonnaie dieses Jahr nicht ganz so locker wie in der Vergangenheit. Die Leute hätten eher kleinere günstigere Souvenirs gekauft, so Schmid, der am Sonntag mit leicht belegter Stimme sprach. "Vom "Atemlos"-Singen", so seine Erklärung.

Was in den Zelten gesungen wurde

"Atemlos durch die Nacht": Das Liedchen von Helene Fischer ist dem Oktoberfest-Chef zufolge der eindeutige Wiesn-Hit 2014. Auf Platz zwei sieht die Festleitung "Auf uns" von Andreas Bourani, dicht gefolgt von Hubert von Goiserns "Brenna tuats guat" - das inzwischen offensichtlich ein, naja, Dauerbrenner ist.

Was die Schausteller angeht, so sprechen diese von einer "konstanten Wiesn" mit wetterbedingten Einbußen. Einen normalen Verlauf vermeldet auch das Rote Kreuz. Mehr als 2000 meist ehrenamtliche Mitarbeiter versorgten dieses Jahr bis Sonntagvormittatg 7914 Patienten (Vorjahr: 7324), 3603 Patienten benötigten einen Arzt (2013: 3536).

Mehr Bierleichen auf der Wiesn

681 Menschen wurden wegen "Intoxikation" behandelt, vor allem wegen Alkohol- aber auch wegen sogenannter "Mischvergiftungen" - etwas mehr als im vergangenen Jahr (638). Allerdings hatte sich die erste Alkoholleiche zu Beginn der Wiesn etwas mehr Zeit gelassen: 125 Minuten nach Anstich des ersten Fasses landete der erste Patient mit einer Alkoholvergiftung auf der Sanitätsstation. In früheren Jahren hatte es die ersten Bierleichen sogar schon am Vormittag gegeben - noch vor der Eröffnung des Festes und dem offiziellen Beginn des Ausschanks. Am Schluss noch eine gute Nachricht: Die Zahl der volltrunkenen Minderjährigen (16) hat sich im Vergleich zum Vorjahr halbiert.

"Ich habe noch nie so viele Männer weinen sehen"

Manche Patienten kommen in Handschellen, andere ohne Namen. Blasenpflaster gibt es gratis und Bierleichen haben einen Codenamen. Ein Tag Wiesnwahnsinn auf der Sanitätsstation des Oktoberfests. Von Anna Fischhaber mehr ... Best of Wiesn

Polizei meldet weniger Straftaten

Die Polizei freute sich über weniger Straftaten auf dem größten Volksfest der Welt. 720 Menschen wurden festgenommen, das sind 39 weniger als im vergangenen Jahr. Allerdings leisteten viele Festgenommene nach Polizeiangaben Widerstand; 13 Beamte wurden verletzt. "Von Bissverletzungen bis Trittverletzungen war alles dabei", sagte Polizeisprecher Wolfgang Wenger.

Gegen Taschendiebe hat die Münchner Polizei ein neues Konzept: Die Beamten werden von Fahnder aus anderen Bundesländern und sechs Nationen unterstützt (aus Ungarn, der Schweiz, Spanien, Österreich, Belgien, Norwegen). Die Polizisten kennen sich untereinander und können die potenziellen Diebe leichter ausmachen. "Profis gehen immer arbeitsteilig vor, es sind in der Regel mindestens drei Diebe beteiligt", sagte Polizeivizepräsident Robert Kopp.

In den Bierzelten sei das Maßkrug-Werfen deutlich zurückgegangen, was er auf ein frühzeitiges Eingreifen der Ordnungskräfte zurückführt. Allerdings: Der Maßkrug-Klau wird immer mehr zum Volksfestsport. Ordner nahmen Souvenirjägern in diesem Jahr 112 000 Maßkrüge ab, die sie aus den Zelten und Biergärten mitgenommen hatten. Im vergangenen Jahr waren es nur 81 000.

Semmel mit Plastikfisch und Prügel für ein Monster

Zwei von unzähligen Beispielen für Wiesn-Einsätze: Am letzten Wochenende musste die Polizei einen Streit um eine Fischsemmel schlichten. Der Kunde hatte versehentlich die Deko-Semmel aus Plastik bekommen und sich darüber fürchterlich aufgeregt. Und am späten Freitagabend streckte ein 44-Jähriger ein Monster nieder. Der Mann hatte sich in der Geisterbahn derart erschreckt, dass er aus der Gondel stieg und den Widersacher aus der Verankerung riss. Am Monster entstand Totalschaden, der Schausteller erstattete Anzeige.

Fazit von Polizeivize Kopp: "In der Gesamtschau gibt es viel Gutes zu berichten. Den Kollegen ist viel abverlangt worden, wir schonen uns nicht. Aber wir werden auch nicht verschont."

Mit Material aus den Agenturen