Öffentlicher Nahverkehr Das Münchner U-Bahn-Netz ist eine große Baustelle

Untergrundbahn für Nostalgiker: Nicht nur weite Teile des Schienennetzes der Münchner U-Bahn, auch viele Züge sind nicht auf dem neuesten technischen Stand.

(Foto: Jakob Berr)
  • Rund 100 Kilometer umfasst das Netz der Münchner U-Bahn - und immer gibt es irgendwo Reparaturen.
  • Das Netz ist in die Jahre gekommen - und es kommt fast jeden Tag an seine Kapazitätsgrenzen.
  • Die Baustelle am Sendlinger Tor ist das derzeit prägnanteste Projekt der MVG.
Von Andreas Schubert

Oben Stau, unten Hindernislauf: Der Umbau des U-Bahnhofs am Sendlinger Tor wird sich noch bis 2022 hinziehen, inklusive Behinderungen über und unter der Erde. Die Baustelle ist das derzeit prägnanteste Projekt der Stadtwerke und ihrer Tochtergesellschaft MVG. Doch im Prinzip ist fast das ganze 100 Kilometer lange U-Bahn-Netz eine große Baustelle. Nur bekommen die Fahrgäste von den meisten Arbeiten gar nichts mit, da diese während der Betriebsruhe in der Nacht stattfinden. Das sind Arbeiten wie Schienenwechsel oder der Austausch verschleißanfälliger Teile der Weichen. Pro Nacht stehen etwa 20 Baumaßnahmen im Netz an.

Das Münchner U-Bahn-Netz ist nicht nur an seinen Kapazitätsgrenzen angelangt, es ist vor allem in die Jahre gekommen. Auf den ältesten, von 1971 an eröffneten Streckenabschnitten fahren die Linien U 3 und U 6. Auf der Strecke der U 3 wurden im vergangenen Frühjahr wochenlange Arbeiten mit Totalsperrung zwischen Scheidplatz und Münchner Freiheit abgeschlossen. Die Sperre war nötig, weil die Stadtwerke die kompletten Gleise inklusive Schotter austauschen mussten.

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Doch in den kommenden Jahren geht es munter weiter auf den beiden Linien: Etwa 65 Weichen müssen komplett ausgetauscht werden - und für diese Arbeiten reicht die kurze Zeit in der Betriebsruhe nicht mehr aus. Dieses Jahr, von Ende Mai an, tauschen die Stadtwerke sieben Weichen am U-Bahnhof Kieferngarten sowie weiteren sieben Weichen im Gelände des Betriebshofs der U-Bahn. Der U-Bahnbetrieb werde durch diese Bauarbeiten zu bestimmten Zeiten eingeschränkt, aber nicht in größerem Umfang unterbrochen, kündigt die MVG an.

Über die kommenden fünf Jahre sollen weitere 51 Weichen im U-Bahn-Betriebshof sowie an folgenden Bahnhöfen erneuert werden: Alte Heide, Dietlindenstraße, Harras, Holzapfelkreuth, Implerstraße, Münchner Freiheit, Odeonsplatz, Scheidplatz und Sendlinger Tor. Anschließend wird der Schwerpunkt auf der U 2/U 5 liegen, das sind die nach 1980 eröffneten Abschnitte.

Der Weichentausch an der Münchner Freiheit 2019 wird deutliche Behinderungen mit sich bringen, denn von den Arbeiten sind sowohl U 3 als auch U 6 betroffen, die sich bis Münchner Freiheit pro Richtung ein Gleis teilen. Schon heute kündigt ein MVG-Sprecher an, es werde auf jeden Fall eine Baustelle, "über die man in München noch reden wird".

Für die MVG bedeuten die großen Reparaturen einen hohen logistischen Aufwand, an der Planung für die Zeit von 2019 an wird noch gearbeitet. Neben Weichen und Schienen stehen Arbeiten an Tunnelröhren und U-Bahnhöfen an. So hat eintretendes Salzwasser an einigen Stationen Schäden in den Deckelfugen und an den Bahnsteigen verursacht.

So sind etwa am Ostbahnhof die Halterungen für die Wandverkleidung regelrecht zerfressen. "Das muss man sich vorstellen wie Karies", sagt der Sprecher. Dann müssen die Stadtwerke auch alte Stromschienen austauschen. Da diese nicht auf die dichten Takte von heute ausgelegt sind, kommt es immer wieder zu Kurzschlüssen.

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