Obermenzing Ein Mediator für die Schulfamilie

Haben die Lüftungen in den Problem-Containern an der Grandlschule die Schadstoffbelastung erfolgreich reduziert?

(Foto: Lukas Barth)

Kinder klagen über Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen und juckende Augen. Zur Formaldehydbelastung der Klassen-Container an der Grandlstraße existieren unterschiedliche Messungen und Meinungen

Von Jutta Czeguhn, Obermenzing

"Die Schüler der Grandlschule leiden zu einem hohen Prozentsatz an typischen durch Formaldehyd ausgelösten Symptomen", zu diesem Fazit kommt der Kinderarzt Thomas Noss. Er hat im Auftrag des Elternbeirats einen Fragebogen konzipiert und ausgewertet, der Mitte Juni an alle 485 Grundschulkinder ausgegeben wurde, die seit dem vergangenen September in der problematischen Containeranlage unterrichtet werden. 263 Schüler haben sich an der Umfrage beteiligt, was einer Rücklaufquote von 54 Prozent entspricht. 62 Prozent von ihnen klagen laut Noss über Symptome, vor allem über Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen und juckende Augen. Das Schuljahr ist nun fast vorüber, im Konflikt um die belasteten Schulcontainer ist jedoch kein Ende in Sicht. In der Sitzung des Bezirksausschusses gab es am Dienstag erneut massive Kritik am Krisenmanagement des Schulreferats. Vorwürfe muss sich auch Schulleiterin Gabriele Kerler gefallen lassen. Und Stadtschulrat Rainer Schweppe, so die Forderung, solle endlich "die politische Verantwortung" übernehmen.

Was auch immer man sich von Schweppe erwartet, er findet eine reichlich verfahrene, ungemütliche Situation vor. Der Ton der Sachlichkeit scheint längst abhanden gekommen zu sein. Schuldzuweisungen fliegen hin und her, der Elternbeirat fühlt sich von der Schulleiterin im Stich gelassen und tut dies auch öffentlich kund. Auch innerhalb der Elternschaft gibt es mehrere Lager. Gutachter kommen zu unterschiedlichen Messergebnissen, möglicherweise weil verschiedene Grenzwerte und Messverfahren in Bezug auf das krebserregende Formaldehyd im Spiel sind. Mediziner kommen zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen über die gesundheitlichen Folgen für die Kinder. Und auch die Fraktionen im Stadtbezirksgremium machen sich gegenseitig Vorhaltungen, mit durchaus saftiger Wortwahl. Von "Vertuschung", von "populistischer Volksverarschung" war die Rede.

Ein ziemlich wirres Knäul, das aufzudröseln es einen geduldigen, geschickten Mediator bräuchte, den die Stadtteilpolitiker - da sind sie sich immerhin einig - jetzt auch fordern: Dieser soll zuvorderst das Klima innerhalb der Schulfamilie verbessern. "Frau Kerler blockt total", kommt der Vorwurf von Elternbeiratssprecherin Christiane Lindenthal. Die Schulleiterin habe die Kommunikation eingestellt. Gabriele Kerler weist diesen Vorwurf zurück: "Ich war zu jedem Moment für meine Mitarbeiter, Eltern und Kinder ansprechbar." Zudem habe sie den Elternbeirat stets über aktuelle Informationen aus den städtischen Referaten in Kenntnis gesetzt.

Reichlich kompliziert erscheint die Bewertung der getroffenen Maßnahmen. Das Referat für Bildung und Sport sieht seinerseits keine Versäumnisse: In allen drei Container-Modulen der Pavillonschule seien Lüfter eingebaut worden. Nun würden in der gesamten Anlage Messungen bei sommerlichen Temperaturen vorgenommen, die teilweise bereits stattgefunden hätten. "Die Messungen werden sowohl mit als auch ohne Kinder im Raum durchgeführt", erklärt Sprecherin Christina Warta. Die bisher bekannt gewordenen Ergebnisse lägen alle deutlich unter dem empfohlenen Luftgüteleitwert der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 0,08 ppm (Teilchen pro Million). Sobald alle Messergebisse da seien, werde man sie veröffentlichen. Christiane Lindenthal allerdings kritisiert, dass die Eltern bislang nicht - wie zugesagt - bei diesen Messungen hätten zugegen sein dürfen. Es bestünden Zweifel am Ergebnis, weil die Räume zuvor gelüftet worden seien und nicht auf einer Bodenhöhe von 1, 50 Metern gemessen worden sei. Zudem verweist sie auf Messungen, die ein vereidigter Baubiologe im Auftrag des Elternbeirats am 12. Juni in acht Räumen vorgenommen hat: Die Ergebnisse hätten allesamt über dem erlaubten Wert von 0,08 ppm gelegen.

Unterschiedlich auch die Sicht der Mediziner: Laut Hermann Fromme vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sei bei Kindern, die über mehrere Wochen erhöhten Formaldehydkonzentrationen in den Klassenzimmern ausgesetzt waren, langfristig nicht mit negativen gesundheitlichen Folgen zu rechnen. Thomas Noss, der die Umfrage an der Grandlschule vornahm, kommt hingegen zu dem Schluss, die Lüftungen hätten keinen Erfolg gebracht. Bei weiter bestehender Belastung könnten noch mehr Kinder sensibilisiert oder krank werden.