Neues Multiplex-Kino in Pasing Im Westen was Neues

Konkurrenz für den Mathäser-Filmpalast: Der geplante Multiplex in Pasing soll Münchens zweitgrößtes Kinocenter werden.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Bei den Pasing-Arcaden soll ein Multiplex-Kino für mehr als 1800 Besucher entstehen. Mit zwölf Sälen wird in der Landsberger Straße Münchens zweitgrößter Filmpalast geplant - genau dort, wo vor hundert Jahren eines der ersten deutschen Lichtspieltheater eröffnete. Doch die Reaktionen im Viertel sind geteilt.

Von Jutta Czeguhn

Im Münchner Westen, in nächster Nachbarschaft zu den Pasing Arcaden, soll bis 2015 ein Multiplex-Kino mit zwölf Sälen und 1806 Plätzen entstehen. Nach dem Mathäser-Filmpalast am Hauptbahnhof (14 Säle und 4283 Sessel) und dem Cinemaxx am Isartor (sieben Säle, 1471 Plätze) wäre es das dritte Kinocenter in der Landeshauptstadt.

Der Standort an der Landsberger Straße 472 auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs sei "geradezu ideal", sagt Jakob Willibald von der Real Asset Projektentwicklungs- und Immobilienmanagement GmbH, die das Projekt entwickelt und Bauherr sein wird. Über den künftigen Betreiber schweigt sich Willibald aus. Ein Cinemaxx werde es nicht sein, das teilt Sprecherin Ingrid Breul mit.

Laut Willibald bietet die Stadt das Grundstück derzeit zum Verkauf an. Man habe Planungsüberlegungen angestellt, Vorabstimmungen über die Machbarkeit getroffen. Das Münchner Planungsreferat bestätigt, dass seit Anfang Januar ein Antrag auf Vorbescheid für das Kinozentrum mit den zwölf Sälen und "ergänzender Wohnbebauung und Tiefgarage" vorliegt. Auch dem Stadtrat wurde das Projekt schon vorgestellt, das Gremium soll durchaus angetan gewesen sein, heißt es.

"Pasing schreit seit langem nach einem Kino", sagt Jakob Willibald, der selbst dort wohnt. Und er hat längst nicht nur Pasing im Blickfeld, sondern den gesamten Münchner Westen samt näherem Umland, wo es vor allem im Würmtal und Starnberger Raum großartige Programmkinos, jedoch kein Multiplex-Kino gibt. Die Nähe zum Bahnhof, die Verkehrslage allgemein, sei am angepeilten Standort ideal für ein derartiges Projekt.

Auch mit den Pasing Arcaden, die am 19. Februar ihren zweiten Bauabschnitt eröffnen, sei man bereits in "intensiven Gesprächen". Willibald kann sich "Synergieeffekte" vorstellen, etwa Eltern, die ihre Kinder ins Kino setzen, während sie nebenan shoppen, oder Arcaden-Kunden, denen nach dem Einkauf der Sinn nach Blockbustern und Popcorn steht. Auch Arcaden-Center-Manager Christian Zimmermann würde sich über einen solchen neuen Nachbarn freuen.

Kino hat Tradition in Pasing

In Pasing, wo das letzte Kino vor mehr als 30 Jahren schloss, ist der Wunsch nach einem Lichtspielhaus in der Tat virulent. Denn Kino hat Tradition im Stadtviertel, war doch 1912 das "Bavaria-Theater" als eines der ersten Kinos in Deutschland überhaupt errichtet worden. Der Saal, in dem die Bilder laufen lernten, stand an der Münchner Straße 15, heute Landsberger Straße, die mit dem geplanten Multiplex nun also wieder Kino-Adresse in Pasing werden könnte.

Dennoch sind die Reaktionen auf das Vorhaben im Viertel geteilt. Stadtteilpolitiker wie der SPD-Mann Willy Schneider befürchten, dass mit dem Großkino östlich der Arcaden das alte Ortszentrum um den Pasinger Marienplatz weiter abgehängt wird. Ursprünglich sei geplant gewesen, eben dort einen Gegenpol zur Shopping-Mall zu errichten.

Für ein kleines Arthouse-Kino mit nur ein, zwei Sälen lasse sich heutzutage doch nie und nimmer ein Investor finden, sagt hingegen Schneiders Parteikollege, Stadtrat Christian Müller. Zudem könne ein Kino, das überwiegend abends bespielt werde, niemals ein Gegenpol zum Einkaufszentrum sein. Das seien doch "sehr romantische Vorstellungen von einem Kino".