Neue Heimat Als ob deutsches Wasser Spuren von Gold enthält

Wasser ist in Deutschland ein teures Gut.

(Foto: imago/blickwinkel)

Daheim in Nigeria hat unser Autor gerne extrem lang gebadet. In Bayern hat er damit aufgehört, als er merkte, wie teuer Wasser ist - nicht nur im Supermarkt.

Kolumne von Olaleye Akintola

Wenn ich meinen Körper mit Wasser reinigte, hatte ich nie im Sinn, dass dies Verschwendung sein könnte. Wasser war in Nigeria von der Natur gegeben, ein ausgiebiges Bad war stets mein Ritual vor und nach jedem Arbeitstag. Der nigerianische Musiker Fela Anikulapo Kuti hat den Charme des Wassers einmal in einem Lied mit dem Satz beschrieben: "Wasser hat keine Feinde".

Ich selbst verspüre eine besonders große Zuneigung zum Wasser, gibt es doch nichts Schöneres, als eine kalte Dusche an einem sonnigen staubigen Tag. Wo ich herkomme, bin ich extra früh aufgestanden, um Zeit für mein einstündiges Bad zu haben. 60 Minuten, damit ich mich ordentlich schrubben konnte. Womöglich wird man durch ausgiebiges Baden zu einem weißen Mann, das erzählt man sich dort, wo ich herkomme, spaßeshalber. Tatsächlich streben manche Schwarzafrikaner danach, ihre Haut aufzuhellen (genau wie viele Münchner auf ihre Sonnenbräune achten), allerdings weniger durch Wasserverbrauch, eher mit Cremes - ich bin kein Fan davon.

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Viel spannender war es für mich, den Umgang der Münchner mit ihrem Wasser kennenzulernen. Es geht im Supermarkt los: Eine Flasche stilles Wasser kostet fast so viel wie eine Dose prickelndes Bier, was nicht gerade zum Alkoholverzicht animiert. Manchmal wirkt es so, als ob deutsches Wasser Spuren von Gold enthält, als wäre es reiner Luxus.

In meiner Anfangszeit in Bayern wusste ich das nicht, ich verbrachte immer mindestens 30 Minuten im Bad. So lernte ich schmerzhaft, wie schnell einen das finanziell ruiniert, irgendwann brechen einem die Wasser- und Stromkosten das Genick. Nicht wie in vielen nigerianischen Dörfern, wo die Menschen sich selbst mit Wasser versorgen. Sie sammeln es in Regentonnen oder fahren mit riesigen Tanks zum Fluss. Gewässer gibt es in Nigeria mehr als genug.

Hier kommt das Wasser von den Stadtwerken und fließt aus Hähnen. Ihre Körperpflege erledigen viele Münchner im Schnellwaschgang. Vielleicht geht es ihnen darum, Zeit und Geld zu sparen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass man in Deutschland selten wie ein Steak auf der Pfanne schmort, daran, dass die Sonne nicht so erbarmungslos herunterbrennt wie in Nigeria. Auf Münchens Straßen ist kaum ein Staubkorn zu erkennen, kein Sand, der einem schon in den Morgenstunden in den Kleidern steckt.

Und so hat sich mein Morgenritual verändert. Mittlerweile lasse ich die Badewanne nur noch ein, wenn ich mich in einem extrem schmutzigen Zustand befinde. Ich dusche kurz und sprühe mich mit Düften ein. Hier ist das Leben mit Wasser bequemer, sauberer und umweltfreundlicher. Wenn es nur nicht so teuer wäre.

Übersetzung aus dem Englischen: Korbinian Eisenberger

Neue Heimat - Der andere Blick auf München
Vier Flüchtlinge, die in ihrer Heimat als Journalisten gearbeitet haben. Nach dem Porträt werden sie regelmäßig eine Kolumne schreiben. Fotografiert auf der Brücke im SZ-Hochhaus.

Der Autor: Olaleye Akintola stammt aus Nigeria. Bis zu seiner Flucht 2014 arbeitete er dort für eine überregionale Tageszeitung. Nun lebt er in Ebersberg.

Die Serie: Zusammen mit drei anderen Flüchtlingen schreibt Akintola für die SZ eine Kolumne darüber, wie es sich in Deutschland lebt und wie sie die Deutschen erlebt. Alle Folgen finden Sie auf dieser Seite. Hintergründe zu unseren Kolumnisten finden Sie hier.