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Neue Heimat:Yoga ist die Hölle auf Matten

Yoga Day des indischen Generalkonsulats, Kulturhaus Milbertshofen, Curt-Mezger-Platz 1

Yoga ist der langweiligste Sport, den es gibt, findet unsere Autorin. Fotografieren hat sie sich dabei trotzdem nicht lassen, deswegen gibt es hier ein Symbolbild.

(Foto: Florian Peljak)

Unsere Autorin aus Uganda hat es ehrlich versucht. Aber am Ende bleibt Yoga einfach nur Jogging für Faule. Oder nicht?

Kolumne von Lillian Ikulumet

Es heißt, Yoga soll entspannend, beruhigend und gut für Körper und Geist sein. Kein Wunder also, dass Yoga ein Trend ist, der sich bei den Münchnerinnen durchgesetzt hat. Hier nehmen sich die Menschen solche Sportarten fürs neue Jahr vor, das habe ich nach meiner Flucht aus Uganda schnell mitbekommen. Es war neu, Menschen zu sehen, die stundenlang in einer Position sitzen und in Zeitlupe Übungen machen. Ich musste mir ein Lachen verkneifen, weil ich das eher in Indien oder China erwartet hätte, nicht aber in Oberbayern. Und doch, so scheint es, bauen auch die Münchner auf die Kraft des Yogas, sonst wären die Kurse nicht so voll.

Eigenartige Dinge wecken die Neugier, und die steigt mit dem Ausmaß der Verstörung. Also meldete ich mich für eine Yoga-Sitzung in meinem Fitnessstudio an. Entspannung, so hieß es, solle der Effekt sein. Leider ging das bei mir nicht so auf wie erhofft, denn nach der Sitzung fühlte ich mich angespannter als vorher.

Es heißt, dass Yoga für Anfänger nicht einfach ist. Deshalb habe ich es mehrmals versucht. Ich ging zu verschiedenen Studios und Kursen, drei Wochen habe ich ein tägliches Yogaprogramm durchgezogen: Jede Nacht saß ich wie eine Buddha-Statue neben meinem Bett. Die Meditation fühlte sich an wie ein Voodoo-Ritual, bei dem man selbst die Puppe ist. Am Ende war ich zwar dehnbarer, dafür fühlte sich aber mein Rücken an, als wäre ich unter eine ugandische Büffelherde geraten. Es war wie in der Hölle, und so warf ich die Anleitungen in den Müll.

Wäre man böse, könnte man sagen, dass Yoga nichts anderes ist als Jogging für Faule, weil man nicht laufen muss, sondern nur Katzen und Kühe auf einer Matte nachmacht. Aber wozu? Wer sich entspannen will, der lege sich auf eine Wohnzimmer-Couch. Warum Geld dafür bezahlen, um sich mit einem Haufen von Leuten in bunten Stoffen zu verrenken? Man braucht dafür keine Weihrauchwolke mit Vanilleduft, man braucht nur eine Stunde Zeit für eine kostenlose Siesta. Und die ist unbezahlbar.

Das mag ungerecht klingen, gerade von einer gescheiterten Yoga-Sportlerin, gerade jetzt, wo sich zum neuen Jahr wieder viele vornehmen, im Yoga Erfüllung zu finden. Nun ist es mit den guten Vorsätzen aber meist so eine Sache, weil man eben oft scheitert. Ist es zum Beispiel nicht menschlich, wenn man dann feststellt, dass Yoga der langweiligste Sport ist, den es gibt?

Selbst Yoga-Liebhaber wissen das im Prinzip, warum sonst würden sie immer wieder neue Variationen erfinden, "Doga" etwa, es soll helfen, Harmonie mit dem Haustier zu finden. Der Hund muss eigene Posen lernen, perfekt für Instagram-Fotos. Oder höllisch dämlich? Eine andere bayerische Variante heißt Nackt-Yoga, eine dritte nennt sich Bier-Yoga. In Uganda würden sie das als Form von Hexerei verteufeln. Aber in Bayern ist alles möglich.

Vielleicht ist genau dies das Schöne in diesem Teil der Welt: Dass die einen leben, und die anderen sie dabei in Frieden lassen. Ob es um Fitness, Entspannung oder um eine bestimmte Einstellung zum Leben geht. Vielleicht gar um himmlische Gefühle? Klar ist beim Yoga nur: Nie waren Himmel und Hölle sich näher.

Neue Heimat - Der andere Blick auf München
Vier Flüchtlinge, die in ihrer Heimat als Journalisten gearbeitet haben. Nach dem Porträt werden sie regelmäßig eine Kolumne schreiben. Fotografiert auf der Brücke im SZ-Hochhaus.

Die Autorin: Lillian Ikulumet, 36, stammt aus Uganda. Bis 2010 arbeitete sie dort für mehrere Zeitungen, ehe sie flüchtete. Seit fünf Jahren lebt Ikulumet in München.

Die Serie: Zusammen mit drei anderen Flüchtlingen schreibt Ikulumet für die SZ eine Kolumne darüber, wie es sich in Deutschland lebt und wie sie die Deutschen erlebt. Alle Folgen finden Sie auf dieser Seite...

© SZ vom 29.12.2017/ebri

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