Nahverkehr Weil die Hauptwerkstatt marode ist, fehlen der MVG Straßenbahnen

1918 erbaut, nach dem Krieg wieder instand gesetzt: Die Tram-Hauptwerkstätte der MVG steht unter Denkmalschutz. Doch jetzt ist die Standsicherheit der Montagehalle nicht mehr gewährleistet.

(Foto: MVG/oh)

Das hat bereits spürbare Folgen, zum Beispiel beim Trambahn-Takt.

Von Andreas Schubert

In einem Baudenkmal zu arbeiten, mag sich zunächst gut anhören. Doch für die Mitarbeiter der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) ist genau dieser Umstand derzeit ein Problem. Das Gebäude der Tram-Hauptwerkstätte an der Ständlerstraße ist teilweise so marode, dass ein normaler Werkstattbetrieb nicht mehr möglich ist. Das haben jetzt Baufachleute der Stadtwerke herausgefunden. Die große Montagehalle musste deshalb geräumt werden. Wie lange der Betrieb dort ruhen muss, ist derzeit noch unklar.

Die Folgen wirken sich auch auf den täglichen Straßenbahnbetrieb aus. Da größere Reparaturen und Wartungen normalerweise nur in der Hauptwerkstätte möglich sind und nicht im Betriebshof an der Einsteinstraße erledigt werden können, fehlen der MVG schon jetzt fünf Züge, ein weiterer Zug, bei dem Arbeiten anstünden, wird demnächst wohl ebenfalls ausfallen.

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Das schlägt sich auch auf die Takte nieder, die MVG versucht allerdings, die Ausfälle auf mehrere Linien zu verteilen. "Es soll nicht jeden Tag dieselben Kunden treffen", sagt MVG-Sprecher Matthias Korte. Am Mittwoch, zum Beispiel, fuhren auf den Linien 15 und 22 weniger Züge. Da auf diesen Strecken parallel aber auch die Linien 25 beziehungsweise 21 unterwegs sind, kamen die Passagiere dennoch alle fünf bis zehn Minuten vorwärts.

Damit nicht noch mehr Züge ausfallen, soll die Werkstatt nun teilweise in andere Räume auf dem Gelände umziehen, ein Teil des Ersatzteillagers wird von der Ständlerstraße in die Einsteinstraße verlegt. Zusätzlich sollen auch externe Firmen bestimmte Werkstattleistungen übernehmen. Die Einschränkungen werden voraussichtlich bis Ende Februar dauern, den Fahrschulbetrieb setzt die MVG in dieser Zeit aus, damit nicht noch mehr Züge für den Passagierbetrieb fehlen.

Die Hallen an der Ständlerstraße wurden 1918 als Kriegsmetallwerk von Karl Stöhr errichtet und 1926 von Fritz Beblo und Karl Meitinger als Straßenbahnwerkstätte ausgebaut. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurden die Dachaufbauten erneuert, seit 2007 sind auf dem Areal in einer alten Werkshalle auch die Ausstellungsräume des MVG-Museums untergebracht.

Anwohner sehen einen Ausbau der Werkstätten mit Sorge

Weil die MVG ihre Werkstätten von nächstem Jahr an erweitern will, haben Bauexperten das aus Stahlbeton gefertigte Gebäude intensiv unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Es könne nicht sicher nachgewiesen werden, ob die Halle bei dem vorhandenen Schadensbild standsicher ist. Zuletzt wurde das Gebäude vor acht Jahren überprüft, wobei keine gravierenden Mängel festgestellt wurden. Jetzt gehen die Untersuchungen des Gebäudes weiter in die Tiefe. Fachleute entnehmen dazu Beton- und Stahlproben.

Südlich des historischen Baus soll bis zum Jahr 2023 ein zweiter Betriebshof für die Straßenbahnen entstehen. Dort sollen weitere 90 Züge Platz finden, das bestehende Depot an der Einsteinstraße ist auf 120 Einheiten ausgelegt und reicht für den künftigen Betrieb nicht mehr aus. An der Ständlerstraße sind unter anderem zwei neue Abstellhallen und eine Waschhalle sowie Räume für Verwaltung und eine Kantine vorgesehen.

Der Anbau ist nicht unumstritten, da Anwohner eine höhere Lärmbelästigung befürchten, obwohl die Wohnbebauung 40 Meter entfernt ist. Schon vorher wollte das Eisenbahnunternehmen Veolia auf dem Gelände einen Betriebshof für seine Meridian-Züge bauen, verwarf diesen Plan aber 2014 wieder, auch wegen des Widerstands der Anwohner. Auch bei einer Infoveranstaltung zum neuen MVG-Depot im vergangenen Juli äußerten sich Anwohner skeptisch.

Um die Lärmbelastung in Grenzen zu halten, sind im neuen Depot bis zu neun Meter hohe Lärmschutzwände geplant. In diesem Frühjahr wollen die Stadtwerke den Bauantrag einreichen.

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