Nach Urteil gegen Polizist im Fall Teresa Z. Klare Grenzen für Beamte

Seine Verurteilung im Fall Teresa Z. könnte für Frank W. das Aus als Polizist bedeuten. Das wäre konsequent, die Münchner Polizei kann sich Schläger nicht leisten. Sie muss ihre Personalführung nun gründlich überdenken. Ein erster Schritt wäre es, wenn die Polizeiführung mit gutem Beispiel voran ginge - und sich endlich bei Opfer Teresa Z. entschuldigen würde.

Ein Kommentar von Christian Rost

Es war also keine Notwehr und kein bloßer Reflex. Der Polizeibeamte Frank W. hat einer jungen Frau, die mit Handschellen gefesselt war, absichtlich mit der Faust ins Gesicht geschlagen und sie schwer verletzt. Weil sie sich gegen ihre Festnahme gewehrt und ihn angespuckt hatte, meinte der 33-Jährige, dieses Verhalten mit Prügel quittieren zu können.

Für den Mann bedeutet das Urteil nun das mögliche Aus als Polizist. Das wäre nur konsequent, weil sich die Münchner Polizei Schläger in ihren Reihen nicht leisten kann.

Frank W. ist sicher ein Einzelfall bei einer Behörde, die insgesamt gute Arbeit leistet in einer der sichersten Großstädte Europas. Und doch gibt es Einzelfälle dieser Art immer wieder in München, die Schlagzeilen zeigen es: Ein Polizist attackiert am Hauptbahnhof bei der Jagd nach Dealern einen völlig unschuldigen Reisenden, ein ganzer Trupp Polizisten stürmt eine Wohnung und stürzt sich auf einen geistig Behinderten, der Beleidigungen ausstößt. Auch das Unterstützungskommando steht laufend in der Kritik, weil sich dessen Beamte immer wieder wegen unverhältnismäßiger Übergriffe vor Gericht verantworten müssen.

Die Münchner Polizei unter dem neuen Präsidenten Hubertus Andrä täte gut daran, ihre Personalführung gründlich zu überdenken. Den Polizisten im Einsatz muss offenbar noch deutlicher klargemacht werden, dass Grenzüberschreitungen dieser Art nicht geduldet werden und gravierende Konsequenzen haben.

Eine Kultur des Wegsehens -wie sie teils auch in den Zeugenaussagen der Polizeibeamten im Fall Teresa Z. zu beobachten war - und des Wegduckens darf es nicht länger geben. Ein erster Schritt wäre es, wenn die Polizeiführung mit einem guten Beispiel voran ginge und sich endlich bei dem Opfer Teresa Z. entschuldigen würde. Das wäre kein Eingeständnis von Schwäche, sondern ein Zeichen der Stärke.