Münchner Oberbürgermeister Christian Ude Zeit zu gehen

Christian Ude hat ausdirigiert. Nach fast 21 Jahren muss er sich von seinem Amt als Oberbürgermeister verabschieden.

Nach zwei Jahrzehnten muss Münchens Oberbürgermeister Christian Ude sein Amt aufgeben. Ein Gesetz will es so. Leicht fällt ihm der Abschied nicht, das bekommen auch seine Parteifreunde zu spüren. Dabei könnte er eigentlich ganz gelassen sein.

Von Peter Fahrenholz

Kaum etwas ist für Politiker, die an jahrelange Wahlerfolge gewöhnt sind, so schwer, wie Abschied zu nehmen. Es ist ein bisschen wie beim Skispringen: Man kann den Absprung verpassen, der Wind weht plötzlich aus der falschen Richtung, die Landung geht daneben und versaut einem die Gesamtwertung.

Auch Politiker können den Absprung verpassen und werden dann abgewählt, obwohl sie gerne noch geblieben wären. So wie Helmut Kohl. Oder sie werden von den eigenen Leuten gestürzt. So wie Edmund Stoiber. Oder sie werden noch im Amt zur tragischen Figur, deren Abschied jeder herbeisehnt, vor allem die eigene Partei. So wie bei Klaus Wowereit.

Christian Ude ist das alles nicht passiert. Er hat schon lange vorher gewusst, wann er gehen muss. Das Gesetz über die Altersgrenze für kommunale Mandatsträger, so unsinnig es auch sein mag, will es so.

Aber vielleicht ist genau das Udes Problem: Von der Gewissheit gepeinigt zu werden, gehen zu müssen, lange bevor man so weit ist, auch gehen zu wollen. Wie bei einer Sprungschanze mit sehr, sehr langem Anlauf. Ein perfekter Absprung fällt dann schwer.

Knapp vier Wochen vor der Kommunalwahl sitzt Christian Ude, der München fast 21 Jahre als Oberbürgermeister regiert hat, in seinem Amtszimmer und sagt einen bemerkenswerten Satz über diesen elend langen Anlauf zum Abschied. Seit dem Jahreswechsel verspüre er ein Gefühl der Erleichterung, wenn er an das Ende seiner Amtszeit denke. Seit dem Jahreswechsel. Und vorher?

Hinter Ude liegen harte Monate. Er hätte seinen Abschied mit der Spitzenkandidatur für den Landtag ja gerne hinausgeschoben. Im Idealfall wäre er Ministerpräsident geworden, für den gibt es keine Altersgrenze. Im zweitbesten Fall hätte er die SPD als Juniorpartner in eine große Koalition geführt, und wer weiß, vielleicht wäre er bei einer solchen Regierung mit dabei gewesen.

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Wenn wenigstens der rote Balken am Wahlabend kräftig nach oben gezeigt und die SPD einen üppigen Zuwachs hätte verbuchen können. Das wäre der drittbeste Fall gewesen. Ude musste mit dem viertbesten Szenario vorlieb nehmen: Dass die SPD in München nicht abgestürzt ist. Dass dieses Ziel erreicht worden ist, rechnet Ude bei jeder Gelegenheit penibel vor.

6,8 Prozentpunkte habe die SPD in München zulegen können. Auch beim Dreikönigstreffen der SPD im Januar hat Ude diese Zahl vorgetragen. Die Zuhörer haben geklatscht, wie es sich gehört, aber ohne Enthusiasmus. Rechenkunststücke machen aus einer Niederlage keinen Sieg, auch keinen gefühlten.