Münchner Innenstadt Flüchtlinge treten in Hungerstreik

  • Eine Gruppe von Flüchtlingen ist in München in einen Hungerstreik getreten.
  • Sie protestieren gegen die Bedingungen, unter denen sie in Gemeinschaftsunterkünften leben müssen.
Von Bernd Kastner

Eine Gruppe von knapp 30 Flüchtlingen ist in der Münchner Innenstadt am Samstagnachmittag in einen Hungerstreik getreten. Die Polizei hat den Protest unter freiem Himmel auf dem Sendlinger-Tor-Platz mit gewissen Auflagen genehmigt. Die Flüchtlinge fordern ein Bleiberecht und protestieren gegen die Lebensbedingungen in Deutschland, vor allem gegen die Pflicht, über lange Zeit in Gemeinschaftsunterkünften zu leben.

"Lager sind Gefängnisse für uns", heißt es in einer Erklärung der Gruppe. "Wir sind Menschen, die Hunderte von Talenten mitbringen. Wir wollen hier leben." Zurück in ihre Heimat könnten sie nicht, da ihnen dort Krieg, Gewalt oder Verfolgung drohe. "Flüchtlinge zu sein, war und ist nicht unsere Wahl."

Flüchtlinge dürfen Schlafsäcke benutzen, aber keine Zelte

Die Asylbewerber sind aus verschiedenen afrikanischen und asiatischen Ländern geflohen. Derzeit leben sie nach eigenen Angaben in unterschiedlichen Heimen meist in Bayern, mehrere von ihnen in der Münchner Bayernkaserne, einer der Sprecher kommt aus Nordrhein-Westfalen. Mindestens einer aus der Gruppe nahm auch im vergangenen Jahr am Hunger- und Durststreik auf dem Rindermarkt teil. Bereits in den vergangenen Wochen hatte die Gruppe am Sendlinger Tor und zuletzt am Stachus für eine menschenfreundlichere Asylpolitik protestiert.

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Die Polizei genehmigte den Protest als Spontanversammlung, eine Räumung ist vorerst nicht zu erwarten. Die Flüchtlinge dürfen Schlafsäcke benutzen und ein nach mindestens zwei Seiten offenes Pavillonzelt; verboten aber sind ihnen normale Zelte, Campingartikel sowie Paletten als Schlaf- und Sitzunterlage. Dies sind die Standardauflagen der Stadt seit dem Hungerstreik am Rindermarkt. Dort wurde das Zeltlager damals nach einer Woche von der Polizei aufgelöst, als akute Lebensgefahr für die Flüchtlinge bestand.