Der Missbrauchsbericht des Münchner Erzbistums handelt von einem System, das es auch in anderen Ordinariaten gegeben haben muss. Umso bedrückender ist es, dass der Bericht auf absehbare Zeit wohl der einzige bleiben wird.
Zwölf Tage. Ein Wimpernschlag der Kirchengeschichte ist's von jenem Wochenende, an dem Papst Benedikt XVI. den Münchner Erzbischof Reinhard Marx mit Prunk und Pomp im Petersdom zum Kardinal erhob, zu jenem Freitag, an dem der Erhobene schwarzgekleidet neben Marion Westpfahl saß, der Rechtsanwältin und ehemaligen Richterin. Ein halbes Jahr lang hatte ihre Kanzlei insgesamt 13.200 Personalakten aus 64 Jahren nach Hinweisen auf sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche durchsucht.
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Am vergangenen Freitag hat der Erzbischof von Muenchen und Freising, Kardinal Reinhard Marx, den Bericht über Missbrauchsfälle im Bistum vorgestellt. (© dapd)
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Was sie berichtete war furchtbar: Systematisch hatten die Verantwortlichen im Ordinariat sexuelle Gewalt vertuscht und verharmlost, die Opfer im Stich gelassen. Ihr Bericht ist genauso ein Ereignis der Kirchengeschichte wie die Kardinalserhebung in Rom bei Orgelklang und Weihrauchdampf. Es ist ein Dienst an der Wahrheit, der bitteren Wahrheit.
Dieser Dienst an der Wahrheit erfordert Mut, denn das 250 Seiten umfassende Gutachten öffnet - nach allem, was aus der Zusammenfassung herauszulesen ist - den Blick in Abgründe. Ihm zufolge hat es in der Kirchenverwaltung nicht hier einen Fehler und dort eine Nachlässigkeit im Umgang mit sexueller Gewalt gegeben. Es sind Akten vernichtet oder ausgelagert worden, Taten wurden geschönt, homosexuelle Mitarbeiter offenbar erpresst, um Aufklärung zu verhindern. So etwas geschieht nicht, weil einer mit bestem Wissen und Gewissen das Falsche tut. Wer Akten vernichtet, hat ein Unrechtsbewusstsein. Der will, dass nicht so genau hingesehen wird.
Ein Bund der Brüder, von dem jeder irgendwann den anderen in der Hand hat, weil jeder irgendwas vom Anderen weiß, in dem das Schweigen und Wegsehen über die Offenheit siegt, die Andeutung über die Klarheit, der Schutz der Institution wichtiger ist als die Hilfe für die Opfer - das ist das Bild, das der Westpfahl-Bericht vom Erzbischöflichen Ordinariat München zeichnet, egal, ob die Kardinäle dort Wendel oder Döpfner, Ratzinger oder Wetter hießen.
Schmerzhafte Wahrheitssuche
Es war ein System, das seine eigene Sogkraft entwickelte, dem sich die Verwaltungschefs und Personalverantwortlichen nur mit einiger Anstrengung hätten entziehen können, und es gehört zur Tragik dieser Geschichte, dass viele von ihnen vieles in ihrer Arbeit gut gemacht haben. Aber weil die Institution unversehrt und die Priester heilig bleiben mussten, wurden die Opfer zu Feinden der Kirche, setzten sich Lüge und Vertuschung fest und zeugten neue Lüge und Vertuschung. Das ist der katholische Geschmack des Missbrauchsskandals, von dem Klaus Mertes spricht, der Rektor des Canisius-Kollegs in Berlin, der vor einem Jahr mit der Gewaltgeschichte seiner Schule an die Öffentlichkeit ging und die Lawine auslöste.
Der Münchner Missbrauchsbericht handelt also in seiner Substanz nicht von bösen Menschen oder einem verlotterten Ordinariat; er berichtet von einem System - das ist sein Dienst an der Wahrheit. Er erzählt von einem System, das es auch in anderen Ordinariaten so gab, gegeben haben muss. Umso bedrückender ist es, dass der Bericht aus München-Freising offenbar auf absehbare Zeit der einzige bleiben wird; es müsste sich eigentlich jedes Bistum in Deutschland der gleichen schmerzhaften Wahrheitssuche unterziehen, die gleichen Konflikte aushalten mit jenen, die hinter allzu viel Offenheit die Nestbeschmutzung vermuten.
Kardinal Marx hat es vergleichsweise leicht - er ist neu in München, er kann den unbeteiligten Aufklärer geben. Aber auch für die anderen Bischöfe gilt: Nur die Wahrheit wird die katholische Kirche wieder frei machen, frei von der beklemmenden Vertuschung, die wiederum neue beklemmende Vertuschung zeugt.
- Untersuchungsbericht Kirche vertuschte Missbrauch systematisch 14.03.2011
- Kirche und Missbrauch "Ein Fall von weniger Gewicht" 04.11.2010
- Reinhard Marx wird Kardinal Machtmensch mit Mission 14.03.2011
- Freising Schneidern im Namen Gottes 14.03.2011
- Priesterweihe in Freising Das Zölibat - eine "positive Herausforderung" 14.03.2011
- Missbrauchsskandal Abt des Klosters Ettal tritt zurück 24.02.2010
(SZ vom 07.12.2010/tob)
Studie zur Beliebtheit der Deutschen
Wiesn-Nachrichten
Mit ist ein Fall aus München bekannt. Darin verklagen die Eltern die kat. Kirche, Träger eines Internats, um Rückzahlung der Internatskosten die sie für Kind bezahlt haben.
Obwohl dies nicht einmal ein echter Schadensersatz ist verweigert die Kirche jedwede Zahlung mit Verweis auf die Verjährung.
Mit ordentlichen Entschädigungen der Opfer hätte die kath. Kirche es jetzt in der Hand, zu mindestens eine 2 Schande zu vermeiden.
Zwar wenn sein muss mit dem eigenen Leben. Als Zeichen dafür ist die Kute der Kardinale rot. Das heißt Verteidigung um jeden Preis, auch dann wenn dabei wissentlich das Unrecht verteidigt wird.
- Ist es die Pflicht eines Kardinals zurecht erhobene Schadensersatzansprüche der Opfer zurück zu weisen?
- Wieso erhielten Amerikanische Missbrauchsopfer von der katholischen Kirche Milliarden an Entschädigungszahlungen und Deutsche Ofer bisher nichts?
- Sind Deutsche Missbrauchsopfer weniger wert als Amerikanische Opfer?
- Waren die Sexualdelikte von katholischen Pfarren in Amerika brutaler als in Deutschland?
- Geht es der katholischen Kirche vorrangig um Geld? Den Besitzstand zu wahren koste es was koste?
Sexuelle Gewalt gegen Kinder wird nicht durch eine sogenannte schmerzhafte Wahrheitssuche oder Busse und der Bitte um Vergebung getilgt.
Zur Busse gehört unabdingbar eine saftige Entschädigung.
Damit die Bitten der katholischen Kirche um Vergebung nicht zur Maskerade verkommen, muss die Kirche beispiellose hohe Schadenersatzzahlungen an die sexuell missbrauchten Opfer zahlen.
Von 136.000 Mißbrauchsfällen, fallen ca. 56.000 in Ratzis Amtszeit. Das pro "Arbeitstag" ca. 11 Vertuschungen. Beni hatte also wirklich Streß! Leute seht das doch bitte mal auch von der Arbeitnehmerseite, dieses Pensum und ohne Psycharter oder Gruppentherapie nur den Rudi Koletzko.
Die SZ ist ja superkritisch...
heise.de/tp/r4/artikel/33/33782/1.html
Zur Beruhigung der Kirchenmitglieder nach dem Motto, schaut her wir sind geläutert. Pustekuchen: es kamen nur Akten ans Tageslicht die genehm waren, von verstorbenen Mit"brüdern" etc.. Dienst an der Wahrheit? Dienst gegen noch mehr Austritte.
Alle Unterlagen über Ratzinger, der in dieser Zeit verantwortlich war, wurden hingegen fein säuberlich vernichtet oder nach Rom geschafft. Außer einem "zufällig" gefundenem Brief der natürlich gegen Mißbrauch ist (wobei , von einer Anzeige steht da auch nichts, nur von der Bestätigung der Versetzung)
Oder glaubt wirklich jemand der Chef hätte sonst von nichts gewusst? Aber einem Papst darf man natürlich nicht in seine extraordinäre (sic!) Heiligkeit reinpfuschen.
Wie sagte Dieter Hüsch so schön: es geht das Gerücht um, Gott sei aus der Kirche ausgetreten.
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