München Seltene Ansichten

Unter dem Motto "Architektouren 2017" öffnen sich am Wochenende eigentlich verschlossene Türen

Von Andrea Schlaier

Der eine oder andere traut sich auch dann noch nicht, wenn er regelrecht aufgefordert wird: Sei ein Voyeur, schau dich um im fremden Haus, inspiziere jeden Winkel, studiere genau, wo dieses sagenhaft schwebende Geländer überhaupt Halt findet. Am kommenden Samstag, 24. Juni, und Sonntag, 25. Juni, lädt die Bayerische Architektenkammer unter dem Motto "Architektouren 2017" landesweit wieder zu ausgewählten Objekten der Baukunst. Privatleute und Institutionen öffnen ihre Türen, 36 Adressen gibt es in München.

So weit gefasst wie die unterschiedlichen Immobilien, die besichtigt werden können, ist auch das Motto: "Architektur schafft Lebensqualität". Wie immer aber gilt, sagt die Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer, Christine Degenhart, dass sich bei der Gelegenheit auch die einmalige Gelegenheit bietet, an jeder der Stationen mit Bauherren, Nutzern und Architekten ins Gespräch zu kommen.

Das private Wohnhaus stellt auf der Münchner Besichtigungsroute in diesem Sommer gleichwohl eine Ausnahme dar: In der Au, Claude-Lorrain-Straße 5, haben Gerstmeir Inic Architekten solch ein Domizil in ein bestehendes Hof-Ensemble gestellt und locken Besucher durch viele große, flatternde Fenster-Flügel am Samstag von 11 bis 12 Uhr und von 13 bis 14 Uhr regelrecht an. Mehr als eine Nummer größer ist das erste städtische Projekt "Wohnen für Alle", für das am Dantebad in Rekordzeit ein Parkplatz mit 100 Appartements von Florian Nagler Architekten überbaut wurde. Begrüßt werden die Gäste an der Postillonstraße 18 - 20 am Samstag von 10 bis 11 Uhr und von 11.30 bis 12.30 Uhr. Voraussetzung ist die rechtzeitige Anmeldung an architektouren.dantebad@gewofag.de. Der Treffpunkt ist am Vorplatz Dantebad.

Ebenfalls viel privaten Raum in einem bezahlbaren und nachhaltig orientierten Projekt gibt es in der genossenschaftlichen Wohnanlage "Wagnis-Art", die von der Arge Bogevischs Buero Architekten & Stadtplaner GmbH und Schindler Hable Architekten GbR geplant und im Herbst 2016 mit dem Deutschen Städtebaupreis ausgezeichnet worden ist. Bauherrin der 130 Appartements an der Fritz-Winter-Straße 6 - 20, die gemeinsam mit den zukünftigen Bewohnern entwickelt wurden, ist die Wohnbaugenossenschaft Wagnis eG. Am Sonntag um 14 und 16 Uhr ist der Treffpunkt jeweils vor dem Café.

Und dann gibt es in diesem Jahr noch einige Perlen, die in kein Schema passen und mit Hingabe, zuweilen gar mit Liebe, wieder ins Leben zurückgeholt wurden. Vorneweg das gute, alte Maxim-Kino an der Landshuter Allee 33. Vier Lichtspiel-Enthusiasten haben gemeinsam mit GuteKunst-Architekten und den Innenarchitekten der Meierei den Charme im denkmalgeschützten Haus wieder freigelegt, etwa die Ziegel aus den zugemauerten Rundbögen geschlagen und durch Glas ersetzt - zu besichtigen am Samstag von 11 bis 12.30 Uhr. Überaus charmant haben Heilmaier Architekten auch den 100 Jahre alten "Kiosk 1917" an der Tierparkstraße 2 in strengem Retro-Style aufgebürstet; über Gäste dort freut man sich am Sonntag um 10.30 Uhr.

Das einladende Haus an der Claude-Lorrain-Straße freut sich über Gäste.

(Foto: Bayerische Architektenkammer)

Ein Hingucker, der sich wie ein Fernrohr aus der Landschaft schiebt, ist ohne Zweifel auch die Wasserrettungsstation am Lerchenauer See, die Kunze Seeholzer Architekten und Fischer Heumann Landschaftsarchitekten ins Gelände gestellt haben. In dem mit Lärchenholz verkleideten Körper ließe es sich mit Aussicht aufs Wasser auch privat gedeihlich leben. Wer es an der Lasallestraße 72 ausprobieren möchte: Samstag, 10 bis 12 Uhr.

Wer Mut hat und sich in die Höhle der Löwen traut, kann die neue Sicherheitszentrale am Grünwalder Stadion anschauen, die Holzfurtner und Bahner Architekten geplant haben. Neugierige sind am Samstag von 9 bis 11 Uhr willkommen.

Alle Stationen der Architektouren am Samstag, 24. Juni, und Sonntag, 25. Juni, im Internet unter der Adresse www.byak.de.