Maximilians Krampfhaft durchdacht

In der Vitrine steht die teuerste Wodka-Flasche der Stadt, das Bier ist dagegen überraschend günstig: Das Maximilians will es jedem Gast recht machen. Herausgekommen ist der wohl einfallsloseste Club der Stadt.

Von Philipp Crone

Was passieren kann, wenn einer alles richtig machen will, zeigt sich im neuen Club Maximilians, der vor einer Woche in der Maximilianstraße 11 eröffnet hat. Betreiber sind Simon Reiter und Maximilian Fahrendorf, ein 30-jähriger Hotelkaufmann aus Hamburg. Sie haben im Untergeschoss an der Nobelmeile einen Club eingerichtet, in dem man sieht, wie Auswärtige auf die Stadt blicken.

Herausgekommen dabei ist der in der jüngeren Feiergeschichte mit Abstand einfallsloseste Club der Stadt.

Dabei wirkt durchaus vieles durchdacht. Der längliche Raum ist mit allerlei Besonderheiten verziert, wie das heute üblich ist. Die Betreiber haben abstrakte Kunst an die Wände gehängt, es gibt eine Laserlichtanlage und LED-Flächen, dazu Discokugeln. Also alles, was man sich von einer Diskothek so wünscht. Alles, was man erwartet.

In einer Vitrine steht die teuerste Wodkaflasche der Stadt, sie kostet eine Million Euro, ist mit 54 Diamanten, Blattgold und Tausenden Swarovski-Kristallen verziert. Außerdem trinkt der Gast hier keinen normalen Champagner, sondern Palm d'Or in einer eigenen Palm d'or-Bar, der einzigen in Europa, wie Fahrendorf versichert. So versteht der Hamburger die Stadt und deren Bewohner: Ein Münchner will in dessen Vorstellung Dekadenz und Konstanz, sündteuren Wodka zum einen und konservative, zeitlos discospießige Einrichtung zum anderen. Nur keine Experimente.

"Wir sind ein Wohnzimmer für alle", sagt Fahrendorf, ohne Eintritt und das Bier für 3,50 Euro. Stimmt, es ist nicht alles unerschwinglich teuer, hier gibt es für jeden etwas, für den, der mit maßlos teuren Getränken Eindruck machen will, und für den, der einfach nur Bier, Bar und Musik braucht.

Das Problem ist nur, wenn einer ein Wohnzimmer für alle baut, dann kommt am Ende der kleinste gemeinsame Nenner heraus. Sitznischen, Schwarz-Weiß-Look - alles schon tausendfach gesehen. Dazu die Durchschnittsdrinks schlechthin, wie Hugo, Sprizz und sogar den uralten Erdbeerlimes. Aber klar, die Elterngeneration ist ja auch ins Wohnzimmer geladen.

Und die Musik? Klingt so, als könnten sich Vater und Tochter nicht einigen. "Funkytown", als unanfechtbare House-Version, der Earth-Wind & Fire-Klassiker "September", als unanfechtbare House-Version, Adeles "Set Fire To The Rain", als unanfechtbare House-Version.

Dieser Club wirkt so krampfhaft durchdacht, so gewollt perfekt, so langweilig glatt, dass es schwer sein wird, sich hier wohlzufühlen. Wer feiert gerne an einem so beliebigen Ort?

Am ersten Abend wackeln ein paar Premierengäste über die Tanzfläche, die aufgehübschte 60-Jährige oder ein im blaukarierten Hemd zappelnder Jungschnösel, der im Rhythmus der Musik seinen rechten Zeigefinger schlackern lässt, ganz so, wie er es bei der ersten Unterstufenparty gelernt hat. Sogar der Tanz scheint hier genormt zu sein.

Zuletzt haben hier im Untergeschoss in kurzen Abständen Clubs eröffnet, aber keiner hat sehr lange durchgehalten.

Maximilians, Maximilianstraße 11, www.club-maximilians.de, Öffnungszeiten: Mi., Fr., Sa., um 22 Uhr, Donnerstag 18 Uhr (Afterwork)