Nach Orkan "Niklas" Aufräumarbeiten dauern Monate

Zwischen Oberhaching und Sauerlach hat Niklas besonders schwer gewütet.

(Foto: Angelika Bardehle)

Die Wälder im Münchner Südosten sind besonders schwer verwüstet worden. Erst im Oktober werden voraussichtlich alle Schäden beseitigt sein. Spaziergänger müssen immer noch vorsichtig sein.

Von Konstantin Kaip und Barbara Mooser, Landkreis

Eine Woche, nachdem das Sturmtief Niklas über den Landkreis fegte, ziehen die Förster und Waldbesitzer eine traurige Bilanz. "Bayernweit gesehen sind wir das Schadenszentrum", sagt Wilhelm Seerieder, Leiter des Forstbetriebs München der bayerischen Staatsforsten, zu dem auch der Forstenrieder Park gehört. Etwa 20 000 Festmeter Holz hat der Sturm laut Seerieder dort umgeknickt, in seinem gesamten Zuständigkeitsbereich seien es 100 000. Am Schlimmsten betroffen waren nach Aussage des Forstbetriebsleiters die nördlichen Bereiche der Wälder in der Schotterebene, wo der Boden immer flacher wird. Nur 40 bis 50 Zentimeter tief können die Wurzeln beispielsweise im nördlichen Forstenrieder Park wachsen.

Nun, wo der Schaden ermessen ist, beginnen die Aufräumarbeiten. Bis Oktober, schätzt Seerieder, werde man damit beschäftigt sein, die Sturmschäden zu beseitigen. Im Forstenrieder Park werden dafür immer wieder Bereiche gesperrt, Seerieder rät den Spaziergängern dort, derzeit die Wege keinesfalls zu verlassen. Auch für die Waldarbeiter ist die Holzernte gefährlich: Weil die vom Sturm abgeknickten Bäume unter Spannung stehen, müssen die Förster spezielle Maschinen einsetzen.

"Unsere ganzen Planungen wurden über den Haufen geworfen", sagt Seerieder. Doch er atmet auch ein wenig auf. Denn anders als bei den Orkanschäden in den Neunzigerjahren gebe es diesmal keine großflächigen Schäden, sagt der Forstbetriebsleiter - sondern nur sogenannte Einzel- oder Nesterwürfe von zwei bis drei benachbarten Stämmen. Und auch den Holzpreis dürfte Niklas nach Ansicht Seerieders kaum beeinflussen: Denn der Schaden liege unter dem nachhaltigen Jahreseinschlag von 166 700 Kubikmetern, der für seinen Forstbetrieb in langfristigen Verträgen mit Sägewerken und Holzhändlern festgehalten ist. "Alles, was unter dem regulären Hiebsatz liegt, ist ohnehin schon vermarktet", sagt Seerieder. Auch wenn, wie er einräumt, das Holz aus Windwurf zum Teil qualitativ minderwertig sei. Statt Sägeholz gebe es dann eben Material für Spanplatten. Anders war das bei dem Sturm Kyrill im Jahr 2007, der laut Seerieder im Bereich des Forstbetriebs München mit 190 000 Kubikmetern Wurfholz fast den doppelten Schaden angerichtet hat.

Die Mitglieder der Waldbesitzervereinigung Ebersberg/München Ost wollen die Bewältigung der Schäden gemeinsam angehen, wie Geschäftsführer Michael Kammermeier erläutert. Die größten Schäden gab es laut Kammermeier im Münchner Osten und in einem Streifen zwischen Poing und Aying. Derzeit werden die Schadensmeldungen zusammengefasst, damit die Maschinen so gezielt wie möglich eingesetzt werden können. Auch Lagerplätze will die Waldbesitzervereinigung suchen und zur Verfügung stellen. Dort können die Stämme gesammelt und dann gemeinsam abtransportiert werden. Kammermeier warnt unerfahrene Waldbesitzer davor, in schwierigen Fällen selbst tätig zu werden. Immer noch könnten viele Bäume umkippen oder Äste herabfallen. Auch Spaziergänger sollten aus diesem Grund in den nächsten Wochen noch vorsichtig sein und die Augen offen halten.

Erschrocken über die Sturmschäden ist man auch in zahlreichen südlichen Landkreisgemeinden, etwa in Pullach. Dort musste die Feuerwehr am vergangenen Dienstag mehr als 40 Mal ausrücken. Am Tag darauf hatte sich die Zweite Bürgermeisterin Cornelia Zechmeister (WIP) zusammen mit der stellvertretenden Bauhof-Leiterin Sylvia Schwaab ein Bild von den Schäden gemacht. "Ich war erschrocken, dass so viele große und starke Bäume wie Streichhözer geknickt auf dem Boden lagen", berichtet Zechmeister. "In einigen Fällen landeten Bäume auf Autos, einer auf einem Haus und viele auf Zäunen." Besonders schlimm habe es den Wald hinter dem Gymnasium getroffen. Im Forstenrieder Park hatten umgestürzte Bäume nur knapp das Brunnenhäuschen für die Pullacher Trinkwasserversorgung verfehlt. Wegen der Gefahren umstürzender Bäume musste der Awo-Kindergarten evakuiert werden, auch der örtliche Friedhof war zwei Tage lang gesperrt, berichtet Zechmeister. Das Angebot der Gemeinde, die Annahmestelle für Gartenabfälle zwei Tage länger zu öffnen, sei von den Bürgern dankbar angenommen worden. An alle betroffenen Grundstückseigentümer appelliert zechmeister, herabhängende Äste zu entfernen und abgebrochene Bäume fällen zu lassen, da diese sonst vom Borkenkäfer befallen werden könnten.