München:Zentrum für die Zukunft

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Die Freie Waldorfschule München Südwest baut massiv aus

Von Jürgen Wolfram, München

Enzio Ziegler weiß viel zu erzählen. Zwar wird der Forstenrieder Mehrgenerationenplatz erst in sechs, sieben Jahren vollendet sein. Doch die Freie Waldorfschule München Südwest hat schon jetzt eine ganze Menge vorzuweisen. Seit der Gründung im Jahr 2010 sind an der Ecke Züricher Straße/Drygalski-Allee ein Kinderhaus mit 75 Betreuungsplätzen, eine Waldorfschule mit 270 Schülern in acht Klassen sowie in Kooperation mit der Genossenschaft für selbstverwaltetes, soziales und nachhaltiges Wohnen (Wogeno) eine Anlage mit 74 Wohneinheiten entstanden. Alles architektonisch anspruchsvoll, umgebungsuntypisch farbenfroh, viel Holz, begrünte Dächer.

Ziegler, Vorstandsmitglied der Freien Waldorfschule und Lehrer für Eurythmie, wirft auch einen Blick in die Zukunft. Im nächsten Bauabschnitt soll neben weiteren Klassenzimmern eine Turnhalle errichtet werden, die zugleich als Versammlungsstätte und Veranstaltungshaus dient. Spatenstich ist im November, Fertigstellung voraussichtlich im Herbst 2017. Anschließend folgen die Schaffung einer sport- und spielgerechten Grünanlage entlang der Drygalski-Allee plus neue Verwaltungsräume sowie der Neubau eines Mittel- und Oberstufengebäudes dort, wo sich jetzt noch ein unbefestigter Parkplatz erstreckt. In dem Schulhaus soll ein flexibles Raumkonzept umgesetzt werden, das ans Münchner Lernhausmodell anknüpft. Damit nicht genug: Am Ende eines weiteren Kraftakts soll ein neuer Musik- und Theatersaal mit professioneller Bühne und mehr als 400 Besucherplätzen stehen. Unterm Strich wird die Waldorfschule 19 Millionen Euro aufwenden. Nach Sponsoren hält man bereits Ausschau.

Ziegler, ganz Waldorf-Enthusiast, spricht von einer "Schule für die Zukunft", von einem Zentrum, das länger als ein halbes Jahrhundert Bestand haben und Ideen abstrahlen werde, deren Kernbotschaft ein mustergültiges soziales und ökologisches Miteinander sei. Hinweise darauf stechen schon jetzt ins Auge, etwa der großzügige Schulgarten. Zwischen Sonnenblumen und Salaten lässt sich die naturnah-praktische Seite der Waldorf-Pädagogik studieren. "Bei uns pflügen die Kinder selbst, säen und backen Brot", schildert Ziegler. Mit ihrem Vorzeigegarten beteiligt die Schule sich gegenwärtig an einem bundesweiten Wettbewerb. "Sollten wir gewinnen, stecken wir das Geld in die Bienenhaltung."

Vom "Krähennest" auf dem Dach der Wohnanlage, einem beliebten Treff, lassen sich die Komponenten des Waldorf-Zentrums besonders gut erläutern. Was man nicht auf Anhieb sieht: Betreute Behinderte, ältere Menschen, Schülereltern sowie eigene Mitarbeiter haben sich inzwischen häuslich eingerichtet, bilden einen kontaktfreudigen Bewohnermix. Zwei Zimmer sind Besuchern vorbehalten. Und die Kinder, denen man den üblichen schulischen Notendruck erspart, sind angehalten, sich gegenseitig zu sozialisieren und die Gemeinschaft mit Senioren zu suchen. "Lehrer sind bei uns eher Lernbegleiter", so Ziegler.

Um das Gelände des Mehrgenerationenplatzes soll kein Zaun gezogen werden, auch auf diese Weise soll Offenheit signalisiert werden. Schon jetzt ist die Anlage frei zugänglich; Anwohner werden gebeten, Rücksicht auf den Schulbetrieb zu nehmen. Besucher des Info-Tages - kombiniert war er mit einem Hofflohmarkt - waren ausdrücklich eingeladen, sich die weiteren Entwicklungspläne erläutern zu lassen. Dafür standen Mitarbeiter eines Landsberger Architekturbüros bereit, das im Bau von Schulen und Sozialeinrichtungen Erfahrung hat und schon die Freie Waldorfschule Landsberg, eine heilpädagogische Tagesstätte in München-Freimann sowie ein Waldorfhaus in Großhadern realisierte. Die Freie Waldorfschule München Südwest soll von dieser Expertise profitieren und doch unverwechselbar bleiben. Enzio Ziegler jedenfalls stuft den Forstenrieder Mehrgenerationenplatz als "ziemlich einmalig" ein.

© SZ vom 12.07.2016 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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