Fußball-WM ohne Italien Lokalrunde für jedes deutsche Tor

Milko Zoppi hält nun die Daumen für die deutsche Nationalmannschaft: für jedes Tor, das einer der Spieler während der Fußballweltmeisterschaft schießt, gibt es eine Lokalrunde.

(Foto: Claus Schunk)

Restaurantleiter aus Grünwald Milko Zoppi drückt nun eben seinem Gastland die Daumen.

Von Claudia Wessel, Grünwald

"Ein Albtraum!", ruft Milko Zoppi, Restaurantleiter im Grünwalder "Positano" aus. "Alle Italiener sind sehr schockiert, traurig und deprimiert." An diesem Donnerstag beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft und Italien ist nicht dabei, etwas, das Zoppi noch nie erlebt hat. Denn er ist 58 Jahre alt und die WM findet 2018 erstmals seit 60 Jahren ohne Italien statt. Das Spiel gegen Schweden, in dem die Squadra Azzura rausgekickt wurde aus dem Turnier, konnte der Gastwirt nicht sehen. Er hatte wie fast immer abends im Restaurant zu arbeiten, zu der Zeit noch in Augsburg. Dennoch wusste er sehr bald Bescheid, denn die Whatsapp-Nachrichten trafen umgehend ein.

"Ich bekam Fotos von Mannschaften in ihren Trikots, die Italiener dagegen in Badehosen", erzählt er. Dabei musste Zoppi schon bei der vergangenen Weltmeisterschaft, als Italien sehr früh ausschied, gemeine Scherze über sich ergehen lassen. "Da kamen etwa Witze wie: Mannschaftsbus zu verkaufen, nur wenige Kilometer gefahren." Die Konsequenzen, die man in der italienischen Mannschaft gezogen hat, findet Zoppi notwendig. Dass etwa Mannschaftskapitän Gianluigi Buffon, 38, sofort seinen Abschied nahm. "Der ist nicht mehr jung, da muss man Platz machen."

Jogi Löw mache das vorbildlich. "Der nimmt viele Junge rein, die haben junge Beine und rennen viel." 34 oder 35 Jahre, das sei für einen Fußballer die Schallgrenze, dann müsse er aufhören, in der Nationalmannschaft zu spielen. Doch genug gejammert, findet Zoppi. "Wir müssen einen neuen Anfang machen und positiv denken." Der neue Trainer Roberto Mancini sei da genau der richtige.

"Nicht wie sonst."

Diese WM allerdings ist für Zoppi "leider nicht mehr so wichtig". "Interessant, ja, aber nicht so wie sonst." Um trotzdem mitfiebern zu können, hat sich das Team vom Ristorante Positano entschlossen, für Deutschland die Daumen zu drücken. "Das ist unser Gastland", sagt der Chef. Er hat eigens einen großen Fernseher fürs Lokal angeschafft und einen Abo-Sender bestellt. Der Bildschirm steht Richtung grüne Wiese und bei schönem Wetter kann man ihn auch raus stellen. Die Sonnenterrasse des Lokal bleibt dagegen fußballfrei, damit sich dort Nicht-Fußballfans ungestört fühlen können.

Eine Besonderheit werde aber allen serviert, verspricht Zoppi: "Bei jedem Tor für Deutschland gibt es eine Lokalrunde. Und wenn die Deutschen das Finale gewinnen, Champagner!" Klammheimlich träumt Zoppi aber noch vom "Sommermärchen" der WM in Deutschland 2006 - als Italien zum vierten und bisher letzten Mal Weltmeister wurde.