Comic-Ausstellung in Garching Abenteuer mit dem Zeichenstift

"Das verfluchte Elixier" ist der erste Kindercomic von Veronika Gruhl. Zu sehen sind die Zeichnungen in der Stadtbücherei.

Von Gudrun Passarge, Garching

Mit Wummi fing alles an. Ein kleiner Junge fliegt mit seiner Wiege in ein Geisterland und muss dort eine Prinzessin retten - unter anderem, indem er die Geister rasiert.

Am liebsten zeichnet Veronika Gruhl Gesichter und Emotionen selbst erfundener Charaktere.

(Foto: Gudrun Passarge)

Diese Geschichte hat sich Veronika Gruhl ausgedacht, als sie zehn Jahre alt war. Jetzt ist mit "Das verfluchte Elixier" ihr erster Kindercomic erschienen und sie hat eine Ausstellung in der Stadtbücherei. Für sie ist diese Form der Darstellung ideal, denn ein Comic verbindet ihre Lust am Zeichnen mit der, Geschichten zu erfinden.

Veronika Gruhl, 31, ist in Garching aufgewachsen, lebt aber mittlerweile in München und arbeitet dort in der Türkenstraße in einem Kreativbüro zusammen mit anderen Freiberuflern. Die zierliche junge Frau trägt ihre Haare aktuell blond. Auf ihrer Homepage schimmern ihre Haare noch roséfarben. Sie lacht, das sei eine Phase gewesen, die etwa ein Jahr gedauert habe. Da habe sie viele Haarfarben ausprobiert. Ansonsten hat sie ihre Kreativität aber eher auf die bildende Kunst gelenkt. Sie hat Kommunikationsdesign studiert, arbeitet in der Werbung, gibt Workshops und Kurse und schreibt und zeichnet eben Bücher. Dieser Zugang zum Kreativen war ihr schon in der Kindheit geebnet worden.

Ihr neuer Comic heißt "Das verfluchte Elixier".

(Foto: Veronika Gruhl/oh)

Die Mutter hat sie inspiriert

Sie berichtet von ihren drei Geschwistern, von den Großeltern, die malten und zeichneten, von der Mutter, die sie inspiriert habe. "Ich habe die schönen Bilder gesehen und wollte das auch können." Dabei hat sich jeder in der Familie eigene Nischen gesucht. Die von Veronika Gruhl war der Comic. Wenn sie nach der Schule nach Hause kam, hat sie automatisch zum Stift gegriffen und gezeichnet. "Es hat mir am meisten Spaß gemacht, Charaktere zu erfinden." Sie besuchte Workshops und belegte Kurse bei amerikanischen Characterdesignern und kam so dem Comic immer näher. Rückblickend sagt sie heute, es sei wichtig gewesen, "nie den Glauben zu verlieren, dass es möglich ist", den Weg als selbständige Kreative zu gehen.

Anders als heute in ihrer Branche üblich, hat sie für ihren Comic ganz analog zum Stift gegriffen.

(Foto: Veronka Gruhl/oh)

Eigentlich hat es sie nicht zum Kinderbuch gezogen, trotzdem hat sie diesen Weg mittlerweile erfolgreich beschritten, eher per Zufall, wie sie sagt. 2014 hat Gruhl ihr erstes Buch im Selbstverlag herausgebracht. Es handelt von Leo, der den Glauben an sich selbst verloren hat und durch drei Wunschvögel erkennt, was ihm fehlt. Sie ist mit dem Buch oft in Schulklassen gegangen und hat dort vorgelesen, etwas, das ihr Spaß macht. "Man bekommt ein direktes Feedback", erzählt sie. Und wenn die Kinder die Hand vor den Mund schlagen, weil es gerade spannend ist, dann weiß sie, dass sie alles richtig gemacht hat beim Aufbau der Geschichte.

Die Hauptfigur in ihrem neuen Buch ist erstmals ein Mädchen. "Rikki Beck, 11 Jahre alt, Sternzeichen: Löwe, Hobby: Radfahren, Charakter: abenteuerlustig." Sie macht sich Sorgen um ihre Eltern, weil das Gemüse in dem Jahr nicht gut wächst, und um zu helfen, entwickelt ein Hobbychemiker ein besonderes Elixier.

Was die Freunde nicht wissen, es wirkt auch auf Menschen. Eh sie sich versieht muss Rikki sich anstrengen, um eine sich anbahnende Katastrophe zu verhindern. Gruhl hat ihr Buch zunächst auf Papier gezeichnet, was eigentlich nicht mehr üblich ist, wie sie sagt. Beruflich arbeitet sie selbstverständlich digital, "aber ich habe mir die Freiheit gelassen, bei privaten Projekten analog zu zeichnen". Für die Sprechblasen hat sie Buchstabe für Buchstabe einmal handschriftlich aufgezeichnet und dann digitalisiert.

Gedacht ist Rikkis Abenteuer für Kinder von sechs bis zwölf Jahren. Während "Leo und die Wunschvögel" noch eindeutig eine Moral hatte, so habe sie "Das verfluchte Elixier" nur zum Spaß geschrieben, erzählt sie. "Letztendlich hat sich aber doch wieder eine Botschaft herauskristallisiert. Das war aber eher unbeabsichtigt." Den Kindern jedenfalls, so ihr Eindruck, gefalle das Buch.

Dennoch will sie sich nicht nur auf diese Schiene festlegen. "Ich bin gerne unter Menschen", sagt Veronika Gruhl. Besonders gerne zeichne sie die Leute, ihre Gesichter, ihre Emotionen. Ja, wenn sie überlegt, was sie in Zukunft noch für Pläne hat, dann fällt ihr sofort das Event-Zeichnen ein, da würde sie gerne mehr machen. Trotzdem wird sie auch die Comics nicht vernachlässigen. Rikki und ihre Freunde werden bestimmt noch mehr Abenteuer erleben. Fortsetzung folgt.

Die Ausstellung in der Stadtbücherei Garching zeigt die Original-Zeichnungen zum Buch noch bis zum 22. Februar. "Das verfluchte Elixier" von Veronika Gruhl ist im Zwerchfell-Verlag erschienen. Auf Wunsch veranstaltet die Autorin auch Lesungen in Schulen.