Laim Wirt wirft Rechte aus Lokal

Gutes Team: Stefan Engl (Mitte) mit seinem irakischen Mitarbeiter Ismail Zangana und dem Küchenchef Jathol Kuldeep Sing aus Indien.

(Foto: Catherina Hess)
  • Stefan Engl, der Betreiber des "Laimer's", hat eine selbsternannte Bürgerinitiave vor die Tür gesetzt.
  • Die Gruppe hetzt gegen eine geplante Flüchtlingsunterkunft.
  • Um sicherzugehen, um wen es sich bei der Reservierung handelte, griffen seine Frau und er zu einem Trick.
Von Andrea Schlaier, Laim

"So jemanden können wir hier nicht brauchen", sagt "Laimers"-Wirt Stefan Engl und strahlt dabei ein bemerkenswertes Selbstverständnis aus. Zusammen mit seiner Frau und detektivischem Witz hat er Mitglieder der selbst ernannten Bürgerinitiative (BI) "Kein Asylantenheim Laim 2.0" des Lokals an der Agricolastraße verwiesen.

Die Gruppe, die bereits vor einer Woche im Laimer Bezirksausschuss gegen eine geplante Unterkunft für 700 Flüchtlinge in einem ehemaligen Autohaus an der Landsberger Straße gehetzt hatte und im Visier der städtischen Fachstelle für Demokratie ist, wollte sich am Dienstagabend hier treffen, um, wie es auf Facebook heißt, weitere Aktionen zu planen.

Die Polizei setzt Engl in Kenntnis. Der SPD-Landtagsabgeordnete Florian Ritter weist den Gastronom darauf hin, dass es sich bei der BI nicht um "verunsicherte Nachbarn handelt, sondern da stadtbekannte Rechtsextreme dahinter stecken". Engl und seine Frau durchsuchen ihr Reservierungsbuch, finden aber keinen eindeutigen Hinweis.

"Haarsträubend und eindeutig rechts"

Letztlich ruft Engl bei der Frau an, die bereits vor einer Woche im Lokal war und zwei Tische für 14 Leute reservierte. "Am Telefon sagte sie zu mir, dass sie nur nette, ältere Anwohner seien, die sich ungezwungen unterhalten wollten, schon auch über das Asylantenheim." Engl hatte davor die Facebook-Seite der BI und auch der Frau gelesen: "Haarsträubend und eindeutig rechts." Er cancelt die Bestellung. Seine Frau blockiert die gebuchten Tische mit einem anderen Reservierungsschild: "Christlicher Verein junger Männer".

Als dann abends doch ein paar Gäste die beiden Tische ansteuern und zunächst abstreiten, etwas mit der BI zu tun zu haben, wählt Engls Frau die Nummer der Dame, die vor einer Woche reserviert hatte. Am Tisch läutet ein Handy. "Wir haben gesagt, sie sollen zahlen und gehen", erzählt der Wirt. "Leute mit so einem Gedankengut wollen wir nicht bei uns haben."

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