Restaurant Vino's Italienische Wertarbeit

Gediegen und gemütlich: Das "Vino's" in Untermenzing.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die zahlreichen Stammgäste schätzen den guten Service und die große Auswahl. Das Untermenzinger "Vino's" bietet Qualität und eine gemütliche Atmosphäre. Die Gerichte sind überwiegend solide - die Dolci allerdings lassen noch Raum für Verbesserung.

Von Gertrude Fein

Das geht gar nicht! Ein Satz wie in Stein gemeißelt und derzeit überall im Einsatz. Dabei besagt er nur, dass das schon eine ganze Weile so geht. Und das gilt insbesondere für die seit Längerem grassierende Apostrophitis. Eigentlich geht es gar nicht, dass immer und überall unsinnige Apostrophe verwendet werden, und trotzdem hat sich diese Unsitte flächendeckend durchgesetzt. Beim Ristorante Vino's in Untermenzing ist der Apostroph besonders rätselhaft, weil der Inhaber Bernd Gläser heißt und nicht Vino. Dass das inflationär eingesetzte Satzzeichen in Vino's die Form einer kleinen Gabel hat, ist wenigstens witzig.

Das Lokal an der viel befahrenen Eversbuschstraße liegt etwas zurückgesetzt, so dass die große Terrasse an wärmeren Tagen ein durchaus angenehmer Aufenthaltsort ist. Warme Rot- und Brauntöne, viel dunkles Holz und angenehmes Licht schaffen im Gastraum eine gediegen gemütliche Atmosphäre. Gleich beim Eingang trifft man auf eine Art begehbaren Wein-Schrank, die Vinothek. Dort hielt sich der Andrang von Gästen allerdings in Grenzen. Die meisten orderten nach unserer Beobachtung den gut trinkbaren Hauswein, der mit 4,80 Euro für 0,2 Liter nicht gerade billig ist.

Guter Service nicht nur für Stammgäste

Das Vino's hat im Lauf der Jahre viele Stammgäste gewonnen, die vom Personal fast schon familiär umsorgt werden. Für eine alte Dame, die ein paar zu dunkel gebratene Kartoffeln kritisierte, entfernte der Kellner feinsäuberlich jede einzelne davon und filetierte dann penibel den Fisch. Wer nun dachte, dieser Service komme nur alten Gästen zugute, hatte sich geirrt. Die von uns bestellte gegrillte Orata, also eine Dorade, war ein stattliches Exemplar und wurde auf einem Extrateller aufgetragen, am Tisch filetiert und auf dem dazugehörenden Wintergemüse angerichtet (14,90). Wintergemüse war auch die Unterlage für eine Scheibe feinen Fisch, einen gegrillten Kalmar und eine große Garnele auf dem Fischteller, der mit einer nicht zu kleinen Portion Vitello tonnato das freitägliche Mittagsmenü Nummer II bildete - jeden Cent der 9,40 Euro wert. Auch das Menü Nummer I, Vitello tonnato und Paccheri (also Maccheroni in Übergröße) mit Kalbfleischklößchen in Tomatensauce, war nicht zu verachten (7,90).

Bei Pasta als Vorspeise empfiehlt es sich, nach einer halben Portion zu fragen. Die Pappardelle mit ausgezeichnetem Kaninchenragout und Austernpilzen waren selbst für zwei Personen fast zu viel (11). Nichts zu mäkeln gab es an den mit Lachs gefüllten und von geschmolzenen kleinen Tomaten begleiteten Panzerotti (11,90), einer Portion, die im Vergleich zu den Kaninchenragout-Pappardelle fast mickrig ausgefallen war. Die wohlschmeckenden Antipasti wiederum - frisch gegrilltes Gemüse, Vitello tonnato, Torta verde und einiges mehr - hätten auch für zwei gereicht (12,90). Eher nicht zu reichlich fiel hingegen die Portion des sogenannten Meeresfrüchtesalates aus (8,90). Sogenannt deswegen, weil er nur aus Oktopusscheiben bestand, die allerdings sehr gut schmeckten. Das Rindercarpaccio mit Parmesan und Rucola wird ohne Marinade serviert (9,80), so dass der Gast selbst schuld ist, wenn er sich beim Würzen vertut. Öl und Essig auf dem Tisch waren von guter Qualität.

Gute Qualität mit leichten Schönheitsfehlern

Die Pizza-Karte enthält die üblichen Varianten von Margherita über Mare zu Quattro Formaggi, alle auch zum Abholen. Die Pizza giorno auf der Tageskarte sollte mit Lachs, Mozzarella und grünem Spargel wohl etwas Besonderes sein. Sie war ordentlich, aber nicht berauschend und mit 12,50 Euro zu teuer. Grüner Spargel bildete auch die Füllung der Kalbsinvoltini, die von paglia e fieno, Stroh und Heu genannten, weißen und grünen Nudeln begleitet wurden (14,90). Die Rouladen waren eigentlich sehr gut, verbargen aber im Inneren einen Knorpel, der da nichts zu suchen hatte. Zu bemängeln war, dass die Gerichte hin und wieder nicht gleichzeitig serviert wurden.

Wer zum Hauptgang Fisch bestellte, konnte zufrieden sein. Ob perfekt gegrillte Riesencalamari (12,50) oder die dicke, saftige Scheibe Schwertfisch (15,50), jeweils mit ausgezeichnetem Gemüse, oder Seeteufel und Gambas mit Blattspinat, feste Stücke Fisch, zwei knackige Gambas und schön knofeliger Spinat (16,90) - alles war bestens gelungen.

Nicht ganz so gelungen die Desserts: Cassata und Cannoli, das Duetto dolce, waren zwar ganz ordentlich, aber der Teig der Cannoli schmeckte etwas altbacken (5,50). Der "Vinosteller" bot ein gutes, nicht zu süßes Stück Tiramisu, einen kleinen Tartufo und eine glibberige Panna cotta, die erklärte, warum viele Leute dieses Dessert ablehnen (7,50).