Josephsplatz Tiefgarage treibt Aktivisten auf die Bäume

Protest in zehn Metern Höhe: Die Bäume vor der Josephskirche sollen bleiben.

(Foto: Catherina Hess)

Sie campieren in fast zehn Metern Höhe: Linke Aktivisten wollen am Josephsplatz alte Bäume retten und den Bau einer Tiefgarage verhindern. Verstärkung bekommen sie ausgerechnet vom Bürgertum.

Von Bernd Kastner

Ein Sonnenschirm steckt in einem Sandhügel, daneben stehen junge Leute um einen Biertisch herum, reden, lachen, diskutieren. Fast wirkt die Szene sommerlich, wäre da nicht dieser Eimer. Aus ihm lodern Flammen, an denen man seine Hände wärmen kann. Es ist bitterkalt. Irgendjemand hat alte Christbäume gebracht, die begrünen jetzt den Sand des halb verwüsteten Spielplatzes, aus dem ein Stein-Krokodil herausschaut.

Was sich seit Montag am Josephsplatz in der Maxvorstadt abspielt, ist eine Mischung aus Protest, Happening - und Sensation. Wann gibt es in München schon mal eine Baumbesetzung? Aktivisten aus der linken Szene haben die Nacht auf Dienstag in fast zehn Metern Höhe in Baumbetten verbracht, und sie wollen bleiben. Wollen die paar alten Bäume vor der Josephskirche bewahren und den Bau der Tiefgarage unter dem Platz verhindern.

Unter die Aktivisten, von denen mehrere weit gereist sind, mischen sich immer wieder Anwohner. Sie machen sich gegenseitig Mut. Zwei Welten treffen hier aufeinander - und verbünden sich. Das Bürgertum der Maxvorstadt mit den radikal Linken. Sie kämpfen gegen eine Politik, die für das Auto fast alles tue, dabei aber Mensch und Natur vergesse. Mit "Natur" sind in diesem Fall zwar nur ein paar hohe Bäume gemeint, aber die sind in einem so dicht bebauten Viertel etwas Wertvolles.

Deshalb der Protest der Anwohner, der sich erst Ende vergangenen Jahre so richtig entzündet hat. Da haben die Anwohner eher zufällig erfahren, dass die Stadt die Bauweise geändert hat: Nicht, wie zugesagt, mit einem Betondeckel über der Grube, sondern in offener Bauweise. Das empört noch immer, obwohl die Bäume so oder so weg gemusst hätten.

"Was kann man denn noch tun?", fragt eine Passantin die jungen Leute unter den Bäumen. Sie kommt gerade vom Wochenmarkt, Lauchstängel schauen aus ihrer Tasche. "Braucht ihr Äpfel?" - "Das wär' cool." Woraufhin die Frau verspricht: "Ich bring auch nur bio." So gehe das seit Montag, berichten die Mitglieder von Robin Wood, unterstützt von ein paar "Kollegen", die sich "freie Aktivisten" nennen. Und so türmen sich auf einem Biertisch die Gaben der Nachbarn: Decken und Isomatten und viel zu essen, Kekse, Margarine, Tee und Kaffee, selbst gemachte Marmelade, Cola, Krapfen.