Immobilie des Erzbistums München Im Palazzo der Bescheidenheit

So sieht das Gästehaus des Erzbistums in Rom von außen aus.

(Foto: Luigi Mistrulli/ROPI)
  • Ein "Palazzo" in Rom, und in München fehlt das Geld: Vorab gab es viel Hohn über das Haus der Begegnung". Nun hat das Erzbistum München-Freising sein Gästehaus in Betrieb genommen.
  • 14 Millionen Euro hat die Diözese in das Projekt gesteckt. Das ist der Nettopreis, den sie nennt. Mit Steuern und Nebenkosten dürften es 16 bis 17 Millionen Euro sein.
  • Die ersten Gäste sind junge Frauen und Männer aus Osteuropa, Afrika und Lateinamerika, die mit einem Stipendium in München studieren.
  • Künftig wird es auch möglich sein, Zimmer in dem Haus zu buchen. Aufenthalte sollten aber im Zusammenhang mit dem Glauben stehen.
Von Jakob Wetzel, Rom

Was ist nicht gehöhnt worden über dieses "Haus der Begegnung". Einen Palazzo habe sich Kardinal Reinhard Marx geleistet, hieß es, eine Villa im Süden, ganz in der Nähe des Vatikanstaats, mit Blick auf den Petersdom. Obwohl doch in München Geld fehle für soziale Zwecke. Er ist noch immer zu spüren, der Verdacht, die Kirche verschwende das Geld der Gläubigen. Es ist der lange Schatten von Limburg. Und jetzt sitzen sie hier, 13 Studenten, und sollen zeigen, dass in Wahrheit alles ganz anders ist.

An diesem Donnerstag hat das neue "Haus der Begegnung" des Erzbistums München und Freising seinen Betrieb aufgenommen, die "Casa Santa Maria", besser bekannt schlicht als "das Haus in Rom". Der Kardinal ist nicht gekommen. Die ersten Gäste sind junge Frauen und Männer aus Osteuropa, Afrika, Südostasien und Lateinamerika, die mit einem Stipendium der Kirche in München studieren. Sie bleiben drei Nächte, es gehe um eine Tagung, teilt die Kirche mit.

Einer der ersten Gäste stammt aus Kamerun

Auf dem Programm steht, was sich Gäste in Rom fast immer ansehen: das Forum Romanum, die Engelsburg, der Petersdom. Aber die Studenten gehen auch zum Angelusgebet auf den Petersplatz, sie treffen Theologiestudenten der Päpstlichen Universität Gregoriana und auch einen deutschen Pater.

Gael Calvin Mekontchou ist einer der Studenten. "Ich möchte gerne kennenlernen, was Rom ausmacht", sagt er. Der 24-Jährige stammt aus Kamerun, in München ministriert er bei der Katholischen Hochschulgemeinde und studiert Elektrotechnik an der Technischen Universität. In Rom sei er nicht nur wegen der Sehenswürdigkeiten, sagt er. Er wolle ein Gefühl bekommen für die Breite des Glaubens und für die Weltkirche.

Braucht es ein eigenes Gästehaus in Rom?

Aber braucht es dafür ein eigenes Gästehaus in der Stadt? "Das Gebäude ist eine Chance", sagt Armin Wouters. Er ist im Münchner Ordinariat zuständig für das neue Haus. "Rom übt eine besondere Anziehungskraft aus. Wir haben gemerkt, dass das Interesse an Rom im Erzbistum deutlich zugenommen hat, besonders seit dem Pontifikat von Benedikt XVI." Natürlich sei niemand auf das Gästehaus angewiesen, wenn er nach Rom kommen wolle.

Aber mit dem Haus könne das Erzbistum die Menschen erreichen, ihnen ein Angebot machen. Noch im Mai soll die Internetseite freigeschaltet werden, dann können sich Interessierte anmelden, am besten größere Gruppen. Das Einzelzimmer kostet 100 Euro, das Doppelzimmer 120. Das Haus sei aber kein Hotel, sagt Wouters. Im Vordergrund soll die Auseinandersetzung mit dem Glauben stehen.