Harthof Mit echtem Vergnügen

Alle für einen, einer für alle: Die Mitglieder der Theatergruppe "Griabige Gaudi Gang" verstehen sich bestens.

(Foto: Johannes Simon)

Am Freitag feiert die "Griabige Gaudi Gang" im Pfarrsaal St. Gertrud bereits ihre 40. Premiere. Die munteren Laien-Schauspieler kennen, schätzen und vertrauen einander seit mehr als dreißig Jahren

Von Nicole Graner, Harthof

Dieser Hansi! Er piepst oder krächzt. So genau kann man das nicht definieren. Egal: Er nervt einfach. Hansi ist ein Vogel im Käfig und sorgt ordentlich dafür, dass die Nerven von Horst Hilfreich, die sowieso schon mehr als blank liegen, wahrlich nicht aufpoliert werden. Das hat einen Grund. Horst hat Helga. Und Helga schnarcht. Wie verrückt.

"Mordgedanken - oder schnarcht Ihre Frau auch?" - dass dieses Stück, es ist das 40., genau zur Theatergruppe von St. Gertrud passt, zeigt sich an zwei Dingen. Erstens: Der Titel macht klar, dass es sich um eine Komödie handelt, die alles zu bieten hat, was dazu nötig ist. Eine gehörige Portion Klamauk, ein bisschen Streit, ein bisschen Liebe und natürlich ein Happy-End.

Und zweitens: Es macht dem eigentlichen Namen der Theatergruppe alle Ehre - GGG. Was so viel bedeutet wie "Griabige Gaudi Gang". Gaudi hat die Gruppe, die es nun seit 32 Jahren gibt, auf und hinter der Bühne. Gelacht wird ständig, was keineswegs heißt, dass nicht auch sehr konzentriert gearbeitet wird. Sobald die Scheinwerfer die Bühne erleuchten, weiß jeder, wohin er gehört. Für das "griabig" im Ensemblenamen steht die Atmosphäre vor einer Probe und auch danach - eben gemütlich, gemeinschaftlich und vor allem freundschaftlich. Denn darin sind sich alle GGG-Mitglieder einig: Das Theaterspielen hat nach so langer Zeit intensive Freundschaftsbande geknüpft. Man kennt sich so gut, dass man genau weiß, wie man den anderen einzuschätzen und was man vom anderen hat.

Und wohl deshalb funktioniert bei der GGG etwas, das nicht bei allen Laien-Theatergruppen so selbstverständlich funktioniert: Ein Stück entsteht mit allen und von allen. Jeder ist Teil des Entstehungsprozesses. Es gibt nicht nur den Schauspieler, der nur auf der Bühne steht. So spielt Rainer Gardein, 51 Jahre und seit 1985 dabei, den nervenden Opa, hat aber am Bühnenbild gearbeitet und das Stück mit ausgesucht. Und wenn das Stück schon fast steht, dann erst schaut Thomas Baierle als Co-Regisseur drüber, ändert ein paar Dinge. Und weiter geht es. Demokratisch, ja, ziemlich demokratisch ist das alles - aber "schön", wie alle unisono sagen. "Und einfach super aufgeteilt", freut sich Monika Karl, 53, die die "Griabige Gaudi Gang" gegründet hat. Weil die Gruppe im Geschehen der Pfarrei "für die Jugend zu alt, für die Alten zu jung war."

Zurück zu Hansi, dem Vogel. Er piepst. Die Probe hat begonnen. Elke Berscheid, seit 1990 dabei, hat den Text vor sich, in der Hand eine Taschenlampe. Normalerweise spielt auch sie mit, diesmal ist sie Souffleuse. Im Text mit Bleistift geschriebene Regieanweisungen, rot unterstrichene Wörter sollten besonders betont werden - passiert meistens, aber nicht immer. Ach ja: in Orange markiert sind die Laute von Hansi. Das Piepsen, das Krächzen.

Viel einflüstern muss Elke Berscheid an diesem Abend nicht. Der Text flutscht. Und wenn man sich die Techniker wegdenkt, die noch hin und wieder am Boden herumkriechen, klappt alles wie am Schnürchen. Auch das Schnarchen. In allen Tönen und Facetten. Helga alias Tamara Molina, 26, bekommt das wunderbar hin, und ehrlich: Als auch noch Opa Hermann beim großen Schnauben und Gezische mitmacht, tut einem Horst wirklich ein bisschen leid. Moritz Fitzek oder Mofitz, wie der 26-Jährige von allen liebevoll gerufen wird, spielt ihn. Das tut er, der eigentlich Briefträger und, wie er sagt, Künstler ist, herrlich unverkrampft.

Angefangen hat man bei der GGG, die 18 Mitglieder hat, mit Bauernstücken. Was die Dialektstärke der Mitglieder betrifft, durchaus naheliegend. "Aber davon sind wir schnell abgekommen", erinnert sich Monika Karl. Denn Bauernstücke seien mit dem Personenaufgebot "Zwei jung, zwei alt, zwei dumm" nicht mehr so einfach zu besetzen gewesen. Mit Boulevardstücken habe man sich da viel leichter getan. Außerdem habe das Publikum die Theatergruppe ermutigt, solche Stücke zu spielen. Auch hat man jahrelang sogar alle neun Monate eine Inszenierung auf die Beine gestellt. "Das war dann irgendwann doch zu viel", erklärt Karl.

Nun hat in jedem Herbst eine neues Stück Premiere. Gespielt wird für einen guten Zweck, den man am Ende bestimmt, natürlich gemeinsam. Noch nie hat sich das Ensemble übrigens an ein selbst geschriebenes Stück gewagt. Doch das wird sich ändern. "Mofitz", der mit zwölf Jahren seine erste Rolle bei der GGG spielte, ist schon dran an einem Stück. In zwei Jahren, meint er, könnte es fertig sein.

Hansi. Hansi. Hansi. An seinem akkuraten Pfeifen hängt es noch ein bisschen. Denn das Piepsen muss die Technik exakt einspielen. Das wird schon noch, glauben alle. Und alle glauben auch daran, dass es die GGG noch lange geben wird. "Ohne Theater geht es einfach nicht. Und ohne die Freunde", sagt Rainer Gardein. Alle nicken, keiner lacht. Ausnahmsweise. Und dann wird klar, wofür der dritte Buchstabe im Namen der Gruppe steht: G für Gang, als Synonym für Freundschaft.

"Mordgedanken", Pfarrsaal St. Gertrud, Weyprechtstraße 75: Die Premiere am Freitag, 28. Oktober, ist ausverkauft. Weitere Termine: Samstag, 29. Oktober, um 19.30 Uhr (ausverkauft); Sonntag, 30. Oktober, um 17 Uhr. Donnerstag, 3. November, bis Samstag, 5. November, jeweils 19.30 Uhr; Karten unter Telefon 311 84 43 oder per E-Mail an karten@theater-ggg.de.