Platznot im Münchner Norden Gymnasien müssen tricksen, um Schüler unterzukriegen

Die Pavillonanlage am Gymnasium München Moosach bleibt länger stehen, um alle Schüler unterbringen zu können.

(Foto: Catherina Hess)
  • Statt 4981 haben sich 5341 Kinder für die fünften Klassen angemeldet - das sind 7,2 Prozent mehr als im vergangenen Jahr.
  • Die Schulleiter freuen sich über den Ansturm, müssen aber immer wieder Schülern absagen.
  • Mancher Direktor hat sich eines Tricks bedient, um mehr Schüler annehmen zu können.
Von Melanie Staudinger

Leonhard Baur wirkt entspannt nach diesem Anmeldetag. "Nur 20" seien es in diesem Jahr, die er abweisen haben müsse. Dem Direktor des Gymnasiums München Nord an der Knorrstraße wäre es zwar deutlich lieber, wenn es genau ausgegangen wäre. Aber 20 Schüler sind weniger als die 90, denen er im vergangenen Jahr erklären musste, dass sie an seiner Schule keinen Platz haben können, weil sie schlicht zu voll ist. Nun ist es aber nicht so, dass das Interesse an Münchens modernstem Gymnasium nachgelassen hat. Vielmehr hat Baur eine eigene Strategie entwickelt, um dem Andrang Herr zu werden.

Zum einen hat er den ohnehin schon kleinen Einzugskreis noch kleiner gemacht, damit von vorneherein weniger Eltern zur Anmeldung erscheinen. Zum anderen hat Baur einfach noch eine Klasse mehr aufgenommen. Eigentlich ist die Schülerzahl für vier Parallelklassen pro Jahrgang ausgelegt, im kommenden Schuljahr ist zumindest die fünfte Jahrgangsstufe sechszügig.

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Mit den Anmeldezahlen kämpfen heuer so einige Gymnasien. Statt 4981 haben sich 5341 Kinder für die fünften Klassen angemeldet. Das macht ein Plus von 7,2 Prozent. Von Entspannung kann also im Münchner Norden eigentlich keine Rede sein. Das zeigt sich vor allem knapp sechs Kilometer weiter südöstlich vom Gymnasium München Nord, auf der anderen Seite der B 304. Dort nämlich kämpft Direktor Stefan Illig mit 231 Interessenten - nur aufs Käthe-Kollwitz-Gymnasium wollten noch mehr Mädchen und Jungen als aufs Gymnasium München Moosach.

Dass die Schule so beliebt ist, freue ihn natürlich, sagt Illig. "Mir wäre aber lieber gewesen, wir wären im hinteren Mittelfeld gelandet." Denn nur mit einem Trick gelang es ihm, dass er nur gut ein Dutzend Schüler abweisen muss und nicht deutlich mehr. Auch das staatliche Moosacher Gymnasium ist für vier Klassen pro Jahrgangsstufe konzipiert. Im kommenden Schuljahr bietet Illig sogar sieben fünfte Klassen an. Drei davon sollten die sogenannten Vorläuferklassen für Feldmoching sein. Den Eltern aber, so vermutet der Moosacher Schulleiter, sei die Aussicht auf eine Schule, die mitten auf der grünen Wiese entstehen soll, zu unattraktiv gewesen. Es fanden sich Interessenten für nur zwei statt der geplanten drei Klassen.

Illig beließ dies so und bildete fünf eigene Klassen, eine mehr als vorgesehen. Von den 231 Anmeldungen stammten 170 von Kindern, die in Moosach lebten, berichtet der Direktor. Und für die sei die Schule schließlich gebaut worden. Dass alle Platz haben, liegt an den Schulcontainern, die noch auf den Sportplätzen stehen.

Sie dienten als Ausweichquartier, als das Gebäude, das das Gymnasium mit der städtischen Artur-Kutscher-Realschule und der Grundschule an der Gerastraße teilt, saniert wurde. Jetzt bieten sie zwei bis drei zusätzliche Klassenzimmer. Eine Notlösung der Stadt, der Illig zugestimmt hat. "Trotzdem hätten wir natürlich gerne unsere Sportflächen zurück", sagt er.

Die Mehrzahl derer, die am Moosacher Gymnasium keinen Platz ergattert haben, kommen am Willi-Graf-Gymnasium unter, wo sich allerdings bereits 144 Familien und damit 43 mehr als im Vorjahr angemeldet hatten. Weiter nach Westen oder Süden könne man die Kinder nicht schicken, sagt Illig. Denn auch am Louise-Schroeder-Gymnasium in Untermenzing und in Neuhausen am Rupprecht-Gymnasium und am Käthe-Kollwitz-Gymnasium wird es enger und enger.

"Eigentlich ist es ja positiv, dass so viele Kinder zu uns wollen, weil es zeigt, dass wir mit unserem Angebot nicht vollkommen danebenliegen", sagt Schulleiter Luitpold Klotz vom Käthe-Kollwitz-Gymnasium. 235 Familien wollen ihre Kinder im September schicken, doch nicht alle können aufgenommen werden. Sechs Eingangsklassen will Klotz anbieten: Mehr gehe nicht, weil es nicht genügend Hallenkapazitäten für den Sportunterricht gebe. "Wir werden aber für jedes Kind einen Platz finden", verspricht Klotz.

Der Stadt ist der Engpass im Norden bekannt. Neben dem Gymnasium in Feldmoching ist auch auf dem Areal der Bayernkaserne ein Gymnasium geplant. Dass diese Neubauten die Situation merklich verbessern, daran glauben viele Schulleiter im Norden Münchens nicht mehr. Denn das habe es auch vor der Eröffnung des Gymnasiums München Nord vor zwei Jahren geheißen. Die Probleme seien aber nach wie vor dieselben - und ohne weitere Schulbauprojekte würden sie sich nicht lösen lassen.

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