Grundschule an der Fröttmaninger Straße Formaldehyd im Grundschulcontainer entdeckt

Wegen Baumängel holen Arbeiter die eigentlich neuen Pavillons der Grundschule an der Fröttmaninger Straße wieder ab.

(Foto: Robert Haas)
  • Zu wenig Platz, sanierungsbedürftige Gebäude: In München gehören Schulcontainer längst zum Alltag.
  • Doch immer wieder gibt es Probleme mit den Ausweichbauten: dieses Mal bei der Grundschule an der Fröttmaninger Straße.
  • Bodenplatten enthielten Formaldehyd, darum musste das Interimsgebäude demontiert und ein neues hingestellt werden.
Von Melanie Staudinger

Erneut hat die Stadt München Schwierigkeiten mit einem Schulcontainer. Dieses Mal hat es die Grundschule an der Fröttmaninger Straße getroffen: Dort sollte eine Pavillonanlage die angespannte Raumsituation schon seit vergangenem September entlasten. Doch es kam zu Verzögerungen. Weil die Bodenplatten entgegen vertraglicher Vereinbarungen Formaldehyd enthielten, hatten Messungen der Raumluft kritische Werte ergeben. Nun lässt die Stadt das Interimsgebäude wieder demontieren und ein neues hinstellen. Dies soll bis Oktober geschehen, erst danach kann die Generalsanierung der Grundschule beginnen.

An Münchens Schulen gehören Container längst zum Alltag. Sie schaffen Platz, wenn die Schulfamilie ein zeitlich begrenztes neues Zuhause braucht. Und sie lindern die größte Platznot an den Schulen, die nicht mehr jahrelang auf ihre Erweiterung warten können, weil es bei ihnen jetzt schon viel zu eng ist. Allein im Jahr 2016 werden laut einem Stadtratsbeschluss 27 Schulpavillons entstehen. Diese bieten 201 zusätzliche Klassenzimmer, 46 Ganztagsräume und sieben Mensen. Dieses Projekt lässt sich die Stadt 135 Millionen Euro kosten.

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Im vergangenen Jahr hat der Stadtrat 14 Containeranlagen genehmigt. Die provisorischen Gebäude sollen Zug um Zug von Festbauten ersetzt werden. Viele Schulleiter und Eltern sind allerdings skeptisch. Die Erfahrung nämlich zeigt bisher, dass Pavillons meist viel länger stehen als ursprünglich geplant, weil die Stadt mit den Neubauten nicht hinterherkommt. Und auch mit der Innenausstattung gibt es immer mal wieder Probleme.

Im September krachten Deckenteile im Pavillon der Ludwig-Thoma-Realschule herunter und verletzten Schüler - die Schrauben waren zu kurz, um das Konstrukt zu halten. Einen Monat später lösten sich in einem Container des Schulzentrums in Moosach ebenfalls Deckenplatten. 9000 Platten mussten dort und in der baugleichen Anlage des Wilhelmsgymnasiums entfernt werden, weil die Aufhängekonstruktion zu schwach gewesen sei.

Das prominenteste Beispiel ist aber sicherlich die Grandlschule in Obermenzing. Dort fürchteten Mütter und Väter um die Gesundheit ihrer Kinder, weil in nagelneuen Pavillons erhöhte Werte des krebserregenden Gases Formaldehyd gemessen wurden. Die Holzwerkstoffplatten waren zwar formaldehydarm, aber nicht formaldehydfrei verleimt worden. Bei den Kindern, so sagten die Eltern, löste das Gas Kopfschmerzen und Reizhusten aus. Die Stadt reagierte und baute Lüftungsgeräte ein.

Ein Ersatzbau musste her - und zwar schnell

Tests zeigten, dass damit das Problem behoben war. Die Eltern aber blieben skeptisch und forderten weitere Messungen. Einige hätten am liebsten, dass ihre Kinder woanders unterrichtet würden, solange die Sanierung der Schule nicht abgeschlossen ist. Nach dem Wirrwarr in Obermenzing rumorte es aus dem gleichen Grund auch an der Fritz-Lutz-Grundschule in Denning.

So weit ist es in der Grundschule an der Fröttmaninger Straße nicht gekommen. Wegen der kritischen Raumluftmessungen hat das Baureferat nach eigenen Angaben die Anlage vom Hersteller erst gar nicht übernommen. Seit September sei man gemeinsam mit der Firma auf der Suche nach einer Lösung gewesen. Die Bodenplatten hätten sich allerdings nicht ohne Weiteres austauschen lassen, weil dies zu aufwendig gewesen sei.

Es musste also ein Ersatzbau her, den die Stadt nun gleich kaufen will statt ihn zu mieten. Dann könnte, so argumentiert das Bildungsreferat, der Pavillon auch von anderen Schulen genutzt werden, wenn die Generalsanierung der Grundschule an der Fröttmaninger Straße Ende 2018 abgeschlossen sein soll.

Für die Schüler dort ändere die Tatsache, dass der Container neu aufgestellt werden muss, erst einmal nichts, erklärte eine Sprecherin des Bildungsreferats. Zwar verzögere sich der Umzug, auf die Organisation des Alltags gebe es aber keine Auswirkungen. Die Schule nutze derzeit als Zweigstelle Pavillons an der Gertrud-Grunow-Straße.

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