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Sanierungsbedarf:120 Schulen sind zu eng, alt und marode

Nicht nur die Tartanbahn ist am Max-Planck-Gymnasium in Pasing kaputt.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Zahlreiche Schulen in München müssen saniert, erweitert oder neu gebaut werden.
  • Besonders drastisch ist die Situation bei den weiterführenden Schulen.
  • Der Stadtrat soll für das kommende Jahr 28 weitere Containerschulen für 135 Millionen Euro beschließen.

Undichte Fenster, von denen sich manche gar nicht mehr öffnen lassen, abgeblätterte Farbe an Wänden und Heizkörpern und eine Tartanbahn, die sich langsam vom Boden löst - für die Schüler und Lehrer des Max-Planck-Gymnasiums in Pasing ist das Alltag. Seit 51 Jahren hat sich in dem Gebäude wenig getan, abgesehen von kleineren Schönheitsreparaturen, ein paar neuen Toiletten, einer Fassadensanierung im Südtrakt und dem Bau einer Mensa. Und auch in den kommenden zwei Jahren wird wenig geschehen. Obwohl es Direktor Walter Scharl nach ganz oben auf die neue städtische Prioritätenliste geschafft hat, bekommt er 2016 erst einmal nur einen Pavillon.

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Vor 2018 klappe es mit einer Sanierung nicht, schreibt das Bildungsreferat als Antwort auf eine Anfrage von vier CSU-Stadträten. Zu viele Planungen seien vor der "Großbaumaßnahme" nötig. Immerhin: Nach zwei Jahren Arbeit hat die Arbeitsgruppe Schulbauoffensive der Stadtverwaltung nun eine Liste der wichtigsten Bauvorhaben vorgelegt. Damit steht fest, welche Schulen zuerst saniert werden oder einen Anbau erhalten und welche gleich neu gebaut werden. Was vorhersehbar war, ist, dass auf die Stadt viel Arbeit zukommt, und dass sie mit immensen Ausgaben rechnen muss. 4,5 Milliarden Euro will Stadtschulrat Rainer Schweppe in alte und neue Schulen investieren.

An mehr als 120 Schulen muss gebaut werden

Sein neuestes Zahlenwerk beschreibt die Dimension. Mehr als 120 Schulen müssen demnach in den kommenden Jahren neu gebaut, erweitert oder saniert werden. Momentan laufen 22 Maßnahmen. Der gestiegene Platzbedarf resultiert nicht nur daraus, dass es immer mehr Schüler gibt. Durch die Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit Förderbedarf oder Behinderung an Regelschulen und den Ganztagsausbau brauchen die Schulen auch mehr Raum. Dazu kommt, dass an vielen Einrichtungen ähnlich lange baulich nichts mehr passiert ist wie am Max-Planck-Gymnasium.

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Wie groß der Sanierungsrückstand ist, zeigen die Statistiken fast aller Schularten außer der beruflichen Schulen. Besonders drastisch ist demnach die Situation bei den weiterführenden Schulen. Bei den Realschulen gibt es 19 Standorte mit 23 Einrichtungen in der Stadt. 15 davon haben einen hohen Erweiterungsbedarf, bei einem ist er mittel, bei drei lediglich gering. Allerdings haben sechs Standorte keinen Platz für zusätzliche An- oder Neubauten, bei sieben sind die Raumverhältnisse ebenfalls nicht ganz optimal. Fünf dieser Standorte müssen laut Bildungsreferat zudem dringend saniert werden, elf mittelfristig und nur drei nicht.

Viele Schulen sind zu klein

Ähnlich sieht es bei den 38 städtischen und staatlichen Gymnasien aus. Mehr als die Hälfte ist zu klein, fast 40 Prozent müssen dringend renoviert werden. Nur acht Einrichtungen sind dem ungebrochenen Schüleransturm auch platztechnisch gewachsen, vier sind baulich auf einem aktuellen Stand.

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Um die größte Raumnot abzufangen, sollen bis September 14 Schulpavillons aufgestellt werden. Zusätzlich bekommen die Grundschule und die Förderschule an der Fröttmaninger Straße sowie das Wilhelmsgymnasium Ausweichquartiere, damit ihre Gebäude saniert werden können. Der Zeitplan allerdings ist knapp, fast alle Anlagen werden erst Ende August fertig und müssen dann eingerichtet und bezogen werden. Im kommenden Jahr könnte die Sache noch stressiger werden: Der Stadtrat soll an diesem Donnerstag 28 weitere Containerschulen für 135 Millionen Euro beschließen, die 2016 errichtet werden.

Wenn sich das Gremium mit der durchaus umfassenden Stellungnahme der Stadtverwaltung zur Schulbauoffensive beschäftigt, soll es gleich auch mehr als 100 neue Stellen in der Verwaltung absegnen. Wie gut die Schulbauoffensive, die bis 2030 angelegt ist, umgesetzt werden kann und wie erfolgreich sie wird, hänge "wesentlich von der frühzeitigen und ausreichenden Bereitstellung der erforderlichen Personalkapazitäten ab", schreibt die Rathausverwaltung in der Sitzungsvorlage.

© SZ vom 09.07.2015/vewo
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