Von Rebecca Brielbeck

Bei der Open Mic Session in der Glockenbachwerkstatt stellen Jugendliche ihr Rap-Talent unter Beweis und widerlegen dabei so einige Klischees.

Es ist dunkel. Junge Männer in weiten Baggyhosen und Kapuzenpullis und Mädchen mit engen Jeans und großen Creolen in den Ohren stehen in Grüppchen zusammen. Vier Jungs sind auf der Bühne und streiten sich.

"Wir sind nicht hier um zu zeigen, wie gefährlich wir sind, sondern um gute Musik zu machen", Philipp (rechts) und Simon treten fast jede Woche in der "Glocke" auf. (© Foto: Rebecca Brielbeck)

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So wirkt es zumindest auf den ersten Blick. Sieht, beziehungsweise hört man an diesem Abend in der Glockenbachwerkstatt genauer hin, erkennt man, dass sie sich nicht wirklich in den Haaren liegen, sondern sich lediglich "batteln". Dabei versuchen die Rapper, ihre Kontrahenten mit Worten auszustechen und so die Gunst des Publikums oder, wenn vorhanden, einer Jury zu erlangen.

Immer Dienstags haben Rapper oder solche, die es werden wollen, die Möglichkeit, ihr Können auf der Open Mic Session in der "Glocke", wie die Glockenbachwerkstatt liebevoll genannt wird, unter Beweis zu stellen und herrschende Klischees zu widerlegen. Denn Vorurteile wie kriminell, ordinär und ohnehin "dumm wie Bohnenstroh" sind in der Bevölkerung gegenüber den Protagonisten dieses Genres weit verbreitet. Dabei hat Deutsch-Rap viel mehr zu bieten, als dem Publikum auf MTV und VIVA suggeriert wird. Viele Künstler setzen sich mit anspruchsvolleren Themen auseinander als Drogendealen und Geschlechtsverkehr.

Ein DJ, Turntables und Mikrofone

So auch auf der Open Mic Session in der Glockenbachwerkstatt. Open Mic ist eine spezielle Form des Auftritts beim Hip Hop. Jeder, der möchte, kann sich auf die Bühne stellen und etwas zum Besten geben. Dabei ist es üblich, dass die Künstler keine vorab geschriebenen Texte vortragen, sondern freestylen, also aus dem Stegreif rappen. Entweder sie erzählen dabei eine Geschichte oder sie batteln sich, wie die vier Jugendlichen in der "Glocke". Sich bei so einem Event auf die Bühne zu stellen, erfordert allerdings schon ein bisschen Mut, denn nicht jeder ist von Haus aus eloquent genug, um hier eine gute Figur abzugeben.

Aber natürlich kann man so etwas üben und dafür ist die Bühne in der Glockenbachwerkstatt genau das Richtige. "Wir stellen den Leuten alles zur Verfügung", sagt Andreas Alt, Sozialpädagoge und Veranstalter der Open Mic Sessions.

"Es gibt einen DJ, Turntables und Mikrofone. Man braucht sich nur noch auf die Bühne zu stellen und loslegen." Und nicht nur die MCs, also die Rapper, haben hier eine Plattform, auch DJs dürfen auflegen, wenn sie Lust dazu haben. Schließlich besteht Hip Hop nicht nur aus Sprechgesang, sondern auch aus den passenden Beats.

"In Deutschland gibt es sowieso keine Gangster"

Seit mittlerweile drei Jahren findet die Veranstaltung jede Woche in der "Glocke" statt. "Wir wollten etwas machen, was den Jugendlichen gefällt und das ist nun mal Hip Hop", erklärt Alt. Der Erfolg gibt den Verantwortlichen Recht: Viele Große und Kleine aus der Münchner Rapszene kommen jede Woche, um hier aufzutreten. So auch Philipp und Simon, aka MC D-Fekt und MC Sime, beide 21 Jahre alt. "Es ist toll, dass es hier eine Möglichkeit gibt zu rappen", sagt Philipp. "Man kann üben, nette Leute kennen lernen und einfach Spaß haben."

Die beiden betonen, dass es im Rap nicht nur darum geht, Gangstertum zu zelebrieren: "In Deutschland gibt es sowieso keine Gangster", sagt Philipp. Simon, der gerade sein Fachabitur macht und anschließend Tourismusmanagement studieren möchte, fügt hinzu: "Wir sind nicht hier um zu zeigen, wie gefährlich wir sind, sondern um gute Musik zu machen."

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